Der Deutsche Buchpreis 2015 für Frank Witzel: “Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969”

Der Deutsche Buchpreis 2015 für Frank Witzel: “Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969”

Gestern Abend um 18:55 war ich sehr überrascht und bin es immer noch. Ich hatte mit allem gerechnet, nur nicht damit, dass Frank Witzels Roman den Deutschen Buchpreis gewinnt. Das liegt zum einen daran, dass ich nur kurz in dieses Werk hineingeblättert habe und dachte: “Ahja…der wird es eh nicht” (zu umfangreich, zu komplex), zum anderen, dass ich fest damit gerechnet habe, dass die Wahl aufgrund der Aktualität des Themas auf “Gehen, ging, gegangen” von Jenny Erpenbeck fallen würde. Aber ich bin positiv überrascht und freue mich über diese Wahl.

Darum geht es: Gudrun Ensslin eine Indianersquaw aus braunem Plastik und Andreas Baader ein Ritter in schwarzglänzender Rüstung – die Welt des kindlichen Erzählers, der den Kosmos der alten BRD wiederauferstehen lässt, ist nicht minder real als die politischen Ereignisse, die jene Jahre in Atem halten und auf die sich der 13-Jährige seinen ganz eigenen Reim macht. Erinnerungen an das Nachkriegsdeutschland, Ahnungen vom Deutschen Herbst und Betrachtungen der aktuellen Gegenwart entrücken ihn dabei immer weiter seiner Umwelt. Es entsteht ein Kaleidoskop aus Stimmungen einer Welt, die ebenso wie die DDR 1989 Geschichte wurde.
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Hier die Begründung der Jury, weshalb die Wahl auf Frank Witzel gefallen ist: „Frank Witzels Werk ist ein im besten Sinne maßloses Romankonstrukt. Erzählt wird die Geschichte eines Jungen aus der hessischen Provinz, der sich im Alter von dreizehneinhalb auf der Schwelle zum Erwachsenwerden befindet. In diese Geschichte eingewoben ist das politische Erwachen der alten Bundesrepublik, die beginnt, sich  vom Muff der unmittelbaren Nachkriegszeit zu befreien. Diese Ära des Umbruchs wird heraufbeschworen in disparaten Episoden, die unterschiedlichste literarische Formen durchspielen, vom inneren Monolog über die Action-Szene oder das Gesprächsprotokoll bis zum philosophischen Traktat. Der Roman „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ ist in seiner Mischung aus Wahn und Witz, formalem Wagemut und  zeitgeschichtlicher Panoramatik einzigartig in der deutschsprachigen Literatur. Frank Witzel begibt sich auf das ungesicherte Terrain eines spekulativen Realismus. Mit dem Deutschen Buchpreis wird ein genialisches Sprachkunstwerk ausgezeichnet, das ein großer Steinbruch ist, ein hybrides Kompendium aus Pop, Politik und Paranoia.“

Ich persönlich weiß bisher nur von zwei Personen, die dieses Buch bereits gelesen haben – beide gehören zu den Buchpreisbloggern. Einmal ist das Jochen Kienbaum von lustauflesen.de, der von Frank Witzels Buch absolut begeistert ist, und zum anderen Uwe Kalkowski, der Kaffeehaussitzer, der noch am Lesen, aber ebenfalls sehr begeistert ist. 
Mir hat die Entscheidung für dieses Buch jedenfalls Lust auf diesen Titel gemacht und i
ch bin sehr gespannt darauf, wie die Resonanz auf dieses Buch im Buchhandel sein wird, zumal es sich ja schon um einen leseintensiven Buchpreisgewinner handelt. Jedenfalls freue ich mich sehr für den Autoren und für den Verlag Matthes und Seitz.


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