Das neue Literarische Quartett

Das neue Literarische Quartett

Morgen Abend um 23 Uhr ist es soweit – die zu besprechenden Bücher sind bekannt, die Besetzung auch. Die Frage ist: Was erwartet uns da?

Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich froh bin, dass noch ein Versuch gestartet wird, über Literatur im Fernsehen zu sprechen und zu diskutieren. Vor allem, nachdem der letzte Versuch, “Die Vorleser” mit Amelie Fried und Ijoma Mangold im Jahre 2010, nicht gerade von Erfolg gekrönt gewesen ist.
Dass der Sender diesem Format keine Premium Zeit wie 20:15 einräumt ist ja klar, dafür ist die Zielgruppe einfach nicht groß genug. 22 Uhr hätte ich toll gefunden, doch nun hat man sich auf 23:00 festgelegt, was zwar spät ist, aber man darf ja nicht vergessen, am Tag darauf haben wir Feiertag, also könnten wir uns ja alle eine Dosis Nachtliteratur vor dem Zubettgehen gönnen, denn am nächsten Tag können wir ja ausschlafen.


Das Quartett besteht aus drei ständigen Mitgliedern: Volker Weidermann ist Literaturkritiker, arbeitete bei der FAZ als Literaturredakteur und leitete das Feuilleton. Seit dem 1. Mai 2015 arbeitet er beim Spiegel.
Ich habe Herrn Weidermann noch nie als Person im Fernsehen erlebt, sondern kenne ihn nur als Autoren von Büchern wie:“Lichtjahre: Eine kurze Geschichte der deutschen Literatur von 1945 bis heute“ und „Ostende. 1936, Sommer der Freundschaft“. Ich bin sehr gespannt darauf, wie er sich präsentieren wird, doch habe ich aufgrund seines Hintergrundes keinerlei Bedenken.

Auch Maxim Biller kenne ich bisher nur in seiner Rolle als Schriftsteller und Kolumnist. Ich weiß, ich habe vor x Jahren mal etwas von ihm gelesen, doch kann ich mich trotz tiefen Grabens nicht mehr erinnern, was es war. Ich weiß nur noch, dass es mir gefallen hat.
Was einem natürlich bei seiner Person gleich einfällt ist der “Esra” – Streit, in welchem es darum ging, dass sich eine ehemalige Partnerin Billers, sowie deren Mutter, in seinem Roman “Esra” wiedererkannt haben. Die beiden Damen erwirkten eine einstweilige Verfügung gegen den Roman und bis heute darf dieses Buch nicht verbreitet werden.

Christine Westermann sah ich zum ersten Mal in ihrer Sendung “Zimmer frei!” die mir großen Spaß machte und für die sie zusammen mit Götz Alsmann den Grimme-Preis erhielt. Seit einigen Jahren setzt sich Frau Westermann sehr für Bücher ein. Sie scheint viel zu lesen, doch ich sehe sie eher als Liebhaberin von Büchern, denn als Kritikerin. Aber das ist ja auch gar nicht schlimm.
Allerdings war es so, dass es eine Zeit gab, in der in der auf gefühlt jedem zweiten Buch ein Zitat von Christine Westermann abgedruckt war. Irgendwann wurde mir das zu viel und meine Begeisterung flachte ab. Allerdings freue ich mich sehr, dass Frau Westermann sich für das Lesen engagiert.
Ich erinnere mich aber daran, dass es vielen Menschen damals mit Frau Heidenreich genauso ging, wobei ich sagen muß, dass ich ihre Kritiken immer sehr geschätzt habe und mich sehr gerne an die Zeit von “Lesen!” zurück erinnere.

Man stelle sich vor, damals hatten wir in der Buchhandlung ein extra-Regal für die Titel, die sie besprochen hatte. Ebenso wie beim Literarischen Quartett.
Aber ich glaube diese Zeit ist leider vorbei, was vielleicht auch daran liegen mag, dass echte Charakterköpfe wie Marcel Reich-Ranicki und Hellmuth Karasek in der Szene der Literaturkritiker heute fehlen. Aber vielleicht irre ich mich ja und das neue Literarische Quartett entpuppt sich als absoluter Hit. Schön wäre es ja.

Was ich gut finde, ist, dass die Bücher, die besprochen werden, vor der Sendung bekannt sind (wie eben früher auch) sodass sich jeder, der das möchte, auf den Abend vorbereiten und somit mitreden kann. Die Titel der ersten Sendung sind:

Karl Ove Knausgard: “Träumen”

Traeumen von Karl Ove KnausgardDies ist der fünfte Band eines auf sechs Bände angelegten autobiografischen Romanprojekts. Die ersten beiden Bände: “Sterben” und “Lieben” habe ich auch schon hier liegen – mir hat zum Lesen bisher immer die Zeit gefehlt, aber ich nehme es mir fest vor, zumal so viele von diesem Werk so begeistert sind.
In “Träumen” geht es um die Jahre, in denen er verzweifelt und unermüdlich versuchte Schriftsteller zu werden – die Jahre in welchem seine erste Ehe scheiterte. Anfangs hatte alles so gut ausgesehen, er hatte einen Studienplatz, eine Freundin, doch irgendwie scheint alles nicht so zu klappen…» zur Leseprobe

Ilja Trojanow: “Macht und Widerstand”

TrojanowMit diesem Buch war Trojanow auf der diesjährigen Longlist des Deutschen Buchpreises vertreten.
In “”Macht und Widerstand” geht es um den Widerstandskämpfer Konstantin, der schon in der Schulzeit der bulgarischen Staatssicherheit aufgefallen ist und ihr einfach nicht mehr entkommen kann. Metodi ist Offizier und ein Repräsentant dieses Apparats.
Ein halbes Jahrhundert lang werden die beiden im Kampf und Leben und Gedächtnis miteinander verstrickt sein.Ich habe das Buch zwar auf meinem E-Reader, doch irgendwie fehlt mir momentan die Lust darauf. Vielleicht kann das “Literarische Quartett” diese ja entfachen.
Ich könnte mir irgendwie vorstellen, dass der Impuls dieses Buch zu besprechen vom Gast dieser Sendung (Juli Zeh, die mit Herrn Trojanow bereits das Buch “Angriff auf die Freiheit” veröffentlicht hat) gekommen ist. Aber das ist reine Spekulation.» zur Leseprobe

Péter Gárdos: „Fieber am Morgen“

FieberAuf diesen Titel bin ich bereits in der Vorschau des Verlages aufmerksam geworden – keine Kunst, denn er wurde ohne Cover präsentiert und als absoluter Spitzentitel angekündigt, der in 29 Ländern gleichzeitig erscheint.
Im Juli 1945 wird der junge Ungar Miklós, nach Schweden gebracht. Er hat das KZ Bergen-Belsen überlebt, besteht nur noch aus Haut und Knochen. Sein Arzt gibt ihm noch sechs Monate. Doch Miklos hat einen Plan: Er bringt in Erfahrung, dass insgesamt 117 Frauen aus seiner Heimatstadt das KZ überlebt haben und schreibt jeder einzelnen einen Brief – denn er hat sich fest vorgenommen sich zu verlieben und zu heiraten.
Diese Geschichte ist nicht erfunden, sondern wahr. Es ist die Geschichte der Eltern des Autors.
Ich habe schon ein paar Seiten dieses Titels gelesen und festgestellt, dass mir dieses Buch irgendwie zu anrührend ist. Da bin ich immer ganz empfindlich. Ja, es ist eine wahre Geschichte und sie wird auch bald in die Kinos kommen, aber meins ist es nicht. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass es etwas für Frau Westermann sein könnte. Ich bin sehr gespannt auf morgen Abend, vielleicht liege ich ja auch völlig falsch.» zur Leseprobe

Chigozie Obioma: “Der dunkle Fluß”

Dunkle_FlussBenjamin und seine Brüder leben in der Nähe eines gefährlichen Flusses und es ist verboten, sich diesem Gewässer zu nähern. Doch die Brüder übertreten das Verbot, als der Vater die Familie verlassen muß.Die Fische, die sie dort fangen, sind Vorboten einer Tragödie.

Dieses Buch ist in diesem Jahr für den Booker Prize nominiert und hat es auch schon auf die Shortlist geschafft.
Von allen Büchern die im Literarischen Quartett besprochen werden interessiert mit dieses am meisten, daher bin ich gespannt wie die vier Kritiker dieses Buch einschätzen werden.

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So. Jetzt heißt es abwarten – morgen Abend wissen wir mehr und vielleicht habe ich ja nach der Sendung vier neue Titel auf meiner Liste der Bücher, die ich unbedingt lesen muß.


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