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Amy Ewing: “Das Juwel – Die Gabe”

Auf der Suche nach Büchern, die man empfehlen kann, wenn jemand gerne “Die Tribute von Panem” oder “Selection” gelesen hat, habe ich einige Titel angelesen, von welchen ich (zumeist sprachlich) enttäuscht gewesen bin.
Ohne allzu hohe Erwartungen habe ich dann mit “Das Juwel” begonnen und wurde sehr überrascht. Eine mitreißende Lektüre!.

Violet lebt in einer Welt, die “Die einzige Stadt” genannt wird und die in vier Zonen unterteilt ist, welche wie große ineinander liegende Ringe angeordnet sind. Umgeben ist die Stadt von einer starken Mauer, hinter der das Wasser lauert, das alle Bewohner in Gefahr bringt.
Der äußerste Ring ist “Der Sumpf”. Hier gibt es keine Industrie und die meisten Bewohner, die sehr arm sind, arbeiten in einem der anderen Ringe: Der “Farm”, in welcher Lebensmittel produziert werden oder in der reichern “Bank”, in welcher die wohlhabenden Kaufleute leben. Und schließlich gibt es noch das unerreichbare goldene Zentrum “Das Juwel”, in welchem der Adel lebt.

Die Protagonistin des Romans kommt aus dem “Sumpf” und hat eine besondere Fähigkeit: Sie kann Gegenstände durch ihre Willenskraft verändern. Diese Fähigkeit haben nur bestimmte Mädchen aus der Zone des Sumpfes und das hat sich der Adel, der übrigens nicht dazu in der Lage ist Kinder zu bekommen, zu Nutze gemacht.
In einem bestimmten Alter müssen alle Mädchen des Sumpfes zu einem Test, bei welchem herausgefunden wird, ob sie diese Fähigkeit besitzen und ist dies der Fall, so kommen sie in eine Institution, in der sie zu “Surrogaten” werden.
Ihre Familien werden für den Verlust der Tochter finanziell entschädigt, allerdings dürfen diese bis auf ein einziges Mal nie wieder sehen.

Die Ausnahme besteht in dem Tag, an welchem die Auktion im Juwel stattfindet, dem Ort, an dem die Mädchen vom Adel ersteigert werden. Als Leihmütter.
Denn der einzige Sinn der Ersteigerung besteht darin, einen Körper zu kaufen, der die befruchtete Eizelle der jeweiligen Adelsperson eingesetzt bekommt und sie mit ihrer besonderen Fähigkeit in die “richtige Form” bringt. Also ein Baby nach Wünschen der Adligen gebären wird.

“Das Juwel – Die Gabe” ist die Geschichte von Violet, die eine solche Leihmutter sein wird und nicht weiß, was dies an Konsequenzen mit sich bringt.

Die Story erinnert, so finde ich, ein bisschen an das Buch “Der Report der Magd” von Margaret Atwood, das 1985 veröffentlicht wurde und welches ich nach wie vor großartig finde. Im April 2016 wird es bei Piper neu aufgelegt.
Auch in diesem Buch geht es unter anderem darum, dass nur wenige Frauen fruchtbar sind und Kinder für andere Frauen austragen müssen.
Für mich ist dieser Roman eine “Urmutter” der heutigen Dystopien, die noch immer stark im Trend sind.
Auch die Strafen für Ungehorsam und Verachtung höher gestellten Personen sind in beiden Büchern ähnlich und ich könnte mir gut vorstellen, dass Amy Ewing sich von Margaret Atwood hat inspirieren lassen.

Die Adelsdamen im Juwel sind äußerst intrigant und missgönnen einander alles mögliche, eine Einladung zur Fürstin (die das Oberhaupt der “Einzigen Stadt” und eigentlich von niederer Herkunft ist) oder aber auch den Besitz eines Surrogats mit besseren Fähigkeiten.
Da werden auch schon mal alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit ein Surrogat die ersten Nächte im Juwel nicht überlebt. Diese Intrigen machen das Buch sehr spannend – Frauen können so schön subtil gemein sein.

Natürlich gibt es auch eine Liebesgeschichte, die ab und an etwas stark melodramatische Ausprägungen hat und deren Liebesschwüre dezent ins Kitschige abdriften, aber das sei der Autorin verziehen.
Die Gesamtkonstruktion überzeugt und ich könnte mir eine Verfilmung wunderbar vorstellen, schwelgen die weiblichen Figuren des Romans doch in aufwändigen und schillernd beschriebenen Kleidern. Für den Kostümbildner wäre “Das Juwel” ein Fest mir diese bunte und schicke Welt sehr viel Vergnügen bereitet.

Natürlich ist “Das Juwel” kein einbändiges Werk, die Geschichte ist, wie üblich, auf drei Bände angelegt. Der zweite Band „Das Juwel – Die weiße Rose“ ist soeben erschienen.

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Ab 14 Jahren.


ISBN: 978-3-8414-2104-3
Verlag: Fischer
Erscheinungsjahr: 2015
Übersetzung: Andrea Fischer
Preis: 16,99 €


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