Der Literatur-Spiegel im Februar 2018 – Meine Highlights

Der Literatur-Spiegel im Februar 2018 – Meine Highlights

Neben einem interessanten Text über den neuen Roman von Haruki Murakami, wartet der aktuelle Literatur-Spiegel mit einigen Lesetipps auf, die vollkommen an mir vorbeigegangen wären, wenn ich diese Ausgabe nicht gelesen hätte. Prima – über literarischen Input freue ich mich immer.

Das sind meine Highlights:

Flannery O’Connor: “Keiner Menschenseele kann man noch trauen”

Die Werke der amerikanische Schriftstellerin Flannery O´Connor, die neben Carson McCullers als eine der wichtigsten Schriftstellerinnen in der Literaturgeschichte der Südstaaten gilt, sind in deutscher Übersetzung längere Zeit nicht lieferbar gewesen.
Das ändert sich am 9. Februar, denn dann erscheinen zehn ihrer Geschichten in einer Neuübersetzung.

In diesen Erzählungen schreibt sie sehr ironisch und mit bitterbösem Humor über scheinbar rückständige Menschen im Süden des Landes – über ihre Ängste, Hoffnungen und über ihr Unverständnis für das Fremde.
Engstirnigkeit, Rassismus, Armut und Fundamentalismus gehören zum Themenkreis der strenggläubigen, katholischen Schriftstellerin.
Dass sich selbst Kritiker, die ihre religiösen Ansichten nicht teilten, ausschließlich anerkennend zu ihrem Werk äußerten ist bemerkenswert. Truman Capote zum Beispiel bezeichnete die Schriftstellerin als Genie, so die Spiegel-Redakteurin Claudia Voigt.

Flannery O’Connor äußerte einmal, dass ihr das Spannendste im Leben mit fünf Jahren widerfahren sei.
Sie brachte einem Huhn das Rückwärtslaufen bei, woraufhin ihre dressierten Hühner bei einem Film mitwirken durften und im ganzen Land bekannt wurden.
Nach diesem Ereignis sei es nur bergab gegangen, so die Autorin. Bei ihr wurde die Krankheit Lupus erythematodes festgestellt, woraufhin sie sich auf eine Farm zurückzog und Enten, Hühner, sowie exotische Vögel züchtete.
Sie starb mit 39 Jahren.

In den letzten Jahren wurde so manche literarische Wiederentdeckung gemacht. Wir erinnern uns zum Beispiel an John Williams und seinen 1965 veröffentlichen Roman “Stoner”, der es 2013 auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte.
Auch die Werke von Dorothy Baker (“Zwei Schwestern”) und Samuel Selvon (”Die Taugenichtse”) erlebten ein Revival.
Oder zum Beispiel Lucia Berlin, deren Kurzgeschichten unter dem Titel “Was ich sonst noch verpasst habe” 2016 neu übersetzt und von Thea Dorn im Literarischen Quartett vorgestellt wurden. Auch diesem Erzählband gelang der Sprung auf die Bestsellerliste.

Mit “Keiner Menschenseele kann man noch trauen” dürfen wir jetzt eine weitere Schriftstellerin wiederentdecken und da ich allem, was als ironisch und bitterböse angekündigt wird, nicht widerstehen kann, bin ich sehr gespannt auf diesen Band.

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Wioletta Greg: “Unreife Früchte”

Die in England lebende polnische Autorin und Lyrikerin Wioletta Grzegorzewska schreibt in ihrem autobiographischen Roman von einer Jugend im Polen der 70er und 80er Jahre.
Der Schauplatz ist Hektary, ein kleines schlesisches Dorf, das von den großen politischen Ereignissen nur marginal tangiert wird.

Wiolka lebt in einer Großfamilie, in der eher ländliche Bräuche praktiziert werden. Sie ist sehr neugierig, redegewandt und schlagfertig, was des Öfteren zu Auseinandersetzungen mit ihrer Mutter führt. Der Vater der Familie stirbt sehr früh.

Der Spiegel-Autor Jurek Skrobala schreibt, dass es hier nicht nur um das Erwachsenwerden eines Mädchens gehe, sondern auch darum, dass die Erwachsenen um sie herum Geheimnisse haben, die Wiolka nicht begreifen kann, weil sie zu jung ist.
Als Beispiel nennt er eine Szene, in welcher Wiolka an einem Zeichenwettbewerb teilnimmt. Sie hat die Moskauer Skyline eingereicht, die unglücklicherweise “katastrophisch” verwischt, also verunstaltet worden ist. Schließlich kommt ein Parteimitglied ins Dorf, um Wiolka darüber zu befragen, wer denn auf diese “interessante Idee” gekommen sei. Ihre Eltern vielleicht? Oder ihre Lehrerin…?

“Unreife Früchte” stand auf der Longlist des Man Booker International Prize 2017. Ausgezeichnet wurde schließlich David Grossmann für “Kommt ein Pferd in die Bar“, aber alleine schon die Nominierung ist ein sehr gutes Zeichen und lässt mich hellhörig werden.
(2016 gewann übrigens die Koreanerin Han Kang mit “Die Vegetarierin”, ein Roman der zu meinen Lieblingsbüchern des Jahres 2016 zählt und der mich sehr begeistert hat.)

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Garth Greenwell: “Was zu dir gehört”

Im Debütroman des amerikanischen Schriftstellers Garth Greenwell geht es um einen Amerikaner, der von seinem Unternehmen vorübergehend in die bulgarische Zweigstelle in Sofia geschickt worden ist.
Auf der Toilette des Kulturpalastes trifft er einen jungen Mann namens Mitko, von dem er sich sehr angezogen fühlt und welchen er für Sex bezahlt.
Doch es bleibt nicht bei einer Begegnung. Die beiden Männer treffen sich immer wieder, doch die Stimmung kippt bald. Aus Zärtlichkeit wird Gewalt. Rührt diese vielleicht auch daher, dass er als Expat Privilegien genießt, die Mitko nie haben wird, oder geht es hier um etwas ganz anderes?

Garth Greenwell hat selbst einige Zeit in Sofia gelebt. Er unterrichtete Englisch am American College, was die Wahl des Romanschauplatzes erklären dürfte.
Seine Novelle “Mitko” gewann den “Miami University Press Novella Prize” und Publishers Weekly bezeichnete sein Debüt als „First great novel of 2016“.

Die Autorin Hanya Yanagihara, deren Roman “Ein wenig Leben” einer der Bestseller des vergangen Jahres gewesen ist, zeigte sich sehr beeindruckt von Garth Greenwells Werk, in dem es, so der Spiegel-Autor Xaver von Cranach um Erotik gehe und das ein Thriller sei.
“Was zu dir gehört” jedoch als “Erotikthriller” zu bezeichnen, würde allerdings “falsche Assoziationen” wecken. Jedoch handele es sich in dem Sinn um einen Thriller, als dass latent etwas in der Luft liege.

Das klingt gut!

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Margriet de Moor: “Von Vögeln und Menschen”

Es geschieht auf dem Steg einer Baugrube am Hauptbahnhof in Amsterdam. Zwei Frauen treffen aufeinander und die eine beginnt auf die älter aussehende einzuschlagen, bis diese keinen Halt mehr findet und in die Baugrube stürzt. Sie ist sofort tot.

Wie es kommt, dass diese Frau so wütend ist, davon erzählt die niederländische Schriftstellerin Margriet de Moor kunstvoll aus verschiedenen Perspektiven. Dabei geht ihr nicht darum, die Morde aufzuklären, so die Spiegel-Autorin Natalja Fischer, sondern darum die Lebensgeschichten der Protagonisten aufzufächern.

Ein Werk von Margriet de Moor in der Rubrik “Krimi” anzutreffen, hat mich sehr überrascht – und extrem neugierig gemacht. Das muss gelesen werden!
Leider muss ich mich mit der Lektüre noch etwas gedulden, denn dieses Buch erscheint erst am 19.2.2018.

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Jesper Stein: “Aisha”

Die Kriminalromane des Jornalisten und Kriminalreporters Jesper Stein sind in seiner Heimat bereits vielfach ausgezeichnet worden. Der erste Band (“Unruhe”) seiner Reihe um den dänischen Ermittler Axel Steen wurde bereits 2013 übersetzt und anlässlich des 4. Falles mit dem Titel “Aisha”, sind nun alle Bände in neuer Optik erschienen.

In “Aisha” wird ein ehemaliger Kollege Steens tot aufgefunden. Ein paar Tage später folgt das zweite Opfer. Ebenfalls einen Mann, der beim dänischen Geheimdienst gearbeitet hat.
Steen beginnt zu ermitteln und findet eine Gemeinsamkeit zwischen den beiden Fällen: Beide Männer waren an einem Anti-Terror-Einsatz beteiligt, der strenger Geheimhaltung unterlag. Doch es gibt noch eine weitere Überraschung: Steens Freundin war an diesem Einsatz ebenfalls beteiligt und musste wohl Stillschweigen bewahren.
Die Frage ist natürlich, was damals passiert ist und weshalb der Name “Aisha” in fast allen Dokumenten über diesen Einsatz auftaucht.

In den letzten Jahren konnten mich nur sehr wenige Kriminalromane (wie zum Beispiel “Lebt” von Orkun Ertener) wirklich fesseln. Der letzte Krimi von Hakan Nesser, “Der Fall Kallmann”, hat mich enttäuscht und seitdem habe ich mich an keinen Kriminalroman mehr herangewagt.
Worauf ich sehr gespannt bin, ist der neue Thriller von Frank Schätzing, “Die Tyrannei des Schmetterlings”, der im April erscheinen wird.
Bis dahin lese ich vielleicht einmal in “Aisha” hinein, denn der Spiegel-Autor Wolfgang Höbel bezeichnet diesen Krimi als “herausragend”.

Danke für den Tipp.

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