Monatsrückblick Juli 2015

SAM_4707Begonnen hat der Juli mit einem absoluten Meisterwerk: Mit „Scoop“ von Evelyn Waugh. Dass es die nachfolgenden Bücher nach so einem Lesehighlight schwer haben, ist klar. Aber zum Glück habe es dann doch diverse Titel gefunden, die mich aus meiner „Leselethargie“ gerissen haben:
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Evelyn Waugh: „Scoop“

scoopSeitdem ich “Eine Handvoll Staub” gelesen habe, zählt Evelyn Waugh zu einem meiner Lieblingsautoren. Weshalb “Scoop” dann ein Jahr bei mir ungelesen auf einem Stapel lag, ist mir allerdings selbst ein Rätsel. Vor allem da ich, kaum mit der Lektüre begonnen, laut lachend in der Straßenbahn saß und einfach nicht mehr konnte.
Das ist mir schon lange nicht mehr so gegangen.

Es geht um den Autoren John Boot, der gerne aus London weg möchte und auf die Idee kommt, seine einflussreiche Freundin Lady Stich zu bitten, ihn so ganz nebenbei als Kriegsberichterstatter vorzuschlagen. Im afrikanischen Ishmaelia scheint sich wohl eine Krise zusammenzubrauen.
Lady Stich gelingt dies auch und ein Mitarbeiter der Zeitung “Beast” wird gebeten Mr. Boot zu benachrichtigen. Allerdings gibt es auch einen William Boot, der für das “Beast” zweimal wöchentlich eine Natur-Rubrik namens “Üppige Auen” verfasst und der sehr zurückgezogen mit vielen Verwandten und wenig Geld auf dem Lande lebt. Und so kommt es, dass nicht John Boot, sondern William Boot als Kriegsberichterstatter nach Ishmaelia geschickt wird.

William Boot seinerseits hat Angst. Und das noch bevor die Nachricht kommt, dass er nach Ishmaelia soll, denn ihm ist bei einem Artikel über die Lebensweise des Dachses ein Fehler unterlaufen. Besser gesagt…also es war so: Bevor der Text zur Post ging, ersetze seine Schwester aus einer Laune heraus das Wort “Dachs” durch das Wort “Haubentaucher”, was böse Leserbriefe nach sich zog.
Mehr will ich jetzt nicht sagen, aber schon diese Stelle ist ein Meisterwerk des feinen Humors. Wie sich diese Geschichte weiter entwickelt ist genial komponiert und als sich Lord Copper (Der Auslandsredakteur des “Beasts”) und William Boot gegenüber sitzen und gekonnt aneinander vorbei reden gab es für mich kein Halten mehr. Man könnte meinen, Loriot (ich bin eine glühende Loriot-Verehrerin) habe sich von Evelyn Waugh inspirieren lassen, denn diese Dialoge haben wahrlich Loriot-Charakter.
Die ganze Nachbarschaft hat wohl mitbekommen, dass ich ein lustiges Buch lese, denn ich las diese Stelle auf dem Balkon.

In Ishmaelia angekommen geht es ebenso amüsant weiter, denn William Boot ist, was den Journalismus anbelangt, noch sehr unbedarft. Doch schon bald strömen immer mehr Journalisten ins Land und William erkennt, zur Überraschung aller, wie der Hase läuft. Die Jagd nach der Exklusivstory ist eröffnet – allerdings ist Ishmalia, entgegen der landläufigen Meinung, weit davon entfernt sich in einer Krise zu befinden. Da muß eben nachgeholfen werden…

Der “Observer” schrieb über “Scoop”(ursprünglich hieß dieses Buch übrigens “Der Knüller”) :

“Eins der 100 besten Bücher der Weltliteratur.”

Ich kann mir ein solches Urteil nicht anmaßen, aber meine Lachmuskeln können dieser Aussage nur zustimmen.


ISBN: 978-3-257-24274-4
Verlag: Diogenes
Preis: 11, 90 €


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