Sanne Munk Jensen & Glenn Ringtved: „Wir wollten nichts. Wir wollten alles.“

Geschafft: Das erste Buch von meiner Liste der Jugendbuch-Neuerscheinungen ist gelesen.

Und darum geht es:

Wir wolltenZwei Leichen werden im Wasser gefunden. Mit Handschellen aneinander gefesselt. Es sind Louise und Liam.

Louise kommt eigentlich aus gutem Hause, doch auch in einem guten Hause ist nicht alles perfekt: Die Mutter hat einen Putzfimmel und auch sonst ist das Verhältnis zu den Eltern eher schwierig. Richtige Freunde hat Louise auch nicht, außer Cille, mit der sie ab und zu etwas unternimmt.
So auch an jenem Abend, an dem sich Louises Leben vollkommen verändern wird: Sie sitzt mit Cille im Bus und wird von einem Jungen angesprochen, der sie einlädt mit ihm mitzukommen. Erst wollen die beiden nicht (klar, wer geht denn mit einem Fremden mit…?) entscheiden sich dann aber spontan um. Und so lernt Louise Liam kennen, ihre erste große und einzige Liebe.

Liams Zuhause ist auch nicht perfekt: Er lebt mit seinem dem Alkohol nicht abgeneigten Vater und seinem Bruder zusammen. Die Mutter ist schon vor Jahren verstorben und dass merkt man auch an der Wohnung, die etwas arg vernachlässigt worden ist.
Als Liam Louise kennen lernt, passiert endlich mal etwas Gutes in seinem Leben. Er liebt sie über alles und dass ihre Eltern ihn (auch wegen seiner Herkunft) ablehnen, ist ihm egal, denn das Wichtigste für ihn ist, mit Louise zusammen sein zu können.

Alles ist gut, bis Liam den zunächst freundlichen Johannes kennen lernt und auf die Idee kommt, mit ihm zusammen zu arbeiten – was bedeutet, Drogen für ihn zu verkaufen. Zunächst verdient er viel Geld und kauft Louise alles, was sie sich nur wünscht, doch bald muss er feststellen, dass Johannes nicht so nett ist, wie er sich anfangs gegeben hat – besonders dann nicht, wenn man nicht so funktioniert, wie man soll…doch ist das der Grund, weshalb Liam und Louise sich das Leben Leben genommen haben, oder steckt etwas ganz anderes dahinter…?

„Wir wollten nichts. Wir wollten alles.“ ist ein wunderbarer und zugleich schrecklicher Roman um das Thema der großen Liebe und darum, dass alles Glück der Welt nichts hilft, wenn man sich mit den Falschen einlässt. Spannend und intensiv und weil es doch sehr zur Sache geht hier eine Altersempfehlung: Ab 16.

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ISBN: 978-3-7891-3920-8
Verlag: Oetinger
Preis: 16,99 €

Frank Schulz: „Onno Viets und das Schiff der baumelnden Seelen“

Frank Schulz: „Onno Viets und das Schiff der baumelnden Seelen“

Onno Viets hat sich von seinem ersten Einsatz als Privatdetektiv nur schwer erholt, als er zu einem neuen Einsatz gebeten wird: Vetter Donald will eine Kreuzfahrt antreten. Allerdings nicht um der schönen Reise zu frönen, sondern um seiner neueste und wesentlich jüngere Flamme Kristin Luise einen Besuch abzustatten.
Kristin Luise arbeitet nämlich auf dem Kreuzfahrtschiff und ob die sich jetzt so über den Überraschungsbesuch freuen wird, sei einmal dahingestellt.
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Anne Köhler: „Ich bin gleich da“

Anne Köhler: „Ich bin gleich da“

Elsa hat für sich entdeckt, dass sie nirgendwo so gut vergessen und im Hier und Jetzt leben kann, wie in der Küche eines Restaurants. Manche brauchen hierfür Alkohol oder Drogen, Elsa braucht den Stress der Küche, klare Aufgaben, klare Ansagen.
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Dörte Hansen: „Altes Land“

Dörte Hansen: „Altes Land“

Ida Eckhoff ist nicht begeistert, als im Frühjahr 1945 erneut Flüchtlinge aus Ostpreußen bei ihr auf dem Hof auftauchen.
Aber gut, sie dürfen in der Knechtkammer bleiben – auf der weißen Bank im Garten dürfen sie jedoch nicht sitzen.
Dass ausgerechnet diese beiden Flüchtlinge (Hildegard von Kamcke und ihre Tochter Vera) noch viel mehr in Beschlag nehmen würden, als nur die weiße Bank, damit hat Ida Eckhoff nicht im Entferntesten gerechnet. Es kommt sogar so weit, dass Vera, das Flüchtlingskind, das ganze Haus erben wird.
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Frank Schulz: „Onno Viets und der Irre vom Kiez“

Onno_VietsFrank Schulz war mir kein Begriff, bis zu dem Tag, an welchem die Longlist des Deutschen Buchpreises 2012 veröffentlicht worden ist. Beim Studieren der Leseproben bin ich sofort bei „Onno Viets“ hängen geblieben und dachte mir: Wie genial ist das denn?!
Da schreibt einer mit einer überbordenden Sprachgewalt, drechselt irrwitzige Phrasen, erschafft Momente feinster Situationskomik und schafft es, dass ich jauchze und lache und staune, dass jemand so formulieren kann.

Ach so, das Thema dieses Buches wäre ja auch noch von Belang (obwohl, ganz ehrlich, ich finde Frank Schulz kann schreiben, was er will, ich würde alles lesen) – also hier der Inhalt kurz und knapp:

Onno Viets, Mitte 50, Hartz IV-Empfänger, Noppensockenträger und ungeschlagener Pingpong – König hat das Finanzamt im Nacken, den Geburtstag seiner Frau Edda vor Augen und eine Eingebung aus dem Fernsehen: Er wird Privatdetektiv!
Seine geplagten Sportsfreunde vom Tischtennis ahnen Ungutes..

Bei diesem Buch ist es vielleicht nicht verkehrt einfach mal vorher reinzulesen, damit man einen Eindruck bekommt, wie Frank Schulz schreibt – und deshalb gibt es hier eine Leseprobe.

Ich jedenfalls bin hin und weg und kann mich Karen Duves Worten nur anschließen: „Wenn der überaus sprachmächtige Frank Schulz einen Krimi vom Stapel läßt, erwartet man natürlich gleich den Krimi aller Krimis – ein saftstrotzendes Wunderding von einem Buch. Das trifft es exakt.“


ISBN: 978-3-499-25973-9
Verlag: Rowohlt
Preis: 9,99 €


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Charles Lewinsky: „Melnitz“

Melnitz1Ja, ich habe eins. Ein absolutes Lieblingsbuch: „Melnitz“.

Und was habe ich mich gegen dieses Buch gesträubt…
Mein Kollege Oskar hat sage und schreibe fünf Jahre lang zu mir gesagt: „Jetzt lies es doch!“ und mir war es immer zu dick und ich hatte keine Lust.
Und was war das Ende vom Lied? Ich saß morgens um vier im Bad und habe geheult, weil dieses Buch zu Ende war.

Es geht um die jüdische Familie Meijer und deren Leben zwischen 1871 und 1945 in der Schweiz. Charles Lewinsky schafft mit dieser Familie so wunderbar plastische Charaktere, dass ich das Gefühl hatte, ein Familienmitglied zu sein.
Da geht es zum Beispiel um die Mutter, die immer die Lippen einsaugt, wenn ihr etwas nicht passt und um ihre beiden Töchter Mimi und Chanele, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Chanele ist adoptiert und hat eine Seelenruhe, während Mimi eine sehr aufgeregte Person ist. Beide vergucken sich in den Schneidergesellen Janki (der der französischen Armee entflohen ist) und  Chanele versucht zu verhindern, dass Mimi von davon Wind bekommt, was natürlich nicht funktioniert.
Und Janki mischt das Leben der Familie Meijer, die im Dorf Endingen für Ehrlichkeit steht, gehörig auf.

Hinzu kommt, dass wir unglaublich viel über das jüdische Leben in der Schweiz erfahren, zum Beispiel auf welche Berufe man auswich, als das Schächtverbot verhängt wurde. Davon und von vielem mehr erzählt uns Charles Lewinsky so gekonnt und mit solch ansteckender erzählerischer Begeisterung, dass ich mich gar nicht mehr von den Personen trennen wollte.
Schon nach den ersten hundert Seiten habe ich gedacht: “ Was? Nur noch 600 Seiten??? Das darf nicht wahr sein!!“ – Und wie schon gesagt, am Ende sind mir wirklich die Tränen gekommen und das passiert mir ganz selten.

An dieser Stelle nochmal ein Danke an Oskar, dass er auf diesem Buch beharrt hat und das natürlich auf seiner Lese-Liste steht.

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ISBN: 978-3-423-13592-4
Verlag: dtv
Preis: 12,90 €


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