Isabel Bogdan: “Der Pfau”

Isabel Bogdan: “Der Pfau”

Eine deutsche Autorin schreibt einen Roman mit britischem Humor. Da wäre ich zunächst sicherlich skeptisch gewesen, jedoch nicht in diesem Fall, denn die Autorin heißt Isabel Bogdan, ist Übersetzerin und hat zum Beispiel Jasper Fforde, Jane Gardam und Miranda July ins Deutsche übertragen.
Das zeigt ja schon einmal, dass sie eine britische Ader hat.

Wir befinden uns in Schottland bei Lord und Lady McIntosh. Der Lord ist Altphilologe, die Lady Ingenieurin und beiden steht der Schweiß auf der Stirn. Nicht weil es so unerträglich heiß wäre, nein die Temperaturen im Haus sind eher fröstelig, es sind die Heizkosten, die die beiden ins Schwitzen bringen. “Der Lord witzelte manchmal, er könne auch gleich versuchen, das Haus mit Geldscheinen zu isolieren.”
Aber nicht nur das Haus der beiden ist schlecht isoliert, nein, auch in den Cottages, die die McIntoshs an Leute vermieten, die Ruhe und Natur zu schätzen wissen, ist es sehr frisch.

Nun hat sich eine Gruppe Investmentbanker angekündigt, die abseits von Empfangsmasten, Fernsehen und eben leider auch voll funktionierender Heizungen, ein Teambuilding-Semiar durchführen möchten.
Aber die Betten sind ja zum Glück mit Heizdecken ausgestattet. Erfrieren wird somit keiner. Zumindest nicht im Schlaf. Jedoch vielleicht unter der Dusche, denn diese gibt nur ein dezentes Rinnsal heißen (immerhin) Wassers von sich. Man wird sehen.

Die Banker sind aus London sogar mit eigener Köchin und Vorräten angereist – es soll anständig diniert werden.
Bis auf die Chefin und die Dame der Agentur, die das Teambuilding leiten wird (ihr Chef ist leider krank geworden und mußte eine Vertretung schicken. Leider, leider. Allerdings kennt er die Chefin der Bank persönlich und so ist sein Kränkeln vielleicht auch eher ein Persönliches, denn ein Gesundheitliches), besteht die Gruppe jedoch ausschließlich aus Herren, deren Begeisterung für dieses Seminar sinkt, als sie erkennen, dass sie nicht im Hotel wohnen werden.

Aber deshalb hat die Chefin das Ganze ja ausgesucht. Natur heißt das Zauberwort. Natur beinhaltet auch die Tatsache, dass auf dem Land der McIntoshs Tiere leben. Eine etwas ältere Gans zum Beispiel und zwei treue Hunde. “In einem Anfall von Übermut hatte Lord McIntosh eines Tages fünf Pfauen erworben, drei Weibchen und zwei Männchen; er stellte es sich hübsch vor, wenn die Männchen auf der riesigen Rasenfläche vor dem Wohnhaus umherstolzierten und Räder schlugen.”
Das sähe es ja auch, jedoch sind die Pfauen meistens nicht zu sehen, da sie ihren Bewegungsradius schnell vergrößert haben.  Auch hat Lord McIntosh mit den Pfauen seit Neuestem ein Problem. Zum einen haben sie sich inzwischen relativ unkontrolliert vermehrt, sodass niemand mehr so genau weiß, wie viele Pfauen eigentlich vorhanden sind, zum anderen scheint eines der Männchen Probleme mit der Farbe Blau zu haben.
Eine blaue Mülltüte wurde von ihm zerfetzt, das blaue Auto eines Gastes zerkratzt, die blaue Regentonne hatte Risse und Löcher und das blaue Spielzeug eines Gastkindes war plötzlich unauffindbar.

Wie es der Zufall so will, reist nun die Chefin der Investmentbanker aus London an in einem, ja genau, in einem blauen Auto. Das sogleich attackiert wird.
Wie soll Lord McIntosh das der zugegebenermaßen etwas schwierig erscheinenden Dame beibringen und was soll er bloß mit dem Pfau machen? Er findet eine Lösung, die jedoch einen Rattenschwanz an Ereignissen nach sich ziehen wird….

Dieses Buch hat mir Spaß gemacht. Hier wird niemand bloßgestellt, oder schlechte Eigenschaften (zum Beispiel bei der etwas schwierigen Chefin) direkt benannt, das alles geschieht diskret durch die Blume, worüber ich sehr schmunzeln musste.
Hinzu kommt der witzige Einfall mit dem Pfau, der große Verwirrung stiftet und dafür sorgt, dass jeder etwas vor dem anderen verheimlicht, oder verheimlichen möchte, beziehungsweise jeder von einer vollkommen anderen Situation ausgeht, was zu absolut irrsinnigen Situationen führt.

Was ich auch sehr schön finde ist, dass die Tiere im Buch wie Personen behandelt werden. Zum Beispiel, als der Irish Setter der Chefin überhaupt nicht versteht, weshalb er nur angeleint durch diese schöne Natur gehen darf, was natürlich einen Grund hat. Einen für einen Hund unverständlichen Grund, woraus sein Frauchen schließt, dass ihr Hund vielleicht doch nicht so intelligent ist, wie angenommen.

“Der Pfau” ist eine schöne Komödie und eignet sich prima als heitere Lektüre zum Five-o´clock-Tea.
Liest man direkt danach allerdings ein Buch vom Meister des britischen Humors Evelyn Waugh, so kommt man nicht umhin festzustellen, dass er mit spitzerer und eleganterer Feder schreibt. Was ich persönlich sehr schätze. Aber wie gesagt, er ist ja auch der Meister.

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ISBN:  978-3-458-36297-5
Verlag: Insel
Erscheinungsjahr: 2017
Seiten: 247
Preis: 10,00 € –  bei Thalia bestellen (Affiliate Link)

Die gebundene Ausgabe dieses Titels ist 2016 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.


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5 thoughts on “Isabel Bogdan: “Der Pfau”
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Katharina

Das klingt wirklich cool, vielleicht sollte ich doch noch zugreifen! Kommt auf die Wunschliste 🙂
Liebe Grüße, Katharina

Friederike

Ich wünsche Dir viel Freude beim Lesen :).

Viele Grüße,
Friederike

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