Das Literarische Quartett: Die Bücher der Sendung am 13.Oktober 2017

Das Literarische Quartett: Die Bücher der Sendung am 13.Oktober 2017

Diese Ausgabe des Literarischen Quartetts kommt nicht aus dem Berliner Ensemble, sondern direkt von der Frankfurter Buchmesse. Gast der Sendung ist der Journalist und Historiker Johannes Willms, der das Literarische Quartett sozusagen erfunden hat.
Er arbeitete unter anderem für die Sendung “aspekte” und als Chef des Feuilletons der Süddeutschen Zeitung.
Des Weiteren hat Biografien über zum Beispiel Napoleon und Balzac verfasst.

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Über diese vier Bücher wird gesprochen werden:

Annie Ernaux: “Die Jahre”

Die französische Schriftstellerin Anni Ernaux hat bereits 20 Romane geschrieben. Derzeit ist allerdings nur eines ihrer Bücher in deutscher Sprache lieferbar: “Die Jahre”.

Ihr Werk, welches meist autobiografisch ist, wurde bereits vielfach ausgezeichnet. In “Eine vollkommene Leidenschaft: Die Geschichte einer erotischen Faszination” zum Beispiel, beschreibt sie eine erschreckend faszinierende und fast schon besessene Leidenschaft zu einem bereits verheirateten Mann und auch in “Sich verlieren” geht es um eine Amour fou. Beide Werke sind damals bei Goldmann erschienen.
Jetzt hat sich Suhrkamp dieser Autorin angenommen. Am 11. Oktober erscheint “Die Jahre”.

Hier vergegenwärtigt Ernaux sich die Jahre, die seit ihrer Kindheit in der Nachkriegszeit vergangen sind, anhand von Aufzeichnungen, Wörtern, Gegenständen und Melodien und kreiert eine neue Art des Erzählens. Sie schreibt eine “unpersönliche Autobiographie”.
Annie Ernaux Roman “Mémoire de fille” wird derzeit ins Deutsche übersetzt und 2018 bei Suhrkamp erscheinen.

Ich muss gestehen, dass mir Annie Ernaux bisher kein Begriff gewesen ist.
Ich habe gerade in die Leseprobe hinein gelesen und festgestellt dass ihr Stil wirklich besonders ist.
Dem ersten Eindruck nach, könnte ich mir vorstellen, dass “Die Jahre” kein Buch ist, das man einfach so mal zwischendurch lesen kann – jeder Satz steht für sich und wirkt für sich.

Ich bin gespannt, was die vier Kritiker zu diesem Werk sagen werden und könnte mir vorstellen, dass Thea Dorn dieses Buch vorstellen wird.

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Sonja Heiss: “Rimini”

Hans ist verheiratet, doch seine Ehe funktioniert nicht mehr. Der erfolgreiche Anwalt beschließt eine Psychoanalytikerin aufzusuchen, doch anstatt sich mit ihr über seine Probleme zu unterhalten, verliebt er sich in sie.
Hans Schwester Masha möchte unbedingt ein Kind, doch ihr Lebenspartner ist ihr plötzlich nicht mehr recht. Furchtbar genervt von ihm, beschließt sie, einen anderen zukünftigen Partner zu finden, indem sie sich durch diverse Betten schläft. Ob das jetzt so eine gute Idee ist, das sei hier einmal dahingestellt.

Die Eltern der beiden Geschwister sind bereits seit 40 Jahren verheiratet. Mehr oder weniger glücklich. Doch der Alltag als Rentner gestaltet sich nicht so einfach, denn Alexander beginnt sich unwohl und einsam zu fühlen, sobald seine Frau nicht bei ihm ist. Barbara hingegen möchte ihren Freiraum. Die einzige Möglichkeit, diesen zu bekommen sieht sie in der Flucht.
Eine Aktion, mit nicht vorhersehbaren Folgen.

Eine meiner Kolleginnen hat “Rimini” mit Begeisterung gelesen und meinte, man merke, dass Sonja Heiss aus dem Filmbereich kommt. Der Schreibstil und die Figuren seien sehr plastisch. Sie habe während der Lektüre oft lachen müssen, doch manchmal sei ihr das Lachen auch im Halse steckengeblieben.

Sonja Heiss hat vor ein paar Jahren einen Band mit Kurzgeschichten verfasst (“Das Glück geht aus”), den ich sehr gerne gelesen habe und der derzeit nur als ebook lieferbar ist.
In Rimini, werde ich sicherlich einmal hineinlesen und bin mir sehr sicher, dass Christine Westermann dieses Buch für das Quartett ausgewählt hat.

Die taz, BücherKaffee und Fantasie und Träumerei haben dieses Buch bereits besprochen.

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Daniel Kehlmann: “Tyll”

“Tyll” ist kein Roman über Till Eulenspiegel, sondern ein Roman über den Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648).
Tylls ist der Sohn eines Müllers und lebt in einem kleinen Dorf, als sein Vater, der Magier und Weltenforscher ist, mit der Kirche in einen Konflikt gerät.

So flieht Tyll gemeinsam mit der Bäckerstochter Nele und die beiden begegnen auf ihrem Weg durch ein von Religionskriegen gebeuteltes Land, vielen unterschiedlichen Menschen. Zum Beispiel einem melancholischen Henker, einem exilierten Königspaar und einem Weltweisen, dessen Versuchsergebnisse großes Aufsehen erregten. Sie brachten ihm großen Ruhm ein, allerdings ist es so, dass er diese Ergebnisse allesamt nur erfunden hat.

Daniel Kehlmanns Romane “Ruhm” und “Ich und Kaminski” fand ich genial.
“Tyll” hingegen reizt mich eher weniger, wie ich zugeben muss. Der Dreißigjährige Krieg ist nicht so mein Thema. Aber hineinlesen werde ich auf jeden Fall.
Nachdem ich gestern die neue Ausgabe des Spiegels gelesen habe, ist klar, dass Volker Weidermann dieses Buch vorstellen wird, da er einen ausführlichen Artikel über “Tyll” geschrieben hat.

P.S.: Gerade habe ich festgestellt, dass mir das Titelbild des Romans sehr bekannt vorkommt – zumindest teilweise. Ein Ausschnitt des Gemäldes ziert das Cover des Romans “Reality-Show” meiner Lieblings-Belgierin, der Schriftstellerin Amélie Nothomb.
Aber das nur am Rande.

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Salman Rushdie: “Golden House”

René lebt in New York und ist von seinem Nachbarn fasziniert, denn Nero Goldens Familie liefert ihm den besten Stoff für seine Drehbücher.
Golden ist vor ein paar Jahren mit seinen drei Söhnen, die inzwischen erwachsen sind, nach New York gezogen und hat eine junge Frau aus Russland geheiratet. Er selbst ist unglaublich ehrgeizig, möchte nicht daran erinnert werden, aus welchem Land er eigentlich kommt, trägt Make-Up und ist sehr versiert im Umgang mit den Medien.
Doch eines Tages beobachtet René etwas im Hause Golden, das mehr als dekadent ist.

Mit seinem Roman “Mitternachtskinder” gelang dem indisch-britischen Schriftsteller Salman Rushdie 1981 der Durchbruch. Für diesen Roman erhielt er im selben Jahr den Booker-Prize.

“Die satanischen Verse” (1988) waren ebenfalls ein weltweiter Erfolg, allerdings war dieses Buch Anlass dafür, dass Rushdie vom iranischen Staatschef durch eine Fatwa zum Tode verurteilt wurde, da der Protagonist im Roman Albträume vom Leben des Propheten Mohammed hat.
Der Staatschef rief alle Muslime der Welt auf, das Urteil zu vollstrecken. Ein Kopfgeld von einer Million Dollar wurde festgesetzt.
Rushdie stand jahrelang unter Polizeischutz und musste seinen Wohnort mehrfach wechseln. Er bekam zahlreiche Drohungen, sein Übersetzer wurde ermordet und das Kopfgeld ist inzwischen auf vier Millionen Dollar angewachsen.

1995 erschien sein Roman “Des Mauren letzter Seufzer”, der in Indien großes Aufsehen erregte und mit Anspielungen auf diverse hindu-nationalistische Führer Mumbais gespickt war. Das Buch wurde sogleich auf den Zensur-Index Mumbais gesetzt.
2007 wurde Salman Rushdie von Königin Elisabeth II. zum Ritter geschlagen, was in Iran, Malaysia und Pakistan zu Straßenprotesten führte.

Ich muss gestehen, dass ich noch kein einziges Werk von Salman Rushdie gelesen habe. Aber mir wurde mit großer Begeisterung von seiner Autobiographie “Joseph Anton” berichtet und sie klingt in der Tat hochinteressant. Der Titel besteht aus jenem Decknamen, den Rushdie wählte, als er untertauchen musste. Es ist eine Kombination der Vornamen seiner Lieblingsschriftsteller: Joseph Conrad und Anton Tschechow.

“Golden House” jedenfalls, klingt sehr interessant und ich denke, dass Johannes Willms dieses Buch vorstellen wird.

Der Spiegel und die FAZ haben dieses Buch bereits besprochen.

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Die Auswahl dieser Sendung gefällt mir sehr gut und ich glaube, ich hätte mich über öbige Werke nicht intensiv informiert, wären sie nicht fürs Quartett ausgewählt worden.
Nach dem Verfassen dieses Textes bin ich schlauer und so hat sich das Literarische Quartett für mich schon gelohnt. Auf die Sendung am 13. Oktober um 23:00 bin ich jedenfalls sehr gespannt.


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