Monatsrückblick Juni 2015

SAM_4672Dieser Monat war sehr erfolgreich, zumal ich unter anderem einen Knaller entdeckt habe – Siri Hustvedts “Die gleissende Welt”. Aber es gab auch noch andere Bücher, die sich nicht verstecken müssen:

 

 

 

 

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Siri Hustvedt: “Die gleissende Welt”

Siri Hustvedt: “Die gleissende Welt”

Als der neue Roman von Siri Hustvedt angekündigt wurde, war ich richtig aus dem Häuschen und als ich las, dass die Geschichte in der Kunstszene New Yorks angesiedelt ist, freute ich mich noch mehr darauf. Ich hatte hohe Erwartungen und ich wurde nicht enttäuscht: Noch immer bin ich ganz berauscht von dieser Lektüre.
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Clemes Berger: „Das Streichelinstitut“

Das Streichelinstitut von Clemens BergerSebastian hat Philosophie studiert und bereits zwei Dissertationen für andere verfasst. An seiner eigenen ist er allerdings bisher gescheitert.
Seine Freundin Anna arbeitet an einem Institut und hat einen geregelten Tagesablauf und genau das ist etwas, was Sebastian zu fehlen scheint. Von Zeit zu Zeit steht er im Supermarkt und würde gerne einmal mit der Kassiererin tauschen und etwas tun. Obwohl…eigentlich lieber doch nicht.
Sebastian weiß einfach nicht, mit was er Geld verdienen soll, ihm fehlt seiner Ansicht nach ein Talent. Eins kann er allerdings: Er kann Anna so streicheln, dass sie sich vollkommen entspannen kann.
Bei Ratten hat man festgestellt, dass die Ratten die jeden Tag gestreichelt, oder von der Mutter geleckt worden sind, wesentlich stressresistenter sind, als die, die nicht gestreichelt wurden.
Wie vielen Menschen könnte man durch bloßes Streicheln helfen und so den Therapeuten sparen? So entsteht die Idee eines Streichelinstituts.
Zu Annas großer Überraschung meldet Sebastian wirklich ein Gewerbe an und es kommen auch Kunden. Doch sind es nicht immer die, die Sebastian sich wünschen würde. Sein Leben jedenfalls wird nach und nach immer geregelter. Doch sein Wunsch nach der Zufriedenheit stellt sich dennoch nicht wirklich ein.

Wäre Clemens Berger ein Autor eines anderen Schlages, hätte man hinter diesen Titel vielleicht ein leichtes und lockeres Buch, in dem es um Anekdoten und sonstige Absonderlichkeiten in einer Streichel-Praxis geht, vermutet. Dem ist zum Glück nicht so, denn Clemens Berger selbst hat in Wien Philosophie studiert und das merkt man diesem Buch an. Wie leicht hätte dieser Text kippen können. Aber das tut er an keiner Stelle. Die Geschichte ist nicht auf Skurrilitäten angelegt und das rechne ich dem Autoren hoch an.
Es geht vielmehr um die Zufriedenheit im Leben bzw. darum, dass der Protagonist nach etwas Schönerem, Besseren und Angenehmeren sucht, aber mit nichts Erreichtem jemals längere Zeit zufrieden ist. Dass er immer auf Anzeichen dafür lauert, wann denn das richtige Leben anfängt.
Hinzu kommen zum Beispiel philosophische Passagen über das Thema Haut, oder Überlegungen darüber, warum wir uns eigentlich bei anderen Menschen entschuldigen, wenn wir sie in der Straßenbahn streifen. Viele ganz alltägliche Begebenheiten, die dazu anregen, sich einmal Gedanke zu machen.
Was vielleicht anzumerken ist, ist, dass es sich hier um kein Buch handelt, das man einfach so zwischendurch mal runterliest. In dieser Geschichte gibt es viele Dinge zu entdecken und es wäre schade, wenn man sie einfach so überlesen würde.

Eva Menasse kommentierte „Das Streichelinstitut“ übrigens mit folgenden Worten: „Ein besonderes, witziges, amüsantes und auch sehr kluges Buch“ – dem kann ich nur zustimmen.

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ISBN: 978-3-442-74849-5
Verlag: btb
Preis: 10,99 €


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Haruki Murakami: „Wenn der Wind singt“ und „Pinball 1973“

MurakamiAls Haruki Murakami seinen ersten Romanversuche abends nach langen Arbeitstagen am Küchentisch schrieb, stellt er schnell fest, dass es für ihn keinen Sinn machte, in seiner Muttersprache, dem Japanischen, zu schreiben. Zu viele Worte schwirrten ihm im Kopf herum und was dabei herauskam, war für ihn einfach zu viel und zu japanisch.
Schließlich kam er auf die Idee, seinen Roman zunächst auf Englisch zu schreiben und ihn dann ins Japanische zu übersetzen – eine Methode, die auch schon von der Autorin Agota Kristof angewendet worden ist. Und siehe da, es funktionierte: Mittels der Begrenzung seines Wortschatzes war er geboren – der typische Murakami Sound, der vollkommen auf überflüssige Schnörkel verzichtet.

Mit seinem ersten Kurzroman: “Wenn der Wind singt” wurde er für einen literarischen Nachwuchspreis nominiert und dies war der Beginn seiner großen Karriere. Ohne diesen Preis hätte Murakami vielleicht gar nicht weiter geschrieben (man stelle sich das nur mal vor!). Was wäre uns da entgangen.
Lange wollte Murakami nicht, dass seine ersten beiden Romane außerhalb Japans veröffentlicht werden und das kann ich sogar ein Stück weit nachvollziehen, denn man merkt ihnen an, dass es frühe Werke sind. Nicht sprachlich, da ist er bereits vollkommen ausgereift. Was allerdings besonders bei “Wenn der Wind singt” auffällt ist die Story, die nicht so wirklich vorhanden ist.  Was aber eigentlich auch gar nichts macht, denn ich sehe dieses Buch eher als Text aus Romansplittern und dies ist sehr interessant.
Viele Personen und Motive, die einem in seinen späteren Romanen begegnen, tauchen hier bereits auf und haben bei mir zu so manchem Aha-Erlebnis geführt. Zum Beispiel gibt es eine Studentin auf, die sich selbst umbringt, ein Motiv, welches ja auch in “Naokos Lächeln” auftaucht. Auch “Ratte” ist schon entstanden, eine Person, die sowohl in “Pinball 1973”, als auch in “Wilde Schafsjagd” wieder vorkommen wird.

Zu den eigentlichen Geschichten selbst musste Murakami zunächst noch finden. Und genau diese Suche macht er unter anderem zum Thema in “Pinball 1973”: Es geht um einen jungen Mann, der die Geschichten anderer (zum Beispiel die einer gewissen Naoko) in sich aufsaugt. Murakami selbst weiß im diesen Zustand der Suche nach Geschichten und läßt dies in den Roman einfließen, in dem er einen Universitätsprofessor sagen läßt: “Sie schreiben gut. […] Ihre Argumentationen sind schlüssig, aber Sie haben kein Thema”.
Wobei das so bei “Pinball” auch nicht so ganz stimmt: Dieser Roman hat ein Thema, oder besser gesagt, seine Personen entwickeln sich im Laufe des Textes und bilden so eine Handlung. So erfahren wir zum Beispiel, dass die Hauptfigur mit (weiblichen) Zwillingen zusammenlebt, die jeweils nur einen Pullover mit einer Zahl darauf besitzen, den sie auch gerne mal untereinander tauschen, so dass der Protagonist eigentlich nie weiß, wer jetzt wer ist. Wir bekommen mit,  wie es sich in einer solch ungewöhnlichen Lebenssituation lebt und natürlich ist da auch die Suche nach einem verschwundenen Flipperautomaten, die sich als sehr schwierig herausstellt.
Murakami scheint das Thema des Schreiben-Könnens,aber keine Geschichte zu haben, umzutreiben, zumal er diesen Sachverhalt auch in 1Q84 (ein Werk, welches, wie ich finde, grandios ist) thematisiert. Es geht unter anderem um einen Agenten, der ein Mädchen mit einer unglaublichen Story hat, die sie aber nicht formulieren kann. Auf der anderen Seite kennt er einen Autoren, der brillant schreibt, aber noch nach einer Geschichte sucht. Der Agent bringt die beiden zusammen und heraus kommt: Ein Bestseller.

Mit seinem nachfolgenden Roman “Wilde Schafsjagd” gelang Haruki Murakami schließlich diese Symbiose zwischen Sprache und Geschichte und damit der Durchbruch – aber angefangen hat auch er an einem Tisch abends in der Küche mit einer ungewöhnlichen Übersetzungstechnik, ohne die niemals der typische Murakami – Sound entstanden wäre, der wirklich süchtig macht.


ISBN: 978-3-8321-9782-7
Verlag: Dumont
Preis: 19,99 €


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Gleich eine Sache vorweg: Dieses Buch braucht Zeit. Es ist äußerlich nicht umfangreich, hat aber innerlich ein um so größeres Ausmaß.

Es geht um das Leben einer Schriftstellerin in New York. “Ja und…? “ höre ich jetzt die Kommentare und vielleicht auch: “Schon tausend Mal gehört!” – ja vielleicht. Aber nicht so. Denn hier steckt in jedem Satz viel mehr, als auf dem Papier steht.
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Monatsrückblick Mai 2015

SAM_4595In diesem Monat habe ich drei Bücher entdeckt, die mich wirklich begeistern konnten. Was sie gemeinsam haben: Es sind Bücher amerikanischer Autoren  – und gleich der erste Titel von T.C. Boyle war ein absolutes Highlight:

 

 

 

 

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