Deutscher Buchpreis 2015: Die Shortlist – Ein Kommentar

Deutscher Buchpreis 2015: Die Shortlist – Ein Kommentar

Tja – jetzt ist sie da. Die Shortlist.
Als ich heute Vormittag im Laden stand und sie zum ersten Mal in Augenschein genommen habe, war ich ehrlich gesagt enttäuscht. Ich habe den Eindruck, dass die Jury um jeden Preis originell und verblüffend agieren wollte. Das ist mit dieser Auswahl gelungen.

Mit Valerie Fritsch hätte ich fest gerechnet. “Winters Garten” ist ein großartiges Werk und besticht mit seiner poetisch eindringlichen Sprache. Allerdings muß ich auch sagen, dass ich der Jury dankbar bin, dass sie diesen Titel für die Longlist ausgewählt hat, denn ohne diese Nominierung hätte ich dieses Buch wahrscheinlich nie gelesen und da hätte ich was verpasst.
Genauso ging es mir mit “Bodentiefe Fenster” und “Aberland” – zwei sehr gute Bücher zum Thema “Die Frau in der heutigen Gesellschaft”, die ich ohne die Longlist nie entdeckt hätte.
Doch zurück zur Shortlist, auf der folgende Titel zu finden sind:

Jenny Erpenbeck: “Gehen ging gegangen”

Gehen ging gegangen von Jenny Erpenbeck

Ich denke, um dieses Buch kam einfach niemand drumherum, denn es geht um ein hochaktuelles Thema: Flüchtlinge. Ich habe dieses Buch sehr euphorisch zu lesen begonnen, musste dann aber relativ schnell zurückrudern. Klar, es ist ein wichtiges Thema, allerdings war mir das Ganze etwas zu gewollt und zu offensichtlich. Auch fand ich, dass die Autorin sprachlich unter ihren Möglichkeiten geblieben ist, was ich sehr schade finde.

Hier geht es zu meiner Rezension.

Rolf Lappert: “Über den Winter”

Lappert_24905_MR.inddRolf Lapperts Buch: “Nach Hause schwimmen”, mit welchem er 2008 bereits auf der Shortlist gestanden hat, hat mir damals ja sehr gut gefallen. Zu “Über den Winter” kann ich noch gar nichts sagen, ich habe noch nicht rein geschaut – irgendwie hat es mich bisher nicht angemacht.
Es geht um einen weltweit erfolgreichen Künstler, der nach dem Tod seiner Schwester nach Hamburg zurückkehrt. Zu seiner Familie, obwohl er das immer hat vermeiden wollen. So schnell wie möglich möchte er wieder fort, doch dann verliert seine jüngere Schwester den Job und sein Vater wird immer hilfloser.

Inger-Maria Mahlke: “Wie ihr wollt”

mahlke

Hier geht es um die kleinwüchsige Cousine von Elisabeth I., die einen Thronanspruch hat, aber frei sein möchte.
Ich habe dreimal den Anlauf genommen dieses Buch zu lesen und habe nach wenigen Seiten aufgegeben. Sprachlich ist es sehr frech geschrieben, also vollkommen konträr zum historischen Inhalt, aber irgendwie habe ich nicht rein gefunden. Heute habe ich mich mit jemandem unterhalten, dem dieses Buch sehr gut gefallen hat und der meinte, dass man Schwierigkeiten mit diesem Titel haben könne, wenn man sich in der englischen Geschichte nicht gut auskennen würde.
Das scheint bei mir der Fall zu sein.

Ulrich Peltzer: “Das bessere Leben”

pelzerWas ich zu diesem Buch sagen kann, dass ich niemanden kenne, der es zu Ende gelesen hat. Die meisten kamen nicht mal bis zur Hälfte.
Die Zeit schreibt: “Ulrich Peltzers neuer Roman, einer der meist erwarteten und bereits jetzt, wenige Tage nach seinem Erscheinen, auch meist diskutierten Romane dieses Jahres, ist mehr als eine Herausforderung. Es ist ein Buch, das an Grenzen heran- und möglicherweise auch über sie hinausführt. Da ist zunächst einmal die Grenze dessen, was einem Leser zugemutet werden kann und darf.” Ahja. Auf buchrevier.com teilt uns Tobias seine Erfahrungen mit diesem Buch mit.

Monique Schwitter: “Eins im Andern”

SchwitterZunächst einmal freut es mich für den Verlag, dass er auf der Shortlist vertreten ist.
Zum Buch selbst kann ich noch gar nichts sagen, aber eine meiner Kolleginnen hat es sich bereits zugelegt und ich bin sehr gespannt auf ihre Meinung.
Es geht um eine Frau, die feststellt, dass ihre erste große Liebe sich umgebracht hat. und das schon vor fünf Jahren . Daraufhin beginnt sie eine “Liebesrecherche”: Sie handelt ihre “Liebesbiografie” anhand ihrer zwölf Männer ab, die weit mehr mit den zwölf Aposteln gemein haben, als zunächst vermutet.
Marina von literaturleuchtet hat dieses Buch bereits gelesen.

Frank Witzel: „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969″

WitzelEin sehr dicker Wälzer, mit so mancher Fußnote, der allerdings sehr spannend klingt: Gudrun Ensslin eine Indianersquaw aus braunem Plastik und Andreas Baader ein Ritter in schwarzglänzender Rüstung – die Welt des kindlichen Erzählers, der den Kosmos der alten BRD wiederauferstehen lässt, ist nicht minder real als die politischen Ereignisse, die jene Jahre in Atem halten und auf die sich der 13-Jährige seinen ganz eigenen Reim macht. Erinnerungen an das Nachkriegsdeutschland, Ahnungen vom Deutschen Herbst und Betrachtungen der aktuellen Gegenwart entrücken ihn dabei immer weiter seiner Umwelt. Es entsteht ein Kaleidoskop aus Stimmungen einer Welt, die ebenso wie die DDR 1989 Geschichte wurde.
lustauflesen.de und der Kaffehaussitzer haben dieses Buch bereits gelesen, oder sind gerade dabei.

Wer den Preis bekommen wird? Ich muß wirklich sagen, ich habe keine Ahnung. Vorstellen könnte ich mir, aufgrund des Themas, Jenny Erpenbeck: “Gehen, ging gegangen”, aber wahrscheinlich gibt es auch bei dieser Auswahl eine Überraschung. Man wird sehen. Am 12. Oktober wissen wir mehr.


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