Liad Shoham: “Das Blut an euren Händen”

Liad Shoham: “Das Blut an euren Händen”

Sucht man nach lieferbaren Kriminalromanen israelischer Autoren in deutscher Sprache, so wird man nicht Unmengen, sondern nur eine Handvoll Titel finden.

Einer der Autoren, der allerdings gleich drei dieser Titel verfasst hat, ist der israelische Schriftsteller und Anwalt Liad Shoham, der gerne als “John Grisham Israels” bezeichnet wird.
Dass diese Bezeichnung treffend ist, kann ich nach der Lektüre von “Das Blut an euren Händen” nur bestätigen.

Dubi Zuriel ist Bürgermeister von Petach Tikwa, einer Kleinstadt in Nähe von Tel Aviv. X-Mal ist er bereits wiedergewählt worden, was nicht zuletzt daran liegt, dass man vor Ort vor allem eines schätzt: Ruhe, Ordnung und keinerlei Veränderungen.

Alles soll beim Alten bleiben, dafür sorgen auch die beiden heimlichen Väter der Stadt, die dem Bürgermeister hier und da einen doch sehr ordentlichen Betrag überweisen, damit dieser sich wiederum erkenntlich zeigt. In klaren Worten bedeutet dies, dass der Bürgermeister dafür sorgt, dass ihre Firmen die von der Stadt vergebenen Bauaufträge bekommen. Eine Hand wäscht ja bekanntlich die andere.

Bisher hat auch alles wunderbar funktioniert. Im Ort war Ruhe und bis auf nachbarschaftliche Streitigkeiten gab es bislang keinerlei Vorfälle.
Bis zu jenem Tag, als einem ortsansässigen Journalisten Papiere zugespielt werden, aus welchen hervorgeht, dass der Bürgermeister, als auch so manch anderer im Ort korrupt sein soll. Als der Journalist an die Öffentlichkeit gehen möchte, nimmt das Drama seinen Lauf. In Petach Tikwa wird es ungemütlich…

Die Hauptfigur des Buches ist Anant, eine Kriminalkommissarin, die sich von Tel Aviv nach Petach Tikwa hat versetzen lassen und sich seit Dienstbeginn nur mit dem Ordnen von Akten befasst. Petach Tikwa ist eben nicht Tel Aviv.
Gekonnt verwebt Liad Shoham Anats familiäre Ereignisse mit den Korruptionsvorwürfen vor Ort und baut ungeahnte Verwicklungen auf.

Liad Shohams selbst sagt, dass er von den Autoren George Simenon und John Grisham maßgeblich beeinflusst worden ist. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass es in “Das Blut an euren Händen” nicht tausend Leichen und blutige Morde gibt.
Das Augenmerk liegt hier nicht auf rasanter Action, sondern darauf, zu verstehen, wie Korruption funktioniert und welche Auswirkung diese haben kann, wenn es zum Beispiel einen neuen Mitspieler gibt, dem die örtlichen Regeln vollkommen egal sind.
Es ist ein klassischer Anwaltskrimi den er hier vorgelegt wird, ein wirklich guter wohlgemerkt, der den Vergleich mit John Grisham nicht zu scheuen braucht.

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In Israel sind Kriminalromane anscheinend nicht sehr beliebt, wie zum Beispiel in Deutschland, was eine Erklärung dafür bieten könnte, dass die Anzahl der israelischen Kriminalautoren nicht sonderlich hoch ist.
Warum ist dies so? Ein spannendes Thema, zu welchem ich am Sonntag, den 30.Oktober 2016 mehr erfahren werde. Denn dann findet ein Nachmittag zu eben diesem Thema mit den Autoren Liad Shoham und Dror Mishani im Rahmen des Literaturfestivals „Zürich liest“ statt.
Ich bin sehr gespannt.

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» zum vollständigen Programm von “Zürich liest ´16”


ISBN: 978-3-8321-6334-1
Verlag: Dumont
Erscheinungsjahr: 2016
Übersetzung: Ulrike Harnisch
Preis: 9,99 €


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2 thoughts on “Liad Shoham: “Das Blut an euren Händen”
Michael

Liad Shoham erzählte an seiner Lesung in Zürich, die von Omanut im Rahmen des Literaturfestivals „Zürich liest“ stattgefunden hat, dass er seiner über 90 Jahre alten Grossmutter die deutsche Uebersetzung seines Krimis „Stadt der Verlorenen“ zum Lesen gegeben habe. Die alte Dame, die in den 30er Jahren aus Europa nach Tel Aviv ausgewandert ist, meinte, die Uebersetzung sei nicht sehr gelungen. Kein Wunder: Shohams Grossmutters Deutsch war in den 30er Jahren stecken geblieben.

Friederike

Es war wirklich ein großartiger Nachmittag mit Omanut, den beiden Autoren und dem Schauspieler Thomas Sarbacher (ich war ganz perplex, einen solch bekannten und stimmgewaltigen Akteur anzutreffen) im wunderschönen „Salon“ in der Weststrasse in Zürich.
Vielen Dank dafür. Es war etwas ganz Besonders.

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