Amélie Nothomb: “Der japanische Verlobte”

Amélie Nothomb: “Der japanische Verlobte”

Vor Jahren habe ich Amélie Nothombs Roman “Mit Staunen und Zittern” gelesen und weiß noch, dass ich mich königlich amüsiert habe. Sie beschreibt sehr ironisch und höchstwahrscheinlich stark autobiographisch, ihre Zeit in einem japanischen Großunternehmen, die alles andere als lustig war.
Zumindest nicht für sie. Für uns schon.

In “Der japanische Verlobte” erzählt sie uns nun von einem anderen Japan: Von jenem Land, in dem sie die ersten fünf Jahre ihrer Kindheit verbracht hat und das sie sehr liebt.

Mit 21 Jahren kehrt Amélie für eine Zeit zurück und um sich der Sprach wieder zu nähern, beschließt sie eine Anzeige aufzugeben: “Französisch-Einzelunterricht, attraktiver Preis”.
Es funktioniert und sie bekommt ihren ersten und einzigen Schüler: Rinri, der Französisch studiert.

Der erste Austausch in Amélies Sprache ist allerdings ernüchternd. Rinri hätte auch genauso gut Chinesisch sprechen können. Woran das liegt erfahren wir später im Roman, als Amélie feststellen muß, dass es in Japan nicht üblich ist, dem Lehrer Fragen zu stellen.
Man hört nur zu. Kein Wunder also, dass es mit Rinris Sprachkenntnissen nicht weit her ist.

Genau das ist es (neben Amélie Nothombs intelligenten, charmanten und sehr lockeren Tonfall), was mich an diesem Buch so fasziniert hat. Man erfährt so unglaublich viel über die japanische Art zu denken und zu leben.
Zum Beispiel, dass es als unhöflich gilt, jemanden zu treffen und nicht mit ihm über das Wetter zu reden, oder warum man als Künstler unbedingt in Japan ausstellen sollte.

In Japan ist Höflichkeit etwas unglaublich Wichtiges. Um so irritierter ist Amélie, als sie Rinris Großeltern kennenlernt, die alles andere als zurückhaltend sind. “Sie sind alt.” gibt Rinri als Begründung an.
In einem Land, in dem dem die Menschen sich ihr ganzes Leben lang gut benehmen müssen, komme es öfter vor, dass man im Alter zusammenklappt und sich die unglaublichsten Verhaltensweisen gestattet.

Für solche Einblicke liebe ich dieses Buch, um das man, wenn man vor hat nach Japan zu reisen (wie in meinem Fall) einfach nicht herum kommt.

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P.S.: „Der japanische Verlobte“ ist eines der Bücher, das ich im Rahmen der #GoldenBacklist – Aktion gelesen habe, in welcher es darum geht, Bücher zu lesen, deren Erscheinungsdatum schon mehr als fünf Jahre zurückliegt.
Sonst sind solche Aktionen nicht so mein Fall, aber diese finde ich sehr sinnvoll, zumal ich noch viele ungelesene Perlen in meinem Regal habe. Wie zum Beispiel dieses Buch.


ISBN: 978-3-257-24151-8
Verlag: Diogenes
Übersetzung: Brigitte Große
Erscheinungsjahr: 2012
Preis: 10,00 €  – bei Thalia bestellen (Affiliate Link)


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