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Clémentine Beauvais: “Die Königinnen der Würstchen”

Wenn mich in der Buchhandlung jemand nach einem witzigen Roman für eine 14jährige fragt, dann komme ich an meine Grenzen. Spannend, romantisch, dystopisch – kein Problem. Aber lustig, das ist nicht so einfach.
Mit “Die Königinnen der Würstchen” hat sich mein humorvolles Repertoire im Jugendbuch nun um einen Titel erweitert. Um einen sehr besonderen.

Mireille ist erstaunt: In diesem Jahr belegt sie bei der Wahl zur “Wurst des Jahres” auf Facebook nur Platz drei und erhält somit Bronze.
Wie kann das sein? In den vergangenen beiden Jahren hatte sie doch immer Gold bekommen!

Diesen “Preis”, der das hässlichste Mädchen der Schule kürt, hat Malo ins Leben gerufen. Malo, der mit Mireille in den Kindergarten gegangen ist und ihr bester Freund war. Bis die beiden in die weiterführende Schule kamen.
Von einem Tag auf den anderen beschimpfte Malo Mireille, sie sei dick und hässlich und er wolle mit ihr nichts mehr zu tun haben. Er habe jetzt coole Freunde.
Dass er vor drei Jahren aber solch einen fiesen “Preis” ins Leben rief, setzt dem Ganzen die Krone auf.

Mireille jedoch hat sich inzwischen daran gewöhnt und begegnet der Sache mit einer gehörigen Portion Ironie. Daher klickt sie auch “Gefällt mir”, als Malo auf Facebook schreibt: “Die Konkurrenz war hart, aber für mich ist und bleibt Mireille Laplanche die unangefochtene Wurstkönigin. Ihr fetter Schwabbelhintern, ihre Hängebrüste, ihr Kartoffelkinn und ihre winzigen Schweinsäuglein haben sich für alle Zeiten in unser Gedächtnis eingegraben.”.
Das ist wirklich fies, aber wie gesagt, Mireille nimmt es mit Humor.

Ganz im Gegensatz zu Astrid, die in diesem Jahr auf dem ersten Platz gelandet ist. Sie ist neu an der Schule und fasst sich ein Herz, indem sie am Abend der Veröffentlichung bei Mireille auftaucht, obwohl sie mit ihr bisher noch nichts zu tun hatte.
Aber der Wunsch, sich mit einer Leidensgenossin auszutauschen ist groß und so ist sehr verwundert darüber, dass das alles an Mireille abzuprallen scheint – und dass diese sogar Scherze über die Sache macht.
Damit das Trio komplett wird, beschließen sie die dritte “Wurst des Jahre” zu besuchen: Hakima, die erst 12,5 Jahre alt ist.

So kommt es, dass die drei Mädchen und Hakimas Familie sich zusammen im Fernsehen die Nachrichten ansehen, in welchen von der bevorstehenden Feier anlässlich des französischen Nationalfeiertags (dem 14.Juli) im Élysee-Palast in Paris berichtet wird. Die Mädchen stellen fest, dass alle von Ihnen einen guten Grund hätten, um dort aufzulaufen.
So wird die Idee geboren: Mireille, Astrid und Hakima werden mit dem Fahrrad nach Paris fahren, um dort am 14.Juli die Party der Präsidentin zu crashen. Geld für die Reise möchten sie verdienen, indem sie auf dem Weg nach Paris Würstchen verkaufen…

Bisher kannte ich nur Clémentine Beauvais ernste Seite. In “Dreckstück” schreibt sie über eine Gruppe Jugendlicher, die an einem kleinen dunkelhäutigen Mädchen ihren Frust ablassen. Ein brillant geschriebenes Lehrstück darüber, wie aus Langeweile Hass entstehen kann.
Dass Clémentine Beauvais auch witzig sein kann, hätte ich nicht gedacht. Aber sie ist es und ihre Hauptfigur Mireille ist so schlagfertig und ironisch, dass es eine wahre Freude ist.
Aber Mireille ist nicht nur lustig, sondern auch sehr kameradschaftlich und so werden die drei Mädchen ein Team, in dem jeder einfach so sein kann, wie er ist.

Hakima zum Beispiel ist auf ihre ganz eigene unfreiwillige Art sehr lustig. Zum Beispiel, als sich die drei die Fahrradstrecke nach Paris auf Google Maps anschauen und Hakima freudig ausruft “Super! […] Das geht ja fast nur geradeaus! Und dauert auch nur vier Stunden und zehn Minuten!” – bis Mireille sie darauf hinweist, dass dies die Fahrtdauer wäre, wenn sie mit dem Auto fahren würden.

Neben all den humoristischen Passagen, flicht die Autorin auch ernste Themen geschickt ein. Zum Beispiel übernachten die Mädchen einmal während ihrer Fahrradtour bei einer älteren Dame, die ihnen erzählt, dass sie nie wieder in ihrem Geburtsort gewesen ist, obwohl dieser nur zwei Stunden entfernt liegt. Der Grund hierfür hat etwas mit ihrer Schwester zu tun – und mit dem Jahr 1945.

Diese Kombination aus Beschwingtheit, zum Nachdenken anregenden Begebenheiten und viel Humor machen dieses Buch so besonders.
Einfach toll!

Ab 14 Jahren.

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P.S.: Gerade habe ich gesehen, dass Clémentine Beauvais auch Kinderbücher geschrieben hat. Um die Lektüre von „Babysitter-Chaos“ werde ich wohl nicht herumkommen…


ISBN: 978-3-551-55677-6
Verlag: Carlsen
Erscheinungsjahr: 2017
Übersetzung: Annette von der Weppen
Preis: 16,99 €


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