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Karl Wolfgang Flender: “Greenwash Inc.”

Auf dieses Buch habe ich mich gefreut, seit ich es in der Vorschau gesehen habe. Zu Recht, denn ich hatte beim Lesen viel Spaß.

Thomas Hessel arbeitet in der Agentur Mars & Jung, die sich unter anderem darum kümmert, wenn der Klient mit seiner Produktionsstätte in Indien Problem hat, wiedermal eine Textilfabrik abgebrannt ist und der Name des Klienten nicht in den Schmutz geraten soll, oder ein fehlendes Fair-Trade-Zertifikat zu beschaffen ist. Egal mit welchen Mitteln.

Dafür reist Thomas um die Welt und kreiert mit seinem Kollegen Christoph so genannte “Hope-Stories” wie zum Beispiel im aktuellen Fall: Eine Schauspielerin (natürlich eine extrem Hübsche, wer will denn schon wahre Armut sehen) soll vor Ort für eine Gruppe von Journalisten eine arme Eingeborene mimen, die mit der Hilfe eines Sozial-Projektes von Thomas Klienten gefördert wird.
Doch das reicht Thomas nicht. Nicht drastisch, nicht hip genug. Er inszeniert einen Brand, denn Brandrodung ist vor Ort ein wichtiges Thema, bei dem die Schauspielerin dann auch noch das Kind in der Hütte vergißt. Thomas verspricht ihr doppelten Lohn, wenn sie es aus dem Feuer holt.
Alles nur, damit er ein leicht verwackeltes Video posten kann, das 3 Millionen Klicks erhält und auf die Projekte seines Klienten aufmerksam macht. Mission erfolgreich.
So arbeitet Thomas, der ursprünglich einmal Journalist mit hehren Zielen gewesen ist.

Thomas lebt im Prinzip für die Agentur und ist auch immer gleich zur Stelle, wenn sein Chef Jens ihm eine Whatsapp schickt: “Squash jetzt?”. Klar kommt Thomas dann gesprungen, denn sonst “fragt” Jens einen anderen, dessen Karrierechancen steigen. So ist das eben: Allzeit bereit.
Außerdem bekommt er bei diesem Sportprogramm Sport-Punkte. Sport ist sowieso sehr wichtig, fit will man sein und es allen zeigen. Deshalb hat Thomas natürlich auch eine Tracking-App, die ihm anzeigt, dass der heutige Tempodurchschnitt nicht so hoch ist, wie gestern. Das geht ja gar nicht, da heißt es einen Zahn zulegen.

Außerhalb der Firma scheint Thomas keine Freunde zu haben. Die Agentur ist seine Heimat, sein Smartphone sein bester Freund. Und immer geht es darum, den anderen einen Schritt voraus zu sein, schneller, besser und näher dran an Jens, dem coolen Chef.
Bei seinen Eltern hat er sich schon lange nicht mehr gemeldet, irgendwas (also die Agentur) ist immer dazwischen gekommen…

Karl Wolfgang Flender zeigt uns in “Greenwash Inc.” eine hippe Welt in der die Hauptakteure gefangen sind.
Sie alle leben nur dafür cool und lässig zu sein und um auf der Karriereleiter nach oben zu klettern.
Drogen, Tranquilizer, klar gehören die zum Programm. Man muß ja Leistung zeigen. Immer und überall. Natürlich ist das alles sehr überspitzt, doch das ist es gerade, was mir sehr viel Spaß gemacht hat.

“Die Welt” wirft Flender ja vor, dass er die Nachhaltigkeitsinitiativen der großen internationalen Konzerne als heuchlerisch und sinnlos darstellt, was ja nicht der Fall sei. Natürlich gäbe es einzelne schwarze Schafe.
Ich muß allerdings sagen, dass ich dieses Buch gar nicht so sehr als Roman zum Thema Nachhaltigkeit gelesen habe. Mein Schwerpunkt lag eher auf dem Leben in einer Agentur, den vermeintlich flachen Hierarchien und dem Konkurrenzdenken.
Ich jedenfalls hatte viel Spaß dabei in diese Welt einzutauchen. Flender schreibt schön rasant, dialogstark und mit Power. Ich habe mich bestens unterhalten.

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ISBN: 978-3-8321-6399-0
Verlag: Dumont
Erscheinungsjahr: 2016
Preis: 11,00 €

Die gebundene Ausgabe dieses Titels ist 2015 erschienen.


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