Jan Schomburg: “Das Licht und die Geräusche” 

Jan Schomburg: “Das Licht und die Geräusche” 

Jan Schomburg ist Drehbuchautor und Regisseur und hat zum Beispiel beim Kinofilm “Über uns das All” mit Sandra Hüller (“Toni Erdman”) sowohl das Drehbuch geschrieben, als auch selbst Regie geführt.
“Das Licht und die Geräusche” ist sein erster Roman – ein Roman über das Erwachsenwerden.

Johanna ist in Boris, ihren besten Freund, verliebt und es ist für sie vollkommen unverständlich, weshalb sie kein Paar sind. Boris hat zwar eine Freundin in Portugal, doch diese ist meilenweit weg und somit kann Johanna diese “Freundin” auch gar nicht ernst nehmen.
Bis zu dem Tag, als Ana-Clara zu Besuch nach Deutschland kommt.

Für Johanna ist eines klar: Wenn sie irgendetwas Liebenswertes an Ana-Clara finden würde, würde sie auch weiterhin Boris beste Freundin sein können. Tja und dann ist Ana-Clara einfach nur seltsam. Sie kann kaum Deutsch und auch ihr Englisch ist schlecht, aber sie scheint auch sonst nicht viel zu sagen zu haben, sondern einfach nur stoisch zu sein. Und gelangweilt.
Was soll man davon halten?

Dann kommt der Tag, an welchem Johanna einen Brief von Boris bekommt. Einen Abschiedsbrief.
Boris möchte sich das Leben nehmen und die Briefmarke deutet darauf hin, dass er gedenkt dies in Finnland zu tun. Auch Ana-Clara hat einen Brief bekommen.
Die beiden Mädchen und Boris Eltern fahren nach Finnland um ihn zu suchen, ein schwieriges Unterfangen, denn so klein ist Finnland ja nun nicht, besonders, wenn man die Nadel im Heuhaufen sucht.

In diesem Buch geht es allerdings um viel mehr, als einen Teenager, der sein Leben beenden will. Es geht um die kleinen, aber bedeutenden Episoden des Erwachsenwerdens. Darum, was den Unterschied macht zwischen kindlichem Denken und reifen Entscheidungen.

Besonders beeindruckt hat mich der Teil des Romans, indem es um Macht und Gruppendynamik geht: Johanna fährt mit ihrer Klasse nach Barcelona und bemerkt, dass die Situation zwischen dem sehr ungleichen Freundschaftspaar Timo und Marcel eine andere zu sein scheint, als gedacht.
Timo ist ein Außenseiter und keiner will wirklich etwas mit ihm zu tun haben. Seltsamerweise hängt er plötzlich mit dem dominanten Rüpel Marcel ab.
Auf der Klassenfahrt stellt Johanna schließlich fest, dass Timo auf dem nackten Boden des Zimmers schläft, welches er mit Marcel teilt. Weinend erzählt Timo, dass Marcel dies so “befohlen” habe…
Nun stellt sich die Frage, ob es für einen Menschen schlimmer ist, von niemandem beachtet zu werden, oder die übergriffigen “Regeln” einer Person zu befolgen, sich demütigen zu lassen, aber zu wissen, dass wenigstens einer da ist, der an einen denkt.

Es sind Episoden wie diese, die diesen Roman leuchten lassen. Es geht hier nicht darum, dass viel passiert, es geht um Zwischenmenschlichkeit und darum, zu spüren, was in einem Moment richtig ist und was nicht.
Einzig eine Sache hätte ich mir gewünscht und das wäre, zu erfahren, weshalb sich der so fröhliche gebende Boris das Leben nehmen möchte. Dies bleibt leider im Unklaren und ich hätte es sehr schön gefunden in seine Psyche einzutauchen und mehr über ihn zu erfahren.
Aber Boris steht ja auch nicht im Vordergrund. Wir erleben alles aus Johannas Perspektive und diese weiß eben auch nicht mehr – eigentlich ist Schomburg da nur konsequent. Interessiert hätte es mich dennoch.

“Das Licht und die Geräusche” ist ein sehr schönes, atmosphärisches Buch über das Erwachsenwerden, das nachdenklich stimmt und zeigt, dass nicht immer das, was wir uns sehnlichst wünschen auch wirklich das Richtige für uns sein muß.

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ISBN: 978-3-423-28108-9
Verlag: dtv
Erscheinungsjahr: 2017
Preis: 20,00 €


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5 thoughts on “Jan Schomburg: “Das Licht und die Geräusche” 
Gérard Otremba

Lese ich soeben, demnächst mehr bei Sounds & Books…

    Friederike

    …dann bin ich mal gespannt.

    Viele Grüße,
    Friederike

schonhalbelf

Oh, das klingt wirklich gut!

Friederike

Ich fand es sehr schön erzählt.

Viele Grüße,
Friederike

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