Lissa Evans: „Fitz Fups“ muss weg

Lissa Evans: „Fitz Fups“ muss weg

“Fitz Fups” ist definitiv eines meiner Highlights des Jahres 2019.
Ich habe während der Lektüre sogar in der Straßenbahn laut lachen müssen.
Super!
Phines vierjährige Schwester Minnie liebt es, vorgelesen zu bekommen. Das wäre ja auch ok, wenn es sich nicht immer um das gleiche Buch handeln würde: Die Geschichten aus dem “Wimbli-Land”, die Phine mittlerweile zum Hals heraushängen.
Darin geht es um Figuren, sie aussehen wie kleine Mülltonnen mit großen runden Augen, Armen und Beinen, die es in unterschiedlichen Farben gibt und die stets in Reimen sprechen.

Seit neuestem will Minnie, dass beim Vorlesen immer ihr aktuelles Lieblingskuscheltier “Fitz Fups” dabei ist. Ein Fuchs, den Phine gar nicht leiden kann, denn er hat einen hinterlistigen und gemeinen Blick.
Dieser Fuchs ist auch einer der Gründe dafür, dass Minnie, ohne nach rechts und links zu schauen auf einen Zebrastreifen läuft und angefahren wird.
Wenn Minnie nicht mit ihren ganzen Kuscheltieren (und besonders mit Fitz Fups) beschäftigt gewesen wäre, wäre sie niemals auf die Straße gelaufen, hätte einen Unfall gehabt und die Familie könnte jetzt in den Urlaub fahren!

In diesem Moment hasst Phine dieses Kuscheltier und auch das blöde Wimbli-Buch so sehr, dass sie Fitz Fups, das Buch mit den Wimbli-Geschichten, den Kuschelelefanten mit Ballerinaröckchen und Minnies Plastikhandy die Kellertreppe hinabpfeffert.
Als sie schließlich selbst hinuntergeht, um die Dinge zurückzuholen, ertönt ein lauter Donnerschlag und Phine ist plötzlich von vollkommener Dunkelheit umgeben…
Dann wird es etwas heller und nach und nach wird Phine klar, dass sie nicht mehr im Keller ist, sondern in Minnies Buch. Im “Land der Wimblis”.

Soweit, so gut. Jetzt mag man denken, dass eine Abenteuergeschichte a la Alice im Wunderland mit eben jenen kleinen reimenden Mülltonnen folgt.
Sie folgt auch, aber in einer Art und Weise, die all meine Erwartungen übertroffen hat.

Ich habe beim Lesen so oft laut lachen müssen, denn Lissa Evans Einfälle sind schlichtweg genial.
Phine trifft nämlich nicht nur auf die Wimblis, sondern zum Beispiel auf eine mannshohe Plastikkarotte, die ihrem lethargischen Cousin Graham gehört, der stark hypochondrischen Tendenzen aufweist.
Diese Karotte lässt sich über das etwas feuchte Gras aus, das gar nicht gut für ihre Räder ist und meint dass Phine und Graham (der ebenfalls im Wimbli-Land gelandet ist) später froh sein würden, wenn sie bezüglich der Feuchte des Grases auf Dr. Karotte gehört hätten.

“Du bist kein Doktor. Du warst ein Geschenk aus dem Drogeriemarkt”
“Ich wäre dir dankbar, wenn du mir nicht widersprechen würdest, junger Mann. Wenn du weiter unten schaust, wirst du meinen Titel dort deutlich geschrieben sehen. DR KAROTTE“
“Das “DR” heißt nicht Doktor, sondern ist die Abkürzung für “Drogerie Regenbogen”. Das ist der Name des Geschäfts, in dem ich dich geschenkt bekommen habe.”
Daraufhin ist Dr. Karotte beleidigt.

Ein weiteres Beispiel für Lissa Evans Humor sind natürlich die Wimblis, die (je nach Farbe) sehr verschieden sind.
Pinkfarbene Wimblis haben die Eigenschaft, alle gerne zu umarmen. Sie können an nichts anderes denken. Das ist manchmal etwas unpassend.
Als Phine, Graham, der immer zu 100% positive 1,80 große Plüschelefant im rosa Ballerinaröckchen (der nicht gerne auf seine Gewichtsprobleme angesprochen wird) und ein pinkfarbene Wimbli eingesperrt werden, überlegen alle fieberhaft, wie sie entkommen können. Da sagt der pinkfarbene Wimbli vollkommen ohne Zusammenhang:

“Ich frage mich heimlich und still,
ob hier denn niemand kuscheln w…”

NEIN HIER WILL JETZT NIEMAND KUSCHELN!!!!

Graue Wimblis hingegen können nur denken, aber nicht handeln. Deshalb sitzt eine Gruppe grauer Wimblis auch schon seit Urzeiten in einem pausenlos fahrenden Bus. Keiner von ihnen ist in der Lage den Haltewunsch-Knopf drücken. Das ist ganz schön doof.

Außerdem sind da noch die grünen Wimblis, die sehr mutig, aber leider auch sehr laut sind und daher ihre geheimen Pläne immer laut rausposaunen, so dass von “geheim” keine Rede mehr sein kann.
Das ist schlecht, denn es ist so, dass der alte König des Wimbli-Landes gestürzt worden ist und ER die Macht übernommen hat: Fips Fups.
Dagegen müssen Phine, Graham und Co natürlich etwas unternehmen.
Aber was? Und wie?

Dieses Buch ist unglaublich vielschichtig (unter anderem wird hier der Begriff “Diktatur” sehr anschaulich erklärt) und es ist sehr schwer, es zusammenzufassen.
Ich bin jedenfalls restlos begeistert und habe meinen Kollegen schon viele Stellen laut vorgelesen und gerade beim Schreiben dieses Textes wieder so lachen müssen.

Wer schrägen Humor mag, der ist hier goldrichtig. Egal, ob er 10, 30, oder 100 Jahre alt ist.
“Fips Fups” ist schlichtweg der Hit!

Super!

Ab 10 Jahren.

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ISBN: 978-3-95854-119-1
Verlag: Mixtvision
Erscheinungsjahr: 2019
Übersetzung: Elisa Martins
Seiten: 320
Preis: 15,00 €


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