Alafair Burke: „The Wife“

Alafair Burke: „The Wife“

Ohne eine Empfehlung im “Stern”, hätte ich diesen wendungsreichen Krimi wahrscheinlich nie gelesen.
Danke dafür.

Jason ist Wirtschaftsprofessor und lehrt an der Universität. Des Weiteren ist er Bestsellerautor, hat ein Beratungsunternehmen und noch so manch anderen Job außerhalb der Uni. Was dieser überhaupt nicht passt.
Damit er nicht in Ungnade fällt, hat Jason eingewilligt, ausgewählte Studenten als Praktikanten in seiner Firma aufzunehmen und diese persönlich zu betreuen.
Lust hat er auf diese zusätzliche Aufgabe überhaupt nicht. Aber da muss er eben jetzt durch.

Als er seiner Frau Angela beim Abendessen nebenbei erzählt, dass ihn eine dieser Praktikantinnen (Rachel) wohl für ein sexistisches Schwein halte, fällt Angela fast die Gabel aus der Hand.
Eigentlich wollte Jason diese läppische Episode nicht näher ausführen, aber jetzt bleibt ihm nichts anderes übrig. Rachel hat in der Gegenwart Jasons erwähnt, dass sie bald heiraten werde. Woraufhin Jason zu ihr sagte, dass sie noch zu jung zum Heiraten sei und vorher ein bisschen leben und Erfahrungen sammeln müsse.
Angela findet nichts Schlimmes an diesem Satz und versteht nicht, weshalb sich Rachel bei anderen Mitarbeitern über Jason beschwert hat.
Sie und Jason sind sich einig, dass Rachel sich bald wieder abregen werde.

Vier Tage später muss Angela jedoch feststellen, wie naiv sie gewesen ist. Denn Rachel ist zur Polizei gegangen und hat Anzeige gegen Jason erstattet.
Aber weswegen? Nur wegen dieses Satzes, erstattet man doch keine Anzeige.
Was verschweigt Jason seiner Frau?

Schon nach wenigen Seiten erfahren wir, dass Rachel die Situation ganz anders erlebt hat. Denn besagter Satz fiel, als Rachel Jasons Büro betrat, in welchem Jason gerade seine Hose zu- bzw. aufknöpfte.
Dazu muss man wissen, dass Jason in seinem Büro eine Dusche und ein Bett hat, das er nutzt um sich nach dem Joggen auszuruhen.
Aber nutzt er es wirklich nur dafür?!

Wer in diesem Fall wirklich die Wahrheit sagt, wissen wir nicht und genau das macht diesen Krimi so spannend.
Noch interessanter wird es, als Jason eine Anwältin engagiert.
Das ist auch nötig, denn egal, wie die Sache ausgehen wird, Jasons Ruf ist beschädigt. Jetzt gilt es den Schaden so klein wie möglich zu halten.
Deshalb hat er eine Spezialistin ausgewählt, die dafür bekannt ist, sich zu hundert Prozent für ihre Mandanten einzusetzen. Egal, ob das worum sie kämpft, der Wahrheit entspricht, oder nicht.
Sie geht die Sache sehr strategisch an und nimmt auf niemanden Rücksicht. Das ist auch nicht ihr Job. Ihr Job ist es, zu beweisen, dass Jason unschuldig ist. Und dabei ist es ihr egal, wen sie mit ihrer Strategie ans Messer liefert.
Auch wenn es sich um Jasons Ehefrau handelt…

Natürlich ist es in Angelas Interesse, dass ihr Mann heil aus der Sache herauskommt und so beginnt sie ebenfalls nach Hinweisen dafür zu suchen, dass Rachel eine Lügnerin ist.
Allerdings ist ihr bewusst, dass Jason ihr nicht alles erzählt. Schon seit Monaten weiß sie, dass er ihr so manches verschweigt.
Was sie allerdings nicht davon abhält, die Boxershorts mit aufgedruckten Zuckerstangen zu entsorgen, die Rachel bei der Polizei beschrieben hat.
Aber könnte Rachel vielleicht nicht von jemand anderen erfahren haben, dass Jason eine solche Boxershorts besitzt…?
Fragen über Fragen und wir tappen noch immer im Dunkeln.

Raffiniert und ausgefeilt erzählt uns Alafair Burke die Geschichte aus zwei Perspektiven: Angelas Sicht der Dinge (wobei wir nicht wirklich in ihren Kopf hineinschauen können, aber schnell merken, dass sie sehr clever ist und alles dafür tut, ihren Mann zu schützen) und die der Polizistin Corinne, die in einer Spezialeinheit für Sexualdelikte arbeitet.
Die Ermittlung in diesem Fall gestaltet sich sehr schwierig, denn es gibt keine Zeugen und steht Aussage gegen Aussage…

„The Wife“ ist ein strategischer, sehr cleverer Prozess- bzw. Ermittlungskrimi, in welchem wir zum Beispiel auch erfahren, wie die Zusammenarbeit zwischen der Polizei und der Staatsanwaltschaft abläuft.
Das zu erfahren fand ich hochinteressant.
Aber das Ausschlaggebende, weshalb mich Alafair Burke für sich eingenommen hat, ist die Tatsache, dass ich bis zur letzten Seite nicht gewusst habe, was hier eigentlich gespielt wird.
Was will ich mehr von einem Krimi?!

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ISBN: 978-3-7466-3521-7
Verlag: Aufbau
Erscheinungsjahr: 2019
Übersetzung: Kathrin Bielfeldt
Seiten: 400
Preis: 12,99 €


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