Pete Johnson: “Wie man seine Eltern erzieht”

Pete Johnson: “Wie man seine Eltern erzieht”

Das hat Luis gerade noch gefehlt. Nach 12 Jahren (also seinem gesamten bisherigen Leben) muss er mit seiner Familie umziehen und die Schule wechseln.
Aber da er ein sehr umgänglicher Typ mit viel Humor ist, hat er generell keine Probleme damit, sich schnell zu integrieren.

Doch für seine seine neuen Klassenkameraden scheinen Humor und Spaß ein Fremdwort zu sein. Theo zum Beispiel hat keine Miene verzogen, als Luis auf seine Frage, ob er Australier sei “Nur vormittags.” antwortete.
Na super. Eine Spaßbremse.
Eine Dauerlern-Spaßbremse, die (wie alle anderen in der Klasse) von der Schule abgeholt und dann gleich zu irgendwelchen Nachmittagslernkursen kutschiert wird.
Spinnen die?! Vormittags Schule und dann noch am Nachmittag weiterlernen? Wo bleibt da das Leben, die Freizeit, der Spaß…..?!

Im Gegensatz zu Luis haben alle anderen jedenfalls supergute Noten, aber zum Glück ist das Luis´Eltern nicht so wichtig. Eine drei in Mathe ist vollkommen ok.
Für Theo ist eine “Eins Minus” ja schon eine totale Katastrophe….
Ist das hier Streber-City?
Anscheinend ja…

Schnell stellt Luis fest, dass nicht nur seine Mitschüler seltsam sind, sondern auch die neuen Nachbarn.
Als er nämlich draußen Fußball spielt, beschwert sich die Nachbarin über der Lärm. Ihre Tochter Olympia könne bei dieser Geräuschkulisse nicht lernen!
Olympia ist 5 Jahre alt…

Seine eigenen Eltern scheint jedenfalls dieser Einfluss nicht gut zu tun. Denn heute hat Luis´Mutter ihn ernsthaft gefragt, ob er nicht Lust auf einen Französischkurs am Nachmittag habe.
Geht´s noch?! Französisch?!?!? Am Nachmittag?!?
“Du weißt doch, dass ich eine totale Niete in Französisch bin. Selbst Kakerlaken haben einen besseren französischen Akzent, als ich…”

Schließlich lässt Luis sich dann zu einem Theaterkurs breitschlagen und als er dort improvisieren soll, kann er zeigen, was wirklich in ihm steckt. Sein Traumberuf ist nämlich ein Comedy-Star zu werden. Und das muss man ihm lassen, er hat es wirklich drauf. Die anderen biegen sich vor lachen.
Als er schließlich von einem Vorsprechen für eine Talentshow hört, beschließt er daran teilzunehmen.
Seine Eltern sind nur mäßig begeistert…

Wenn ich in der Buchhandlung im Beratungsgespräch die Frage stelle, was denn das Kind (bzw. der Teenie) gerne liest, bekomme ich des Öfteren die Antwort: “Eigentlich gar nichts so wirklich.”.
Dann kann man zum Comic-Roman greifen, wie zum Beispiel „Gregs Tagebuch“*, oder “Julius Zebra”. Viel Bild ist immer gut.
Doch wenn es eben ein “richtiges Buch” (O-Ton) mit mehr Text sein soll (zum Beispiel für eine Buchvorstellung) ziehe ich den “Pete-Johnson-Joker”.

Bevor ich “Wie man seine Eltern erzieht” gelesen habe, dachte ich ja, dass die Bücher des britischen Autors eher klamaukig sind.
Doch jetzt weiß ich es besser: Pete Johnson schreibt wirklich witzig – aber eben auch tiefgründig.

In diesem Buch geht unter anderem darum, dass es wichtig ist, eine Situation aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten – und Verständnis für eine andere Sichtweise aufzubringen.
Ein zweites Thema, das gestreift wird, ist, dass nicht jeder perfekt in allem sein muss.
Menschen haben verschiedene Talente. Der eine kann das gut und der andere etwas anderes. Und das ist völlig ok.

Pete Johnson selbst ist übrigens Lehrer – und kennt seine eigene Zielgruppe somit bestens.
Als er vor vielen Jahren auf der Suche nach geeignetem Lesestoff für seine Klasse war wurde er nicht fündig. Nichts spiegelte den Alltag der Schüler so wirklich wider.
Daher beschloss er, selbst Bücher zu schreiben.
Mit Erfolg! Denn inzwischen ist Pete Johnson einer der beliebtesten Kinder- und Jugendbuchautoren Großbritanniens – was ich gut nachvollziehen kann.

“Wie man seine Eltern erzieht” zu lesen, hat mir sehr viel Spaß gemacht. Der Text ist im Tagebuchstil verfasst und kann daher in kurzen Portionen konsumiert werden.
Man kann das Buch aber auch in einem Rutsch lesen :).
Ich jedenfalls konnte es nicht mehr zur Seite legen und bin froh, dass es noch einige
weitere Bände* der Reihe gibt.

Ab 10 Jahre.

» zur Leseprobe*


ISBN: 978-3-8458-3943-1
Verlag: ars edition
Erscheinungsjahr: 2021
Illustration: Thorsten Saleina
Übersetzung: Maja Vogel
Seiten: 176
Preis: 12,00 €


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