David Nicholls: „Drei auf Reisen“

David Nicholls: „Drei auf Reisen“

Douglas ist Mitte 50, arbeitet in einem Biologielabor und ist mit sich eigentlich ganz zufrieden. Seine Frau Connie ist ganz anders als Douglas: Eher eine Künstlernatur. Sohn Albie (der bald 18 wird und schwer in der Pubertät steckt) kommt mehr nach seiner Mutter und wird bald aus seinem Elternhaus ausziehen.
Soweit ist also alles in Ordnung….zumindest bis zu dem Morgen, an dem Connie Douglas eröffnet, dass sie ihn, wenn Albie aus dem Haus ist, verlassen möchte. Denn das Projekt Kind sei ja nun beendet.
(mehr …)

Jochen Schmidt: „Schneckenmühle“

Schneckenmuehle von Jochen SchmidtWir schreiben das Jahr 1989. Jens lebt in der DDR und freut sich, dass er im Sommer ins Ferienlager Schneckenmühle (das übriges wirklich existiert) fahren darf.
Was ihm Sorgen macht, ist die allerdings Disko, die dort immer stattfindet, denn er kann nicht tanzen und hat irgendwie den Moment verpasst, es zu erlernen.

Aber auch andere Fragen beschäftigen ihn:
Was schreibt man bloß in seinem Brief an die Eltern? Warum ist plötzlich Gruppenleiter Wulf spurlos verschwunden? Hat er vielleicht „rüber gemacht“? Warum wird für Persil („Da weiß man, was man hat“) überhaupt Werbung gemacht? Da gibt doch die Firma praktisch zu, dass das Waschmittel Werbung nötig hat….Fragen über Fragen beschäftigen Jens und irgendwie beschäftigt ihn auch Peggy, die aus Sachsen kommt, einen komischen Dialekt hat, sich eher zurückzieht, aber doch irgendwie nett ist. Könnte sie vielleicht Jens´ erste Freundin werden?

Jochen Schmidt finde ich schon lange richtig gut. Zum ersten Mal gesehen und gehört habe ich ihn bei der Lesebühne „Chaussee der Enthusiasten“ in Berlin und hatte bei seinen Texten immer sehr viel Spaß.
Dass er auch Bücher schreibt habe ich eher per Zufall rausgefunden und seine Textsammlung „Meine wichtigsten Körperfunktionen“ hat mich total begeistert, weil er es schafft Alltägliches, wie zum Beispiel die Rumkrustelei, bevor man wirklich seine Wohnung verläßt, so humorvoll und exakt beschreibt, dass ich mich richtig ertappt fühle.

Jetzt habe ich also meinen ersten Roman von ihm gelesen.
Und ich habe genau das bekommen, was ich mir erhofft hatte: Ich hatte während der Lektüre immens viel Vergnügen, aber auch melancholische Momente. Ich durfte die letzten Tagen der DDR aus der Sicht eines 14-jährigen erleben und alltägliche Dinge von einer anderen Seite aus betrachten.

Irgendwie hat mich „Schneckenmühle“ auch an eines meiner Lieblingskinderbücher erinnert. An den „kleinen Nick “ von Goscinny und Sempe, der absolut witzig ist, den ich immer wieder hervor hole und der mich zum Lachen bringt.
Vielleicht wegen der starken und authentischen Dialoge und natürlich wegen des tollen Humors. Und genau das ist auch die Stärke von Jochen Schmidt: Wunderbarer Witz und Authentizität.

Ich finde Jochen Schmidt jedenfalls richtig klasse und nehme mir fest vor, mehr von ihm zu lesen.

» zur Leseprobe


ISBN:  978-3-442-74735-1
Verlag: btb
Preis: 9,99 €


Das könnte Dir vielleicht auch gefallen:

Pierre Lemaitre: „Wir sehen uns dort oben“

1252_01_Lemaitre_DortOben.inddDie letzten Tage des ersten Weltkrieges sind angebrochen und Hauptmann Pradelle hat es noch immer nicht geschafft, Ruhm und Ehre zu erlangen.  Viel Zeit bleibt ihm nicht mehr. Doch was tun, wenn die Soldaten nicht mehr sonderlich motiviert sind, in eine eigentlich vollkommen unnötige Schlacht um einen Frontabschnitt zu ziehen und so auf den letzten Metern ihr Leben zu riskieren?
Richtig: Man macht sie wütend. Und das gelingt Pradelle.
Albert ist einer der Soldaten und mitten im Schlachtgetümmel fällt ihm auf, zu welch unlauteren Mitteln Hauptmann Pradelle gegriffen hat und ist fassungslos. Doch Pradelle hat Albert beobachtet und ihm ist klar, dass er enttarnt ist. Also bleibt ihm nur die eine Möglichkeit: Der Mitwisser muss sofort sterben – ein Toter weniger fällt auf einem Schlachtfeld ja nicht auf…

Was für ein Buch! Ich war von der ersten Seite an vollkommen gefesselt und das obwohl der erste Weltkrieg jetzt nicht unbedingt zu meinen Lieblingsthemen gehört. Aber gleich die ersten Szenen sind so unglaublich intensiv, dass ich einfach weiterlesen musste.

Aber keine Angst, dies ist kein Buch, das nur auf dem Schlachtfeld spielt, denn eigentlich geht es darum, wie Alberts und Hauptmann Pradelles Leben nach dem Krieg weiter geht und auf welch unglaublichen Geschäftsideen man in der Not kommen kann.
Es ist ein Buch über Freundschaft (Alberts Freund Edouard ist eine Figur, die mir immer noch tief ins Gedächtnis eingegraben ist und den ich sicherlich nie vergessen werde) , Macht und Gier – und darüber, dass tote Helden viel mehr zählen, als überlebenden Kriegsheimkehrer.

„Wir sehen und dort oben“ ist mit Frankreichs wichtigstem Literaturpreis (dem Prix Goncourt) ausgezeichnet worden – und das völlig zu Recht!

» zur Leseprobe


ISBN: 978-3-608-98016-5
Verlag: Klett-Cotta
Preis: 22,95€


Das könnte Dir vielleicht auch gefallen: