Literaturnobelpreis 2015: Mögliche Kandiaten – Eine Spekulation

Literaturnobelpreis 2015: Mögliche Kandiaten – Eine Spekulation

Morgen um 13:00 ist es soweit, der wichtigste Literaturpreis des Jahres wird verliehen: Der Literaturnobelpreis. Wie in jedem Jahr wird über die möglichen Kandiaten wild spekuliert und beim britischen Wettanbieter Ladbrokes kann man sogar auf die Nobelpreiskandidaten wetten. Ich persönlich als Buchhändlerin hoffe natürlich immer, dass es jemand wird, der einige Romane veröffentlicht hat und dessen Bücher wir unter Umständen vorrätig haben.
Die Frage, wer den Literaturnobelpreis bekommen würde, wurde von meinem Kollegen Oskar bisher in jedem Jahr (in diesem Jahr konnte ich ihn noch nicht dazu befragen) mit “Philip Roth” beantwortet.

Philip Roth

Menschliche_MakelPhilip Roth, der ewige Anwärter. Seit Jahren wartet er schon auf diesen Preis, das heißt ich meine irgendwo einmal gelesen zu haben, dass er inzwischen mit diesem Preis abgeschlossen habe. Abgeschlossen hat er übrigens auch seine Karriere als Schriftsteller, zumal er 2012 bekannt gegeben hat, dass er keine weiteren Bücher veröffentlichen bzw. schreiben würde.
Die Debatte um Philip Roth wurde natürlich auch durch die Aussage des Vorsitzenden der Jury des Nobelpreiskomitees im Jahre 2008 angeheizt, als er er Vorbehalte der nordamerikanischen Literatur gegenüber äußerste und sagte, dass er sie nicht für auszeichnungswürdig halte. Dies wurde allerdings mit der Auszeichung von Alice Munro im Jahre 2013 widerlegt. Allerdings glaube ich irgendwie dennoch nicht, dass wir den Namen Philip Roth morgen um 11:00 hören werden.

Haruki Murakami

Gefaehrliche Geliebte von Haruki MurakamiWer in diesem Jahr, wie auch im Jahr davor einer der heißen Kandidaten (sowohl bei Ladbrokes, wie auch bei diversen befragten Kollegen) ist, ist der japanische Autor Haruki Murakami. Was mich anbelangt, so habe ich allerdings so meine Zweifel. Ich mag die Bücher von Murakami sehr gerne, jedoch glaube ich, dass sie für den Nobelpreis zu ich nenne es jetzt mal “vermeintlich einfach” geschrieben sind. Das ist jetzt natürlich eine ganz persönliche Einschätzung. Natürlich würde es mich freuen, wenn er den Preis bekommen würde, allerdings glaube ich aber eher nicht daran.

Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch

secondhandSeltsamerweise wird momentan die Autorin Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch, die im Jahre 2013 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden ist, als höchste Favoritin bei Ladbrokes gehandelt. Bisher hat sie einige Sachbücher veröffentlicht, allerdings keine Romane. Das ist der Grund, weshalb ich sie mir nicht als Literaturnobelpreisträgerin vorstellen kann. Allerdings war Tomas Tranströmer ja auch ein reiner Lyriker und hat den Nobelpreis bekommen. Eine Überraschung kann es immer geben – mal schauen.

Ngugi Wa Thiong’o

Unbenannt-1Wer ebenfalls hoch gehandelt wird ist der kenianische Autor Ngugi Wa Thiong’o, der zu den wichtigsten Schriftstellern Afrikas zählt. Eines seiner Hauptthemen ist der Widerstand gegen die britische Kolonialpolitik. Seine Bücher wurden von der Moi-Regierung verboten und 1977 wurde er augrund eines Theaterstückes ohne Prozess in einem Hochsicherheitsgefängnis inhaftiert. In den 80er Jahren fand er politisches Asyl in England. Ein Besuch Kenias im Jahre 2004 endete mit einem sehr seltsamen Überfall und der Vergewaltigung seiner Frau. Seitdem lebt der Autor wieder in den USA und lehrt an diversen Universitäten.
Ngugi Wa Thiong’o ist sicherlich ein vielversprechender Kandidat für den Nobelpreis. Eines seiner Bücher, das auf Deutsch erschienen ist, ist: “Der Herr der Krähen”, eine Satire auf den Prototypen des afrikanischen Despoten.

Ismail Kadare

kadareWen ich mir auch als Preisträger vorstellen könnte, ist der albanische Schriftsteller Ismail Kadare. 2005 wurde er bereits mit dem Man Booker International Prize  ausgezeichnet.
Ein Thema, das in seinen Romanen immer wieder auftaucht, ist das Leben in totalitären Regimen. Bekannt wurde Kadare 1964 mit dem Roman “Der General der toten Armee”, der auch heute noch lieferbar ist.

Milan Kundera

kunderaEin weiterer Anwärter ist bestimmt auch Milan Kundera, dessen Roman “Die Unerträgliche Leichtigkeit des Seins” sicherlich jedem ein Begriff ist. Kundera wurde in der Tschechoslowakei geboren, schreibt aber seit 1993 in französischer Sprache – seit 1981 hat er die französische Staatsbürgerschaft. In seinen Büchern äußerte er unter anderem auch Kritik an den Verhältnissen in der kommunistischen Tschechoslowakei. Es geht ihm um die Hoffnungen und Wünsche des Einzelnen innerhalb eines Regimes, das sich die Bekämpfung der Individualität zum Ziel auserkoren hat.

 

Margaret Atwood

Report_der_MagdVorstellen könnte ich mir theoretisch auch Margaret Atwood, die mit ihrem Roman “Der Report der Magd” im Jahre 1985 den Durchbruch schaffte. Für das Buch “Der blinde Mörder” bekam sie im Jahr 2000 den Booker Prize. Ich mag Margaret Atwoods Art zu schreiben sehr gerne und möchte unbedingt noch “Oryx und Crake” lesen. Wie schon gesagt, theoretisch könnte ich mir Margaret Atwood vorstellen, aber im Jahre 2013 hat ja schon eine kanadische Autorin (Alice Munro) den Nobelpreis bekommen. Daher kann ich mir nicht vorstellen, dass der Preis nun wieder nach Kanada gehen soll.

Amos Oz

amos_ozDer israelische Schriftsteller Amos Oz wäre bestimmt auch ein Kandidat. Er wurde bisher in 36 Sprachen übersetzt und ist damit der meistübersetzte Autor Israels. In seinem Werk stehen die sozialen und politischen Konflikte Israels im Mittelpunkt. “Eine Geschichte von Liebe und Finsternis” ist sicherlich einer seiner bekanntesten Romane.
In diesem Jahr bekam Mirjam Pressler den Preis der Leipziger Buchmesse für die
 Übersetzung des Romans „Judas“ von Amos Oz. Sowieso hat Amos Oz schon viele Preise für sein Werk erhalten- darunter zum Beispiel auch den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels im Jahre 1992.

Aber natürlich gibt es noch viele weiter mögliche Kandidaten für den Nobelpreis: Joyce Carol Oates, Nuruddin Farah, Salman Rushdie, Javier Marias und noch viele mehr. Möglich ist aber natürlich auch, dass wir morgen auch einem Namen hören werden, der nicht so bekannt ist. Mo Yan war mir bis zur Bekanntgabe 2012 zum Beispiel überhaupt kein Begriff. Alles ist drin, die Spannung ist groß. Lassen wir uns einfach überraschen.


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