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Max Annas: „Die Mauer“

Vor Jahren habe ich viele Krimis verschlungen, doch heute finde ich vieles, was an Kriminalromanen erscheint entweder belanglos, nicht gut geschrieben, oder ich bin dermaßen vom Ende enttäuscht, dass ich das Buch nicht mehr guten Gewissens empfehlen kann.
Doch zum Glück gibt es Perlen wie diese: “Die Mauer”.

Es ist der heißeste Tag des Jahres und Moses ist mit seinem Auto liegen geblieben. Mitten im südafrikanischen Nirgendwo.
Die nächstgelegenen Häuser sind eingezäunt, denn es handelt sich um eine “Gated Community”, in welcher fast ausschließlich Weiße wohnen. Moses Hautfarbe ist schwarz.

Ob ihm von den Weißen jemand helfen wird, sei einmal so dahingestellt, doch dann erinnert sich Moses, dass er in genau dieser Gated Community schon einmal gewesen ist, um für die Uni zu lernen. Der Typ, mit dem er damals gebüffelt hat, war zwar ein bisschen arrogant, doch bestimmt würde er Moses helfen, oder ihn zumindest telefonieren lassen. Denn das ist auch ein Problem: Moses Handyakku ist leer und so kann er nicht mal eben kurz seine Freundin anrufen, damit sie ihn abholt.

Doch wie soll er in die Gated Community hineinkommen, die ja logischerweise durch ein Tor verschlossen ist?
Er hat Glück, denn gerade fährt ein Auto hinaus und so kann Moses sich hineinquetschen – ein folgenschwerer Fehler, denn außer Moses sind noch zwei weitere Leute unbefugt in der Gated Community und zwar mit unlauteren Absichten: Sie wollen die Häuser, bei welchen nicht alle Sicherheitsvorkehrungen beachtet wurden, ausrauben.
Normalerweise lief das immer richtig gut, doch dieses Mal wird das Fehlen diverser Gegenstände entdeckt und man hält Moses für den Dieb. Die Jagd beginnt….

“Die Mauer” ist vor allem eins: Extrem schnell. Kurze Kapitel, keine überflüssigen Schnörkel. Die komplette Handlung nimmt nur ein paar Stunden in Anspruch, keinerlei Rückblenden und ein geschlossenes Setting – das macht diesen Krimi so drängend und rasant. Man liest mit angehaltenem Atem.

Dabei geht es nicht nur um reine Action, denn wir sind ja schließlich in Südafrika und da spielen die Konflikte zwischen Weißen und Schwarzen in vielen Krimis eine Rolle. So auch in diesem.
Wäre Moses´ Hautfarbe weiß gewesen, hätte er keine Probleme bekommen. Er hätte geklingelt, gefragt, ob er telefonieren könne und das wäre alles gewesen.
Draußen auf der Straße zu bleiben, wäre auch nicht in Frage gekommen, da in der Umgebung nur Weiße wohnen, die auf keinen Fall einen jungen Schwarzafrikaner mitnehmen würden.
Des Weiteren verschwinden in Südafrika täglich Leute und tauchen, wenn überhaupt, eher tot, als lebendig wieder auf.

Des Weiteren erfahren wir, wie private Sicherheitsdienste arbeiten und dass nicht jedes Einbrecherpaar vollkommen skrupellos und humorlos ist. Die Dialoge der beiden Einbrecher haben hohen unterhaltungswert und auch ihre Herangehensweise an ihre “Einbruch-Projekte” ist sehr bemerkenswert und amüsant.

Kurzgesagt: “Die Mauer” ist ein actionreicher, richtig gut geschriebener Krimi, der mit humoristischen Elementen aufwartet.
Diese perfekte Mischung ist auch bereits belohnt worden, denn “Die Mauer” wurde mit dem Deutschen Krimipreis 2017 ausgezeichnet und war im Juli die Nummer eins der Krimi-Zeit-Bestenliste. Und das vollkommen zu Recht.

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P.S.: Vielen Dank an Die Leserin, durch die ich überhaupt erst auf Max Annas aufmerksam wurde.


ISBN: 978-3-499-27163-2
Verlag: Rowohlt
Erscheinungsjahr: 2016
Preis: 12,00 €


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