Amy Giles: „Jetzt ist alles, was wir haben“

Amy Giles: „Jetzt ist alles, was wir haben“

Dieses Buch ist unglaublich intensiv, spannend und viel tiefgründiger, als ich es zunächst angenommen hatte.
Super!

Die McCauleys sind reich. Sehr reich. Das ist an sich ja nichts Schlimmes, aber die Art und Weise, wie diese Familie mit ihrem Vermögen protzt, geht vielen gegen den Strich.
Als die Schulband sich zum Beispiel Geld für einen Ausflug verdienen wollte und zu diesem Zweck Orangen verkaufte, verkaufte Hadley, die älteste Tochter der McCauleys, keine einzige.
Stattdessen kam sie mit einem Scheck für die Band an, der aus so vielen Nullen bestand, dass Mr. Rose quasi die Augen aus dem Kopf gefallen sind.
So viel dazu.

Jetzt werden einige Schülerinnen und Schüler zum Verhör gebeten, denn denn das Flugzeug der McCauleys ist abgestürzt. Alle Insassen sind tot – bis auf Hadley, die derzeit nicht vernehmungsfähig ist.
Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass etwas mit der Maschine nicht in Ordnung war.
Was ist an Bord geschehen? Wurde der Absturz vielleicht absichtlich herbeigeführt…?

Zunächst hat man aufgrund des Einstiegs die Vermutung, dass es sich bei diesem Buch um einen Krimi handelt. Doch das ist so nicht ganz richtig. Denn Amy Giles geht viel tiefer und zeigt uns die Abgründe einer Familie, in der nach außen hin alles in Ordnung zu sein scheint.
Gleich im ersten Verhör mit Hadleys Freundin Meaghan wird jedoch klar, dass das nicht stimmt. Sie nennt Hadleys Vater “Drillmeister” und dafür hat sie einen guten Grund.
Jeden Tag scheucht er Hadley um 4:30 aus dem Bett und geht mit ihr joggen. Außerdem zwingt er sie dazu Krafttraining zu betreiben, denn sie ist die beste Lacrosse-Spielerin ihres Teams – und soll es auch bleiben. Auch wenn die Muskeln noch so sehr schmerzen, es wird weiter trainiert.
Einen Freund zu haben, ist ihr verboten.

Hinzu kommt, dass er sich in den Kopf gesetzt hat, dass seine Tochter auf das gleiche Elite-College gehen soll, wie er selbst. Sie soll Höchstleistungen bringen, was sie auch tut. Überall hat sie Bestnoten.
Als eine Lehrerin unter eine der Arbeiten schreibt, dass sie sich vielleicht etwas mehr im Unterricht beteiligen sollte, möchte Hadley wissen, wie oft sie sich melden müsse, damit so etwas nie wieder unter einer ihrer Arbeiten steht.
Die Lehrerin meint “drei Mal die Stunde” und ist erstaunt über diese Frage. Fortan meldet sich Hadley.
Genau drei Mal in der Stunde.

Im Nachhinein denken alle, dass ihnen etwas hätte auffallen müssen. Das ist es jedoch nicht, denn Hadley kann eines perfekt: Die Fassade wahren. Selbst ihre kleine Schwester Lila, die sie so sehr liebt, merkt nichts.
Aber auch das wird sich schnell ändern, denn bald wird sie in einem Alter sein, in dem ihr Vater sie darauf trainieren kann, Höchstleistungen zu bringen…

Dieses Buch kommt so leicht daher und man geht ihm wirklich auf den Leim. Zunächst dachte ich: Ahja, ein Highschool-Krimi. Prima, denn so etwas lese ich sehr gerne. Mit zickigen Schülerinnen, dunklen Geheimnissen und etwas Liebe.
Dann dachte ich: Ah, eine superschöne Love-Story a la Colleen Hoover, denn Hadley verguckt sich in den gut aussehenden Charlie, der alle Mädchen haben könnte, aber nur eine will: Hadley.
Wie die beiden sich zum Beispiel zum ersten Mal küssen ist so gefühlvoll beschrieben – und hochromantisch.
Aber auch diese wunderschönen Szenen sind eine Finte, denn auch die Liebe zu Charlie kann die Situation Zuhause nicht verbessern. Alles Geld der Welt hilft nicht, wenn man einen Vater hat, der sein Kind schlägt – und eine Mutter, die wegsieht.

Kapitel um Kapitel bröckelt die Fassade der McCauleys. Es fängt ganz harmlos an, denn zunächst sieht man die Familie mit den Augen der Außenstehenden.
Dann mit den Augen der Freunde Hadleys. Wobei Meaghan nichts ahnt, doch Hadleys Freund Noah spürt, dass etwas nicht in Ordnung ist.
Dann lesen wir, was Hadley Charlie anvertraut und denken: Das musst Du beim Jugendamt oder der Polizei melden!
Aber so einfach ist das nicht, wie uns ganz bald klar wird…

Amy Giles ist hier ein sehr intensives, bewegendes und unglaublich spannendes Buch gelungen, das ich nicht mehr aus der Hand legen konnte.
Tiptop.

Ab 14 Jahren.

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ISBN:  978-3-570-16487-7
Verlag: cbj
Erscheinungsjahr: 2018
Übersetzung: Isabel Abedi
Seiten: 400
Preis: 17,00 €


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