Matthias Brandt: “Raumpatrouille”

Matthias Brandt: “Raumpatrouille”

“Jetzt schreibt er auch noch….” war mein erster Gedanke, als mir dieses schmale Buch vor einiger Zeit in die Hände fiel.  Muß das sein? Können Schauspieler nicht einfach nur schauspielern?
Weit gefehlt: Matthias Brandt beeindruckt auch in gedruckter Form.

Wir kennen Matthias Brandt aus dem Polizeiruf, als vielfach ausgezeichneten Charakterschauspieler, begnadeten Sprecher von Hörbüchern und als Sohn von Willy Brandt.
Er ist keiner, der sich durch Auftritte auf roten Teppichen hervortut und in Klatsch & Tratsch Magazinen auftaucht. Man weiß nicht wirklich viel über ihn.
Nun gewährt er uns Einblick in sein Leben als Kanzlerkind in Bonn und zeigt uns, wie gefühlvoll und brillant er schreiben kann.

Lakonisch, anekdotenhaft und mit ganz eigenem Witz erzählt uns Brandt zum Beispiel davon, dass die Wachleute seinen Vater mit “Der Chef” ansprechen, ihn unter sich aber “Den Alten” nennen, dass Matthias Brandt als Kind selbst gerne an Hundekuchen knabbert hat und von dem Tag, als er seine Mutter mit Zauberkunststücken beeindrucken wollte und dabei diverse Vorhänge in Brand steckte.

Wir erfahren aber auch vom eher distanzierten Verhältnis zum Vater und dass zum Beispiel ein Ausflug auf den Rummel, auf den sich der Junge so gefreut hatte, dazu genutzt wurde, der Presse den Alltags- und Familienmenschen Willy Brandt vorzuführen. Der Spaß des Sohnes stand da nicht unbedingt im Vordergrund.

Matthias Brandt beweist in seinen Geschichten feinstes Gespür für alltägliche Momente und zwischenmenschliche Beziehungen.
Von der Art und Weise her hat mich sein Schreibstil an Joachim Meyerhoff erinnert, nur ohne die Spur der Verrücktheit, die Meyerhoffs Familie ausmacht.
Was die beiden Autoren außer dem Beruf des Schauspielers und Autoren eint, ist unter anderem die Beziehung zu ihrem Haustier, dem Familienhund.
Die Tiere beider Familien habe ich während der Lektüre sehr lieb gewonnen und erinnere mich gerne und mit einem Schmunzeln daran, wie Joachim Meyerhoff auf die grandiose Idee kam, mit dem Hund Blutsbrüderschaft zu schließen. Dass das Tier nicht so begeistert davon war, kann man sich denken.

Allerdings erinnere ich mich auch an den jeweils sehr tragischen Moment, als der treue Begleiter das Zeitliche segnet. Sowohl in “Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war”, als auch in “Raumpatrouille” mußte ich da schlucken und habe sehr viel Mitgefühl für die beiden Jungs empfunden.
Das liegt auch daran, dass sowohl Meyerhoff, als auch Brandt die erste Person Singular als Erzählperspektive gewählt haben und so Emotionen, bzw. deren Zurückhalten für den Leser noch intensiver erlebbar werden. In beiden Fällen ist dies sehr gelungen.

Ich muß zugeben, dass “Raumpatrouille” eine Weile bei mir herum lag und ich mich nicht zur Lektüre aufraffen konnte. Ein schreibender Schauspieler, da hatte ich so meine Bedenken.
Diese lösten sich jedoch nach der ersten Seite in Luft auf. “Raumpatrouille” liest sich nicht wie ein Erstling, sondern wie das Werk eines erfahrenen Autors.
Vielleicht hat auch Matthias Brandts Erfahrung als Sprecher von Hörbüchern dazu beigetragen, dass sein Schreibstil so ausgereift und erfahren ist. Geschadet haben kann es jedenfalls nicht.
Ich für meinen Teil bin sehr beeindruckt von so viel Talent und beneide jeden, der dieses Leseerlebnis noch vor sich hat.

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P.S.: Matthias Brandt ist nicht der erste Sohn der Familie, der sich aufs literarische Parkett wagt.
2006 veröffentlichte Lars Brandt “Andenken”, eine Art Brief an den berühmten Vater in Romanform. Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen, das inzwischen leider nur noch antiquarisch erhältlich ist.


ISBN:  978-3-462-04567-3
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsjahr: 2016
Preis: 18,00 €


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2 thoughts on “Matthias Brandt: “Raumpatrouille”
Nanni

Hallo,

das klingt ja sehr interessant und erinnert mich daran endlich mal Meyerhoff weiter zu lesen. Bisher habe ich nur Band 1 gelesen. Diesen aber sehr gern.

Liebe Grüße Nanni

    Friederike

    Liebe Nanni,

    unbedingt mit Meyerhoff weiter machen, Band 2 und 3 sind so gut!

    Viel Spaß beim Lesen wünscht Dir
    Friederike

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