Antje Wagner: „Unland“

Antje Wagner: „Unland“

Vor Weihnachten habe ich mich aus beruflichen Gründen vermehrt den Neuerscheinungen des Jugendbuchbereichs gewidmet.
Doch da ich seit der Lektüre von “Hyde” ein Antje-Wagner-Fan bin, habe ich mir einen ihrer älteren Krimis gegönnt – und damit meine #GoldenBacklist um einen Titel bereichert .
Man kann ja nicht immer nur Neuerscheinungen lesen!

Haus Eulenruh steht in Waldburgen, einem kleinen Ort, der sich zwei Stunden von Berlin entfernt befindet. Dort wird Franka fortan leben.
Zusammen mit anderen Jugendlichen bzw. Kindern, die von Vera und Andreas (zwei Pädagogen) betreut werden.
Alle in diesem Haus haben ihr Päckchen zu tragen – und Franka erfährt recht bald, dass ihr selbst nicht das Schlimmste, was passieren kann passiert ist.

In Waldburgen ist man jedenfalls nicht sonderlich froh, dass Vera und Andreas mit ihren sechs Jugendlichen Haus Eulenruh bezogen haben. Die Vorurteile sind groß, besonders bei einigen Lehrern.
Aber da sich die Waldburgener ja “sozial” geben möchten, werfen manche im Ort gönnerhaft Päckchen in den Garten der Zugezogenen. Päckchen mit abgelegter Kleidung, die eigentlich wirklich in die Mülltonne gehört. Aber auch andere Schrott wird gerne vor der Haustür abgelegt.
In einem dieser “Geschenke” findet Franka ein Fernglas. Ein sehr gutes Fernglas, was seltsam ist. Neue Dinge sind normalerweise nicht in diesen Päckchen, daher beschließt Franke, das Fernglas zu behalten.

Von ihrem Fenster aus, kann Franka auf eine Ruinenlanschaft blicken, die “Unland” genannt wird und die keiner betreten darf. Es herrscht Einsturzgefahr.
Eigentlich sollte “Unland” abgerissen werden, wofür die Stadt Waldburgen Geld aus irgendwelchen EU-Töpfen bekommen hatte. Allerdings entschlossen die Bürger, diese Mittel für andere, dringendere Projekte auszugeben, wie zum Beispiel für die Renovierung des Kindergartens.

Eigentlich waren die Gelder zweckgebunden, doch man beschloss über die Verwendung Stillschweigen zu bewahren.
Aus diesem Grund ist “Unland” auch mit einem elektrischen Zaun gesichert. Jegliche Unfälle, die mit der Ruine zu tun haben, müssen verhindert werden.
Alle Bürger Waldburgens haben beim Bürgermeister unterschrieben und auch Vera und Andreas sind gebeten worden, kein Wort über die Situation zu verlieren bzw. dafür zu garantieren, dass keiner aus Haus Eulenruh “Unland” je betreten wird.

Eines Nachts beobachtet Franka mit ihrem Fernglas, wie der Nachbar bei Dunkelheit Pakete auf ein Kleingefährt packt und direkt nach Unland hineinfährt – ohne Scheinwerfer. Erst Stunden später kehrt er zurück.
Was hat er dort gemacht?!

Seit ich den Roman “Hyde” gelesen habe, bin ich Antje-Wagner-süchtig. Sie schreibt zum einen unglaublich spannend, zum anderen ist es so, dass ihre Bücher mehr sind, als reine Spannungsliteratur.
“Hyde” ist wesentlich komplexer und so ist es auch mit “Unland”.

Hier erfahren wir nur so viel über Frankas bisheriges Leben, wie nötig und auch die Vergangenheit der anderen Jugendlichen, wird nur kurz gestreift.
Über jede einzelne Figur könnte man aber ein ganzes Buch schreiben.
Zum Beispiel über Lizzie und Ann, deren Vater seit Jahren im Gefängnis ist und sie daher ganz froh gewesen sind, aus Berlin fort zu ziehen. Denn alle wussten über die Familiensituation der beiden Bescheid und haben die Schwestern sowohl aufgezogen, als auch gemieden. Als ob sie Situation an sich nicht schon schwer genug wäre.

Hier umreißt die Autorin das Drama der Familie nur ganz knapp und konzentriert sich auf das Vorantreiben der kriminalistischen Handlung.
Dennoch kommt der Leser nicht umhin, sich Gedanken über die beiden Mädchen zu machen. Und darüber, wie ungerecht es ist, dass ihnen schon bevor sie überhaupt in Waldburgen angekommen sind, ein Stempel aufgedrückt worden ist.

Das ganz Besondere an diesem Buch jedoch ist das Ende. Während des Lesens von “Unland” hatte ich so manche Idee, was es mit der Ruine auf sich haben könnte. Aber auf das tatsächliche Ende wäre ich wirklich niemals gekommen.
Anscheinend ist es so, dass diese Auflösung stark polarisiert. Entweder man findet sie super, oder eben gar nicht.
Ich für meinen Teil finde das gewählte Ende großartig. Es hebt das Buch auf eine ganz andere Ebene und es ist ein Ende, das mir im Gedächtnis bleiben wird.
Super!

Ab 14 Jahren.

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Dieses Buch habe ich im Rahmen der Aktion #GoldenBacklist gelesen, bei welcher es darum geht, Titel zu lesen, deren Erscheinungsdatum mehr als fünf Jahre zurückliegt und über diese zu schreiben.

» zu meinen #GoldenBacklist – Büchern 


ISBN: 978-3-407-74511-8
Verlag: Beltz
Erscheinungsjahr: 2009
Seiten: 381
Preis: 8,95 €


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