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Matthew Weiner: “Alles über Heather”

Das Erste, das mir bei diesem Roman in den Sinn kam war, dass der Produzent und Drehbuchautor Matthew Weiner wie eine Art moderner Richard Yates schreibt, einen Schriftsteller, den ich sehr verehre. Das und die Tatsache, dass Weiner sich kurz zu fassen weiß, ohne an Tiefe zu verlieren, macht “Alles über Heather” zu einem brillanten Stück Literatur.

Mark und Karen sind verheiratet, leben in New York und haben eine Tochter, die sie vergöttern: Heather. Doch als Heather in die Pubertät kommt, wendet sie sich von ihrer Mutter ab, was diese nicht verkraftet, zumal die Tochter der Mittelpunkt ihres Lebens ist.

Die Hauptfigur des zweiten Handlungsstrangs ist Bobby, dessen Leben nicht so behütet startet, wie Heathers. Seine Mutter ist ein Junkie und schon mit zehn Jahren weiß er, wie man eine Spritze aufzieht. Schnell landet er im Gefängnis und als er wieder draußen ist, hält er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser.
Einer dieser Jobs führt in in das Haus, in welchem Heather und ihre Eltern leben…

Schon aus den ersten zehn Seiten dieses Werkes hätte man einen ganzen Roman machen können. Hier schildert Weiner wie es dazu kam, dass Karen und Mark geheiratet haben. Eine Freundin erzählt Karen (ohne Mark überhaupt persönlich zu kennen), dass Mark Single sei und es eines Tages bestimmt einmal zu viel Geld bringen würde.
Wobei zu sagen ist, dass diese Freundin, im Gegensatz zu Karen, früh geheiratet hat und jetzt feststellt, dass sie sich vielleicht bei der Wahl ihres Ehemanns auch Gedanken über den finanziellen Aspekt bzw. über eine abgesicherte Zukunft hätte machen sollen.
Also trifft sich Karen mit Mark, der ihr sehr unscheinbar erscheint, schläft mit ihm, freut sich, dass er sie zu begehren scheint und willigt sie ein ihn zu heiraten.

Kurz vor der Hochzeit allerdings kommen ihr Zweifel und sie legt eine pro und contra Liste an.
Die Liste der Dinge, die für Mark sprechen, ist allerdings sehr kurz und Karen stellt sich die Frage, ob sie ihn vielleicht doch nur wegen des Geldes heiraten möchte.
Da sie sich selbst jedoch nicht so kritisch betrachten will und weil sie tief im Inneren weiß, dass sich nicht mehr viele heiratswillige Männer für sie auftun werden, schreibt sie diesen finanziellen Aspekt nicht auf die Liste.
Daher steht auf der Pro-Seite nur ein einziges Argument: Der Wunsch nach einem Kind.

Dass diese Beziehung keine sehr glückliche werden wird, ist von vorne herein klar – zumindest uns Lesern. Tief im Innern weiß Karen das auch, aber zugeben möchte sie dies vor sich selbst nicht, zumal ihre biologische Uhr tickt.  
Als Mark bei einer anstehenden Beförderung übergangen wird, muss sie feststellen, wie enttäuscht sie ist, obwohl es den beiden eigentlich finanziell gut geht. Aber offenbar hatte sie mehr erwartet…

Das ist nur der Beginn dieses auf den Punkt formulierten Dramas. Matthew Weiner schafft in zehn Seiten etwas, wofür andere Schriftsteller einen ganzen Roman brauchen. Das ist richtig gut. Ich mag es, wenn nicht so viel um den heißen Brei geredet bzw. formuliert und eine Handlung unnötig aufgebauscht wird.

Allerdings ich glaube, dass es Matthew Weiner ein Leichtes gewesen wäre, zum Beispiel alleine aus der Heirat von Karen und Mark einen rasiermesserscharfen Roman zu komponieren. Den hätte ich verdammt gerne gelesen.
Aber vielleicht kommt da ja noch was. Ich würde mich jedenfalls sehr darüber freuen, denn “Alles über Heather” ist scharfsinnig und schlichtweg brillant.
Mehr davon!

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ISBN: 978-3-498-09463-8
Verlag: Rowohlt
Erscheinungsjahr: 2017
Übersetzung: Bernhard Robben
Seiten: 144
Preis: 16,00 €


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