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Yael Hedaya: “Die Sache mit dem Glück”

Während meiner Ausbildung haben wir in der Buchhandlung zu Weihnachten ein kleines Heft mit unseren persönlichen Buchempfehlungen drucken lassen und einen Tisch dazu gestaltet. Eine Aktion auf die wir damals sehr viele positive Rückmeldungen bekommen haben.
Einer dieser Titel war “Die Sache mit dem Glück” von Yael Hedaya, welchen ich mir dann auch sogleich angeschafft habe. Dieses Buch begleitet mich nun sage und schreibe seit acht Jahren. Ungelesen – bis gerade eben, den vor ein paar Minuten habe ich es zugeklappt und gedacht: Was für eine großartige Autorin Yael Hedaya doch ist.

Die Geschichte ist eigentlich schnell erzählt: Es geht um Matti, der mit Mira verheiratet ist, zwei Söhne hat, aber seine große Liebe Alona nicht vergessen kann. Mit jener Alona, die damals erst 15, Matti hingegen 30 Jahre alt gewesen ist, war er ein Jahr zusammen. Überwunden hat er diese, für ihn sehr große, Liebe jedoch nie.
Mira war immer bewußt, dass sie für Matti nur ein Notnagel gewesen ist. Ihr Leben lang hat sie gegen diese Geliebte, die ständig in ihren Gedanken präsent gewesen ist, angekämpft. Vergeblich. Es ist ihr nie gelungen. Nun ist Matti krank und es geht dem Ende entgegen. Wird dadurch auch Alona aus Miras Gedanken verschwinden?

Das erste Buch, das ich von Yael Hedaya gelesen habe war: “Zusammenstöße” und damit hat sie mich gleich gehabt. Auch “Eden”, in dem es um das Leben in einer alternden Yuppie-Gemeinschaft geht, hat mich begeistert. Daher stelle ich mir nun die Frage, weshalb dann “Die Suche nach dem Glück” so lange bei mir im Regal gestanden hat, denn es ist ein Buch, welches mich von der ersten Seite an in sich hinein zog.
Yael Hedaya hat die Gabe in das Innerste ihrer Figuren hineinzuschauen, ihre Stimmungen auszuloten und den Leser in eine ganz leise Melancholie einzuhüllen. Tragik ist es, die ihre Figuren umgibt, aber niemals das ganz große aufgeschaukelte Drama. Das hat sie gar nicht nötig. Sie ist die Meisterin der leisen Töne und der intimen Momente.
Die 15jährige Alona zum Beispiel bemerkt nach der ersten Nacht: “Und ich fand, dass er anfing das Geheimnisvolle, das noch vor einer Stunde von ihm ausgegangen war, zu verlieren- und ich möglicherweise auch.” Wie eigentlich schon in diesem Augenblick klar ist, dass das nichts werden kann mit Matti und Alona und sie dennoch ein Jahr weiter machen, bevor sie ihn verläßt, bevor er sein “Naturkind verlor, das ich wohl noch nie gewesen bin.”

Er sieht in ihr jemanden, dem er etwas beibringen kann und nimmt sich heraus, über ihre Wünsche hinwegzugehen und über alles sprechen zu wollen. Dass das zu viel ist, merkt er nicht. Diese Aufdringlichkeit (ich erinnere mich sehr deutlich an eine Szene, in welcher Alona einfach nur im Bad alleine sein möchte und Matti einfach nicht geht, sondern darauf besteht, sie sogar zu waschen) habe ich beim Lesen wirklich empfunden und das ist, was Hedayas Schreibstil für mich so besonders macht.

Mit seiner Ehefrau hingegen spricht Matti nicht sehr viel und von Liebe kann man auch nicht sprechen. Mira sagt sogar, dass ihr klar war, dass er sie nicht liebte, aber dachte, das würde schon noch kommen. Was nicht der Fall ist.
Warum sie bei ihm bleibt ist die große Frage. Vorher war sie einsam, sie hatte keinen Mann und auch keine Aussicht auf solchen. Aber ist es wirklich besser mit jemandem zusammenzuleben, der in Gedanken immer bei jemand anderem ist und von dem sie weiß, dass er lieber eine andere gehabt hätte?
Eines ist Mira auf jeden Fall gelungen: Sie hat sich durchgesetzt, in dem sie darauf bestanden hat, dass er einen anständigen Beruf ergreift und die unsichere Filmbranche an den Nagel hängt. Sie hat den “Wilden Mann domestiziert”. Nach außen hin zumindest.
Im Inneren sieht es anders aus: “Es war das erste Mal, dass ich es wagte Leute zu uns einzuladen, denn obwohl ich mich mit der neuen Zweisamkeit brüsten […] wollte und vielleicht auch, um eine Bestätigung dafür zu erhalten, dass wir zusammen waren[…] so hatte ich auch Angst vor dem Zusammentreffen […] und davor, dass wir nicht gerade den Eindruck vermittelten, dass wir zueinander passten.”

Oftmals wurde Yael Hedaya mit der Autorin Zeruya Shalev verglichen.
Was offensichtlich ist, ist natürlich, dass beide Schriftstellerin aus Israel stammen, ihre Bücher in diesem Land in der Gegenwart spielen und es um zwischenmenschliche Beziehungen geht.
Was ich allerdings finde ist, dass die Figuren in Shalevs Büchern manchmal – überzeichnet wäre jetzt zu viel gesagt – aber vielleicht mit extremerem Charakter ausgestattet sind. Etwas schriller vielleicht als ganz normale Menschen und das meine ich jetzt nicht negativ, denn “Mann und Frau” und “Liebesleben” fand ich ausgezeichnet.
Yael Hedayas Figuren sind alltäglicher und vielleicht ist es ja das, was mir an ihnen so gut gefällt. Es sind Figuren, die auch einem großen zeitgenössischen amerikanischen Roman entsprungen sein könnten und das schätze ich sehr.

Einer der ausschlaggebenden Punkte dieses Buch zu lesen war auch die Aktion #GoldenBacklist, in der es darum geht, die Aufmerksamkeit auf Büchern, deren Erscheinungsdatum schon länger als als fünf Jahre zurückliegt, zu lenken. Ohne diese Aktion, diesen Denkanstoß,  hätte ich sicherlich bei der Wahl der nächsten Lektüre zu einer Neuerscheinung gegriffen. Ich bin jedenfalls sehr froh darüber “Die Sache mit dem Glück” endlich gelesen zu haben – was wäre mir da entgangen.

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ISBN: 978-3-257-23729-0
Verlag: Diogenes
Preis: 8,90 €
Erscheinungsdatum: 2008


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