Bertie Fraser & David Edmonds: “Undercover Robot – Mein erstes Jahr als Mensch”

Bertie Fraser & David Edmonds: “Undercover Robot – Mein erstes Jahr als Mensch”

Ich habe so viel gelacht. Ein intelligentes und witziges Buch mit einer Hauptfigur, die man einfach lieben muss.
Super!

Dottys ist elf Jahre alt, hat blonde Haare und sollte ursprünglich einmal “Roberta” heißen.
Geht’s noch?!
Da entwickelt ein Team von hochintelligenten Spezialisten einen Roboter und dann fällt ihnen nichts besseres ein, als diesen ROBERTA zu nennen?!

Schließlich kann Dotty sich bei der Namensgebung durchsetzen und eigentlich sollte dieser Moment in die Geschichte eingehen. Denn es ist das erste Mal, dass sich menschliche Wissenschaftler von einer künstlichen Intelligenz überzeugen lassen.

Als die Spezialisten dann doch noch zu bedenken geben, dass der Name “Dotty” so gar nicht nach einem Roboter klingt, kann Dotty wirklich nur die Augen verdrehen.
Darum geht es doch!
Keiner ihrer zukünftigen Mitschüler und Lehrer soll wissen, dass sie ein Roboter ist. Wenn es ihr gelingt, ein Jahr lang unentdeckt zu bleiben, werden Dotty und die Wissenschaftler den Wettbewerb für die beste künstliche Intelligenz (und damit viel Geld) gewinnen.
Das wäre super!

Etwas weniger super ist allerdings die Tatsache, dass Dottys Sprach – und Verhaltensprogramm von Programmierern erschaffen worden ist, die den Tag damit verbringen, auf Bildschirme zu starren. Und für die ein “schöner Abend” darin besteht, sich online mit jemandem zu verabreden und diese Person dann in einem Ballerspiel zu schlagen.

Da die gleichen Programmierer auch die Tests durchführten, hat sie alles mit “sehr gut” bestanden.
Doch bereits an Dottys erstem Schultag stellt sich heraus, dass es einen Unterschied zwischen Laborbedingungen und der Realität (bzw. erwachsenen Programmierern und Jugendlichen) gibt.

Ihr seht schon, das wird nicht einfach….

Dotty ist so eine tolle, liebenswerte und hilfsbereite Person. Dass Menschen nicht alles wörtlich meinen, was sie sagen, muss sie allerdings noch lernen:

Mrs Katnip: “Dotty, ich muss mal ein Wörtchen mit dir reden.”
Dotty: “Aal”
Mrs Katnip: “Wie bitte?”
Dotty: “Aal. Das ist das erste Wort im Wörterbuch unter “A” und kurz ist es auch. Also dachte ich, wenn Sie ein Wörtchen mit mir reden wollen, wäre es vielleicht das richtige.”

Auch mit der Ironie hat sie so ihre Schwierigkeiten.
Außerdem muss sie feststellen, dass es zwar viele Regeln für Menschen gibt, aber diese unterschiedlich (mal streng, mal eher lasch, mal gar nicht) angewendet werden. Für einen Androiden ist das wirklich schwierig.

Im Labor ist ihr beigebracht worden, dass jede Gesellschaft, Schule und Familie ihre eigenen Sitten und Gewohnheiten (z.B. beim Essen oder bei der Begrüßung) hat.
Das nennt man Benehmen und das beste ist, sich der jeweiligen Situation anzupassen.

Um das menschliches Verhalten aus nächster Nähe beobachten zu können und daraus zu lernen, nimmt einer der Wissenschaftler Dotty mit zu sich nach Hause. Dass sie ein Robotermädchen ist, verschweigt er natürlich.
Als alle beim Abendessen am Tisch sitzen, beginnt die sechsjährige Tochter des Wissenschaftlers ungeduldig mit Messer und Gabel auf den Tisch zu schlagen.
Also macht Dotty dies aus Höflichkeit nach.
Das war wohl falsch…

Wie soll man den da durchblicken?!

Besonders toll an diesem Buch finde ich aber nicht nur die witzigen Dialoge und Situationen, sondern auch, dass die Autoren dazu anregen, sich mit alltäglichen Gegebenheiten zu befassen und diese zu hinterfragen.
Zum Beispiel, weshalb man nicht sich nicht einfach mehr Geld drucken kann, wenn man es braucht. Oder weshalb Werke von manchen Künstlern viel mehr wert sind, als die Bilder anderer Künstler – obwohl sie doch die gleichen Materialien (Farbe und Leinwand) benutzt haben.

David Edmonds ist Journalist, Autor und Philosoph (wie Dottys “Papa” Professor Katnip) und bereits vielfach ausgezeichnet worden.
Die Tatsache, dass er und Bertie Frasier sich selbst (und das Philosophen-Dasein) nicht so ernst nehmen, kommt “Undercover Robot” zugute: “In seiner Jugend verbrachte [Professor Katnip] zwei Jahre damit, über den Unterschied zwischen einem Becher und einer Tasse nachzudenken. Anschließend beschäftigte er sich noch drei Jahre mit der Frage, ob Becher und Tasse wirklich existieren.”

Deshalb bin ich mir sicher, dass nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene viel Spaß mit Dotty und Professor Katnip haben werden.
Ich habe mich jedenfalls prächtig amüsiert!

» zur Leseprobe*

Ab 10 – 99 Jahre.


ISBN: 978-3-8458-3965-3
Verlag: ars edition
Erscheinungsjahr: 2021
Übersetzung: Henriette Zeltner-Shane
Seiten: 256
Preis: 15,00 €


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