T.C. Boyle: „Hart auf hart“

T.C. Boyle: „Hart auf hart“

Auf den ersten Seiten dachte ich, dass ich im falschen Buch wäre. Es ging gar nicht, wie angekündigt, um einen schizophrenen Waffennarren, sondern um ein Ehepaar auf Kreuzfahrt.
Das hat mich zunächst zugegebenermaßen leicht irritiert. Aber nur ganz kurz, denn nach den ersten zwei Seiten war komplett gefesselt von diesem Buch – und der schizophrene Waffennarr kam einfach etwas später.
Aber der Reihe nach:
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Auf diese Taschenbuch-Neuerscheinungen freue ich mich im Frühjahr 2015 – Teil 2

Jetzt sind fast alle Vorschauen für den Herbst erschienen und ich habe schon viele Bücher entdeckt, auf die ich mich sehr freue. Aber nachdem ich neulich den ersten Teil der Taschenbuch-Neuerscheinungen des Frühjahrs 2015 gepostet habe, folgt jetzt ersteinmal Teil zwei:
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Kathrin Spoerr & Britta Stuff: „Nach Feierabend“

nach_feierabendSie alle arbeiten in einem großen Unternehmen und verbringen den gesamten Tag zusammen. Aber was wissen sie wirklich voneinander? Klar, Gerüchte gibt es viele, aber was treiben die Kollegen wirklich nach Feierabend?

Dieser Frage gehen die beiden Autorinnen nach und so erfahren wir zum Beispiel dass die Pförtnerin Corinna davon träumt Bestseller-Autorin zu werden.
So schwierig kann das ja nicht sein – prompt wird gegoogelt, wie viel Text auf so eine Buchstandardseite passt. Zehn Minuten hat sie für ihre erste Seite gebraucht, 400 Seiten sollten es schon werden. Also wird schnell ausgerechnet: Ca. 67 Stunden wird sie dafür brauchen und wenn jeden Tag (auch am Wochenende) eine Stunde schreibt, ist sie in 67 Tagen fertig.  Prima, das geht doch!
Ach so, das Thema…irgendwas was alle interessiert und was sich vielleicht auch für eine Verfilmung eignet, so wie „Shades of Grey“ – aber am besten wäre es, wenn es den Kritikern auch gefallen würde.
Ja und mit diesen Vorstellungen im Hinterkopf fängt Corinna an zu schreiben und wir dürfen ihr dabei über die Schulter schauen. Das Ergebnis ist jedenfalls sehr eigen und amüsant…!

Oder da ist zum Beispiel Martin (Sachbearbeiter Sonderprojekte), der beauftragt wurde vom eingesammelten Geld für eine Kollegin, ein Geschenk zu besorgen.Er sieht das allerdings nicht so wirklich ein, denn die blöde Kuh braucht kein Geschenk und schon gar kein Teures.
Im KaDeWe gibt es ein paar Schuhe, die er sich bis jetzt verkniffen hat. Er – der Pfarrerssohn, dessen Kindheit von viel Moral und wenig Geld geprägt war und der doch in teuren Klamotten so viel besser aussieht, als in Billigen.
Ja, jetzt sind sie fällig diese Schuhe!

Dieser Roman hat viele sehr unterschiedliche Episoden, die alle etwas gemeinsam haben: Sie sind sehr abwechslungsreich und niemals langweilig.
Das Schöne ist, dass die Personen sich alle kennen, sich manchmal auch in den einzelnen Episoden begegnen, dass wir erfahren, was wer über wen denkt und dass am Schluss alles zusammengeführt wird.
Dass die beiden Autorinnen Journalistinnen sind, merkt man am klaren Tonfall, an ihrer Art und Weise Dinge auf den Punkt zu bringen und dabei den Leser blendend zu unterhalten.
Dieses Buch hat mir viel Vergnügen bereitet und nach der Lektüre muss man sich  unweigerlich die Frage stellen: Was machen meine Kollegen eigentlich nach Feierabend…?


ISBN: 978-3-8321-9765-0
Verlag: Dumont
Preis: 18,99


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Angela S. Choi: „Hello Kitty muss sterben“

Hello Kitty muss sterben von Angela Choi

Fiona Yu kommt aus einem traditionellen, freundlichen chinesischen Elternhaus. Sie selbst (eine sehr intelligente und hervorragende Juristin) schwebt aber, vor allem was ihre Beziehung zu Männern anbelangt, eher zwischen den beiden Welten: Dem freiheitsliebenden San Francisco und der klassisch-chinesischen Zurückhaltung.
Ihr Vater ist der Meinung, dass Fiona nur eine einzige Sache im Leben fehlt: Ein Mann zum Heiraten. Ein traditionell chinesischer Mann. Und den möchte er für seine Tochter finden, indem er einige Dates mit chinesischen Männern arrangiert.
Fiona ist da nicht so begeistert. Männer gerne, aber nicht diese chinesischen Langweiler, die nur möchten, dass sie brav ist und eine emotionslose „Hello Kitty“-Figur abgibt. Doch als gute Tochter geht sie natürlich zu den vom Vater geplanten Verabredungen – und langweilt sich zu Tode.

Doch dann trifft sie auf einen alten Schulfreund, der sich mittlerweile zum Auftragskiller gemausert hat und von da an wird ihr Leben äußerst spannend- das der langweiligen chinesischen Männer jedoch eher weniger…

Fiona ist eine Figur, die einem Tarantino Film entsprungen sein könnte. Angela S. Choi selbst sagt, dass sie von den Filmen ”Fight Club” und “American Psycho” inspiriert wurde und Fiona sich daher zu einer Soziopathin entwickelt hat. Das ist richtig gut gemacht und verleiht dem Roman eine ganz spezielle, durchgeknallte Note.
Angela S. Choi selbst war schon immer unangepasst und das fließt in die Figur der Fiona mit ein – genauso wie andere Lebenserfahrungen: So hat die Autorin selbst auch Jura studiert und arbeitete als Anwältin, bevor sie Schriftstellerin wurde. Auch die Dates mit den vom Vater ausgesuchten Männern hat sie selbst durchlebt. Allerdings hat ihr Vater mittlerweile aufgegeben und akzeptiert, dass er nie einen braven chinesischen Schwiegersohn bekommen wird.

Bei allem Vergnügen, den der Roman bereitet, gibt es aber auch echte Kritik, die Angela S. Choi an der asiatischen Community äußert. Zum Beispiel ist da das Denken und Verhalten in Extremen. Zum einen gibt es da die weit verbreitete Erwartungshaltung an Frauen, unterwürfig und gehorsam zu sein. (Verhaltensweisen, die die Autorin selbst nie gelebt hat. Sie gilt als “laut, eigensinnig, freimütig und ungehobelt”. Kein netter asiatischer Junge würde je mit ihr ausgehen.) Auf der anderen Seite gibt es Männer die ihr berichteten, nur asiatische “Femmes fatales” zu kennen. Entweder die Frau ist also eine “Dragon Lady” oder eine “Hello Kitty” – dazwischen scheint es, so die Autorin, nicht viel zu geben, was auch Protagonistin Fiona zu spüren bekommt.

Zum Abschluss noch ein kleiner Tipp: Bitte nicht von den ersten Seiten abschrecken lassen! Ich war anfangs auch irritiert – doch dann hat mir dieses Buch so viel Spaß gemacht. “Hello Kitty muss sterben” ist witzig, böse, rasant und irrsinnig originell – und sehr weit davon entfernt, ein klassischer Chick-Lit-Roman zu sein.

>> zum vollständigen Interiew mit Angela S. Choi
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ISBN:  978-3-442-74126-7
Verlag: btb
Preis: 8,99 €

Alexandra Kui: „Marias letzter Tag“

Marias letzter Tag von Alexandra KuiLou lebt in einem kleinen Dorf in der Nähe von Hamburg. Äußerlich ist sie sehr groß für ihr Alter und es könnte sogar sein, dass sie später einmal an die zwei Meter Marke heranreichen wird. Innerlich fühlt sich Lou allerdings gar nicht so groß. Sie ist eher ruhiger und tendiert dazu sehr pessimistisch zu sein – wie der Rest ihrer Familie auch. Ständig denkt sie daran, was alles passieren könnte.
So hat sie zum Beispiel Angst davor, dass der Blitz plötzlich einschlägt, oder dass es bei starkem Regen eine Überschwemmungen geben könnte und so weiter.
Wem dann allerdings wirklich etwas passiert, ist nicht Lou, sondern Maria – Lous bester Freundin, die einfach immer strahlt, schön und  schlagfertig ist.

Maria war an einem sehr regnerischen Tag joggen gegangen und ist von einem Zug erfasst worden. Jetzt liegt sie im Koma und die Frage ist, weshalb sie auf den Schienen stand: War es Absicht, oder war es ein Unfall?
Was Lou im Nachhinein erfährt ist, dass Maria große Angst hatte. Angst vor Krebs, denn ihre Mutter war zuvor an Krebs erkrankt.
Ist das der Grund dafür, dass sie nun im Koma liegt? Angst?

Lou ist davon sehr überzeugt und beschließt den „Sommer ohne Angst“ auszurufen. Sie gründet einen YouTube-Channel und stellt Videos online, in denen sie selbst beweist, dass sie mutig ist und vor nichts Angst hat: Nicht vor dem Trampen, nicht vor fremden Männern, nicht davor schnell Auto zu fahren.
Bei ihren Aktionen ist immer die Handykamera dabei und schnell hat ihr Channel, den sie „Marias letzter Tag“ genannt hat, sehr viele Abonnenten, denen sie immer Neues bieten möchte. Schon bald stellen immer mehr Jugendliche ihre eigenen „Mutproben“ ins Netz und „Marias letzter Tag“ nimmt für Lou ungeahnte Ausmaße an…

Das Ganze klingt sehr amerikanisch und ich hatte ja eher einen „Schlag-auf-Schlag“-Roman erwartet: Krebs, YouTube, ein vermeintlicher Selbstmordversuch –  das hört sich alles sehr dramatisch an. Aber das Schöne ist, dass diese Themen nicht ausgeschlachtet werden, sondern eher Beiwerk sind. Es geht hier um ein Mädchen, das körperlich herausragt, sich aber sonst eher kleinmacht. Ein Mädchen, das Aufmerksamkeit bekommt und sich bald die Frage stellen muss, ob diese Aufmerksamkeit in die richtige Richtung geht.

Das Besondere an diesem Buch ist definitiv die Sprache, denn diese überrascht durch ihre klare Poesie. „Marias letzter Tag“ kommt leise und poetisch daher und das fand ich wirklich wunderbar.

Ab 14 Jahren.

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P.S.: Dieses Buch ist eines der Jugendbücher auf die ich mich im Frühjahr 2015 besonders gefreut habe.


ISBN: 978-3-570-16317-7
Verlag: cbt
Preis: 14,99 €


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