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Arnon Grünberg: „Mit Haut und Haaren“

Roland Obersteins Fachgebiet sind die Wirtschaftswissenschaften. Und in seinem Spezialbereich der „Blasenbildung“ geht er vollkommen auf. Seine Arbeit ist ihm wichtig – wichtiger als seine Familie, denn von Frau und Kind hat er sich getrennt.
Natürlich hat er eine Freundin, denn ganz auf menschliche Nähe möchte er nicht verzichten, doch als er an in ein kleines Kaff in der Gegend  von Washington versetzt wird (das außer der Universität nichts zu bieten hat),  wird diese Nähe natürlich weniger. Und die Mails an seine Freundin werden auch immer kürzer und seltener.
Da trifft er auf Lea, die Spezialistin für Rudolf Höß ist und beginnt eine Beziehung mit ihr und auch mit einer Studentin, der ihr Pferd wichtiger ist, als der Besuch Obersteins Seminare – was Oberstein skandalös und doch anziehend findet.

Oberstein plant sein Leben minutiös und lebt routiniert mit allen vier Frauen nebeneinander. Er hat die Bälle in der Luft, doch was passiert, wenn ihm einer entgleitet?
Arnon Grünberg schildert dem heutigen Lebens- und Liebesalltag im Zeitalter von Mails und Handys virtuos. Er ist agiert dabei pointensicher und spielt gekonnt mit Worten und Satzgefügen. Dabei seziert er das Obersteins Beziehungsgeflechte, sowie seine Charakterschwächen messerscharf.
Grünberg ist schlichtweg ein grandioser Beobachter, dessen psychologisches Feingefühl ich schon in seinem Roman „Tirza“ so bewundert habe.


ISBN: 978-3-257-24265-2
Verlag: Diogenes
Preis: 12,90 €