Alexandra Kui: „Marias letzter Tag“

Marias letzter Tag von Alexandra KuiLou lebt in einem kleinen Dorf in der Nähe von Hamburg. Äußerlich ist sie sehr groß für ihr Alter und es könnte sogar sein, dass sie später einmal an die zwei Meter Marke heranreichen wird. Innerlich fühlt sich Lou allerdings gar nicht so groß. Sie ist eher ruhiger und tendiert dazu sehr pessimistisch zu sein – wie der Rest ihrer Familie auch. Ständig denkt sie daran, was alles passieren könnte.
So hat sie zum Beispiel Angst davor, dass der Blitz plötzlich einschlägt, oder dass es bei starkem Regen eine Überschwemmungen geben könnte und so weiter.
Wem dann allerdings wirklich etwas passiert, ist nicht Lou, sondern Maria – Lous bester Freundin, die einfach immer strahlt, schön und  schlagfertig ist.

Maria war an einem sehr regnerischen Tag joggen gegangen und ist von einem Zug erfasst worden. Jetzt liegt sie im Koma und die Frage ist, weshalb sie auf den Schienen stand: War es Absicht, oder war es ein Unfall?
Was Lou im Nachhinein erfährt ist, dass Maria große Angst hatte. Angst vor Krebs, denn ihre Mutter war zuvor an Krebs erkrankt.
Ist das der Grund dafür, dass sie nun im Koma liegt? Angst?

Lou ist davon sehr überzeugt und beschließt den „Sommer ohne Angst“ auszurufen. Sie gründet einen YouTube-Channel und stellt Videos online, in denen sie selbst beweist, dass sie mutig ist und vor nichts Angst hat: Nicht vor dem Trampen, nicht vor fremden Männern, nicht davor schnell Auto zu fahren.
Bei ihren Aktionen ist immer die Handykamera dabei und schnell hat ihr Channel, den sie „Marias letzter Tag“ genannt hat, sehr viele Abonnenten, denen sie immer Neues bieten möchte. Schon bald stellen immer mehr Jugendliche ihre eigenen „Mutproben“ ins Netz und „Marias letzter Tag“ nimmt für Lou ungeahnte Ausmaße an…

Das Ganze klingt sehr amerikanisch und ich hatte ja eher einen „Schlag-auf-Schlag“-Roman erwartet: Krebs, YouTube, ein vermeintlicher Selbstmordversuch –  das hört sich alles sehr dramatisch an. Aber das Schöne ist, dass diese Themen nicht ausgeschlachtet werden, sondern eher Beiwerk sind. Es geht hier um ein Mädchen, das körperlich herausragt, sich aber sonst eher kleinmacht. Ein Mädchen, das Aufmerksamkeit bekommt und sich bald die Frage stellen muss, ob diese Aufmerksamkeit in die richtige Richtung geht.

Das Besondere an diesem Buch ist definitiv die Sprache, denn diese überrascht durch ihre klare Poesie. „Marias letzter Tag“ kommt leise und poetisch daher und das fand ich wirklich wunderbar.

Ab 14 Jahren.

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P.S.: Dieses Buch ist eines der Jugendbücher auf die ich mich im Frühjahr 2015 besonders gefreut habe.


ISBN: 978-3-570-16317-7
Verlag: cbt
Preis: 14,99 €


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