Der Deutsche Buchpreis 2015 für Frank Witzel: “Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969”

Der Deutsche Buchpreis 2015 für Frank Witzel: “Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969”

Gestern Abend um 18:55 war ich sehr überrascht und bin es immer noch. Ich hatte mit allem gerechnet, nur nicht damit, dass Frank Witzels Roman den Deutschen Buchpreis gewinnt. Das liegt zum einen daran, dass ich nur kurz in dieses Werk hineingeblättert habe und dachte: “Ahja…der wird es eh nicht” (zu umfangreich, zu komplex), zum anderen, dass ich fest damit gerechnet habe, dass die Wahl aufgrund der Aktualität des Themas auf “Gehen, ging, gegangen” von Jenny Erpenbeck fallen würde. Aber ich bin positiv überrascht und freue mich über diese Wahl.
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Deutscher Buchpreis 2015: Die Shortlist – Ein Kommentar

Deutscher Buchpreis 2015: Die Shortlist – Ein Kommentar

Tja – jetzt ist sie da. Die Shortlist.
Als ich heute Vormittag im Laden stand und sie zum ersten Mal in Augenschein genommen habe, war ich ehrlich gesagt enttäuscht. Ich habe den Eindruck, dass die Jury um jeden Preis originell und verblüffend agieren wollte. Das ist mit dieser Auswahl gelungen.

Mit Valerie Fritsch hätte ich fest gerechnet. “Winters Garten” ist ein großartiges Werk und besticht mit seiner poetisch eindringlichen Sprache. Allerdings muß ich auch sagen, dass ich der Jury dankbar bin, dass sie diesen Titel für die Longlist ausgewählt hat, denn ohne diese Nominierung hätte ich dieses Buch wahrscheinlich nie gelesen und da hätte ich was verpasst.
Genauso ging es mir mit “Bodentiefe Fenster” und “Aberland” – zwei sehr gute Bücher zum Thema “Die Frau in der heutigen Gesellschaft”, die ich ohne die Longlist nie entdeckt hätte.
Doch zurück zur Shortlist, auf der folgende Titel zu finden sind:
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Gertraud Klemm: “Aberland”

Gertraud Klemm: “Aberland”

Elisabeth ist 58 Jahre alt und Hausfrau. Ihr Mann Kurt wird nun in Rente gehen und Elisabeth meint, dass er so seine Probleme damit haben wird, nicht mehr ständig das Handy neben der Zeitung beim Frühstück liegen zu haben, weil ja jemand aus dem Büro anrufen und er dringend gebraucht werden könnte.
Durch was wird er in Zukunft Erfolge und damit Zufriedenheit bekommen? Man wird sehen.
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Heinz Helle: “Eigentlich müssten wir tanzen”

Heinz Helle: “Eigentlich müssten wir tanzen”

Im Tal brennen die Häuser. Überall stehen verlassene Autos und tote Menschen liegen auf den Straßen. Die fünf Freunde, die gemeinsam ein Wochenende auf einer Berghütte verbringen, verstehen die Welt nicht mehr.
Für den Verstand ist der Anblick des apokalyptischen Szenarios zu viel – man kann es auch nicht verstehen.
Die Welt steht still. Es gibt keinen Strom mehr. Es ist sehr kalt. Und daran wird sich nichts mehr ändern.
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Valerie Fritsch: “Winters Garten”

Valerie Fritsch: “Winters Garten”

“Winters Garten” – das ist Antons Garten, in dem er seine Kindheit verbringen durfte. Hohe Gräser, Teerosen, grüne Äpfel an dem Bäumen – es scheint das Paradies zu sein. Alleine ist Anton nie, denn im Haus leben viele Menschen der Großeltern – Generation und viele Kinder, viele Spielgefährten. Auch der Tod gehört zum Leben im Garten dazu: “Starb jemand, standen sie nachts gemeinsam im Garten und sahen himmelwärts zu den Sternen, und es war, als ob durch den Riss des Todes die Zurückgebliebenen dem Toten ins Universum hinterherschauten.”.
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Jenny Erpenbeck: „Gehen, ging, gegangen“

Jenny Erpenbeck: „Gehen, ging, gegangen“

Richard ist emeritierter Altphilologe und wohnt in Berlin. Seine Frau ist vor fünf Jahren gestorben, Kinder hat er keine, aber eine Handvoll Freunde mit denen er sich ab und an trifft. Richtig unglücklich scheint er nicht zu sein.

Was ihm vielleicht fehlt, ist eine Aufgabe im Leben. “Er weiß nicht, wie lange es dauern wird, bis er sich daran gewöhnt hat, Zeit zu haben. Sein Kopf jedenfalls arbeitet noch, so wie immer. Was fängt er jetzt mit dem Kopf an? […] Auch das, was man Bildung nennt, alles, was er weiß und gelernt hat, ist von nun an nur noch sein Privateigentum.”
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Anke Stelling: “Bodentiefe Fenster”

Anke Stelling: “Bodentiefe Fenster”

Dieses Buch könnte auch “Das große Grübeln” heißen, denn das ist es, was Sandra von morgens bis abends tut: Grübeln und sich Sorgen machen.

Aber der Reihe nach: Sandra ist um die vierzig Jahre alt und lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in einem selbstverwalteten Gemeinschaftswohnprojekt im Prenzlauer Berg in Berlin.
Richtig glücklich scheint sie dort aber nicht zu sein.
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Kai Weyand: „Applaus für Bronikowski“

Kai Weyand: „Applaus für Bronikowski“

Nach “Baba Dunjas letzte Liebe”, ist dies nun zweite Buch der Longlist des Deutschen Buchpreises, dem ich mich widme.
Einmal hat meine Wahl ganz ehrlich gesagt damit zu tun, dass dieses Buch einen nicht ganz so großen Umfang hat, wie der eine, oder andere Longlist-Titel – zum anderen hat eine meiner Kolleginnen mir dieses Buch schon lange vor der Buchpreiszeit mit den Worten: “Das ist toll! Jetzt lies das!” in die Hand gedrückt.
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Deutscher Buchpreis 2015: Die Longlist – Eine Einschätzung

Deutscher Buchpreis 2015: Die Longlist – Eine Einschätzung

So, hier ist sie nun, die offizielle Longlist des Deutschen Buchpreises 2015.
Vorgestern war so viel im Laden los, dass ich sie mir nur kurz angeschaut habe. Gelegenheit sie wirken zu lassen, hatte ich erst gestern und muß sagen: Im Großen und Ganzen gefällt sie mir sehr gut.

Allerdings gibt es Titel, die ich vermisse. Mirna Funks “Winternähe” hätte ich die Nominierung sehr gegönnt und sehr überrascht bin ich auch, dass “Wald” von Doris Knecht nicht auf der Liste steht. Mit diesem Titel hätte ich eigentlich fest gerechnet. Was mich auch sehr wundert ist, dass “Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit” von Dana Grigorcea nicht ausgewählt worden ist. Ich hatte sie eigentlich als “feste Nominierung” im Visier, besonders mit dem Hintergrund des Bachmann-Preises.
Dass Klöpfer & Meyer auch nicht auf der Liste auftaucht finde ich ebenso erstaunlich und Anne Köhlers “Ich bin gleich” da hätte ich eine Erwähnung ebenso gegönnt.

Aber im Großen und Ganzen muß ich sagen: Ein guter Jahrgang, den ich im Folgenden genauer unter die Lupe nehme und einzuschätzen versuche, welche Titel es auf die Shortlist schaffen könnten:

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Alina Bronsky: “Baba Dunjas letzte Liebe”

Alina Bronsky: “Baba Dunjas letzte Liebe”

Eigentlich sollte in Tschernowo keiner mehr leben. Nach dem Reaktorunglück drehen die Geigerzähler am Rad, wenn sie auch nur in die Nähe des Ortes kommen. Alles ist verstrahlt und die Insekten haben inzwischen überhand genommen, da es in der Gegend immer weniger Vögel gibt.
Aber Baba Dunja hat beschlossen zurückzukehren und an dem Ort weiter zu leben, der ihre Heimat ist.
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