Emma Flint: “Für mein Leben seh ich kunterbunt (wenn ich nur erst den Durchblick hab)”

Emma Flint: “Für mein Leben seh ich kunterbunt (wenn ich nur erst den Durchblick hab)”

Ella hat von ihrem Bruder mit den Worten ”Hier Hamsterbacke, da hast du ein neues Buch der schlechten Ideen” ein Tagebuch zum Geburtstag geschenkt bekommen.
Da dieser auf den 31.Dezember fällt, weiß sie auch sofort, was sie auf die erste Seite schreiben wird: Ihre guten Vorsätze für das nächste Jahr.
Das Beste dabei ist, dass sie gar keine neuen guten Vorsätze braucht – sie hat noch welche vom letzten Jahr übrig 😉 .

In den kommenden Wochen wird Ella nicht einen einzigen Moment lang überlegen müssen, womit sie ihre Tagebuchseiten füllen wird. Denn die Klassenfahrt nach Berlin steht an – und eine Katastrophe jagt die nächste. Ella muss zugeben, dass ihr Bruder ja schon irgendwie Recht hatte…so von wegen “Buch der schlechten Ideen”…

Dieses Buch hat mir einfach einfach unglaublich viel Spaß gemacht!
Ein großes Thema ist das erste Verliebtsein – bzw. was man tut, wenn die beste Freundin zum ersten Mal verliebt ist und sich echt seltsam benimmt.

Ellas beste Freundin ist Fee und bisher hat sie sich ganz normal benommen. Wie jede andere 13jährige auch.
Doch als sie jetzt in den Reisebus steigt, der die Klasse nach Berlin bringen wird, stellt Ella fest, dass sie irgendwie anders aussieht. Dann fällt ihr auf warum: Fee hat sich schick gemacht!

Gut, Jule und Shirin haben sich auch schicker angezogen, als sonst.
Sie fahren ja schließlich nicht irgendwohin, sondern nach BERLIN!! “Das ist so aufregend. So hip! Die Welthauptstadt der Mode und Trends!”
Aber Jule und Shirin sind eben Jule und Shirin – und Fee ist Fee.
Bisher hat sie sich nicht für Mode interessiert! Außerdem schaut sie die ganze Zeit auf ihr Handy und kichert. Und trägt Lipgloss auf!! Das ist wirklich seltsam.

Eine Pinkelpause später weiß Ella, was da los ist: Fee ist verliebt. Und das obwohl die beiden Freundinnen sich doch geschworen hatten, mit diesem Verliebtsein nichts zu tun haben zu wollen. Weil das alles so kompliziert macht. “Denn wenn man auf einmal Interesse an Jungs hat, wird es plötzlich enorm wichtig, dass sie auch Interesse an einem selbst haben. Und da sich bisher keiner für uns interessiert hat, ist es doch viel sicherer, ebenfalls kein Interesse an ihnen zu haben, weil uns dann nicht interessiert, ob sie sich für uns interessieren.”

Jetzt ist es also doch passiert. Fees Schwarm heißt Paul, geht in die gleiche Klasse und hängt mit den coolen Jungs ab, die die letzte Busreihe für sich beanspruchen.
Viel mehr fällt Ella nicht zu ihm ein.
Im Gegensatz zu Fee: Die schwärmt von seinen tollen Haaren, davon, wie “cool er geht” (???????) und isst jetzt immer Käse-Laugenstangen, weil Paul eben auch welche isst. Wie anstrengend!!
Aber da kann man anscheinend nichts machen.

Laut Jule wird Fee jedenfalls die Erste der Clique sein, die richtig cool ist. Denn sie wird Erste von ihnen einen Exfreund haben. Da sie ganz viele Fragezeichen in den Gesichtern der anderen sieht, klärt Jule diese erstmal darüber auf, dass Exfreunde sowieso viel praktischer sind. Das weiß sie von ihrer großen Schwester.
Exfreunde nerven einen nicht und man muss sich keine Gedanken darüber machen, ob man Mohnkörner zwischen den Zähnen hat.
Aber um einen Exfreund zu bekommen, muss man erstmal einen Freund haben…

Weil Ella ihre beste Freundin sehr, sehr, mag, beschließt sie, ihr zu helfen…und darüber hinwegzuhören, dass Fee gerade erzählt hat wie cool Paul gerade eine Papiertüte zusammenknüllt.

Wie Emma Flint Fees Verknalltsein beschreibt, ist unheimlich lustig – und nicht unrealistisch.
Wie zum Beispiel das Schwärmen aus der Distanz, die Überlegungen, wie man mit ihm ein Gespräch beginnen könnte – und das Gedankenkarussell, das einsetzt, wenn der Betreffende zeitgleich mit einem anderen Mädchen zu spät in den Unterricht kommt…

Die Tatsache, dass dieses Buch in viele kurze Tagebucheinträge unterteilt ist, macht die Geschichte sehr rasant.
Ich dachte beim Lesen immer: Ach komm, ich lese nur noch einen Eintrag – um dann noch einen und “nur” noch einen zu lesen.
Ella schreibt sehr humorvoll und tritt in ein Fettnäpfchen nach dem anderen, obwohl sie nur Gutes im Sinn hat.

Das Einzige, was meiner Meinung nach nicht unbedingt nötig gewesen wäre, ist die
Sache mit der Zeitreise. Hätte ich vorher den Klappentext gelesen, hätte ich “Für mein Leben seh ich kunterbunt” gar nicht erst angefangen.
Ich weiß, es ist hip und aus den heutigen Kinder- bzw. Jugendbüchern nicht mehr wegzudenken, aber irgendwie kann ich die Zeitreise-Thematik nicht mehr sehen.
In jedem gefühlt dritten Buch das ich aufschlage, reist die Hauptfigur in eine andere Welt, Zeit, oder was weiß ich.

Deshalb habe ich während des Lesens innerlich die Augen verdreht, als Ella in der Zeit zurückspringt und die Klassenfahrt noch einmal erlebt.
Allerdings fand ich die Tagebucheinträge bis dahin so peppig, dass ich dachte, ja, gut, lese ich halt trotzdem weiter. Aufhören kann ich immer noch.
Das habe ich aber nicht. Dazu hatte ich viel zu viel Spaß mit Ella, Fee, Jule und Shirin.

Dieser Sprung zurück ist ja auch nur ein Element unter vielen .Vor allem geht es um Freundschaft und darum, wie wichtig es ist, füreinander da zu sein und, dass es vielleicht Gründe dafür gibt, wenn sich jemand anderen gegenüber verschließt, oder anders verhält, als man es erwartet hatte.

Und natürlich geht es darum, wie es ist, zum ersten Mal Schmetterlinge im Bauch zu haben.
Ich spreche hier übrigens nicht von Fee, sondern von Ella….

» zur Leseprobe*

Ab 10 Jahren.


ISBN: 978-3-401-60584-5
Verlag: Arena
Erscheinungsjahr: 2021
Illustration: Eva Schöffmann-Davidov
Seiten: 336
Preis: 13,00


Das könnte Dir auch gefallen:

*Affiliate Link

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Archive