Das Literarische Quartett: Die Bücher der Sendung am 22.Juni 2018

Das Literarische Quartett: Die Bücher der Sendung am 22.Juni 2018

Nachdem ich die letzte Ausgabe des Literarischen Quartetts leider nicht verfolgen konnte, werde ich diesen Monat wieder einschalten. Sehr gespannt bin auf die Wortbeiträge des Gastes Martin Schulz und auf die zusätzlichen Sommer-Lesetipps, die die vier Kritiker traditionell in der Juni-Sendung abgeben, obwohl ich zugeben muss, dass ich diese Tipps in den vergangenen Jahren nicht vom Hocker gerissen haben. Aber wir werden ja sehen.

Diese Titel werden in der Sendung besprochen:

George Saunders: „Lincoln im Bardo“

George Saunders hat bisher ausschließlich Erzählungen veröffentlicht. Zwei dieser Bände (“I CAN SPEAK” und “Zehnter Dezember”) habe ich gelesen und was soll ich sagen – beide finde ich schlichtweg großartig! Was Saunders auf wenigen Seiten schafft, gelingt vielen Autoren in ganzen Romanen nicht. Genial!

» zu meiner Rezension von “I CAN SPEAK”

» zu meiner Rezension von “Zehnter Dezember”

Nun liegt mit “Lincoln im Bardo” sein erster Roman vor, der sogleich mit dem Man-Booker-Prize, dem wichtigsten Literaturpreis Großbritanniens, ausgezeichnet worden ist.
Es geht um den Willie, den Sohn des amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln, der mit nur elf Jahren stirbt. Als Abraham das Grab seines Sohnes aufsucht, um Abschied zu nehmen, erwachen die Gespenster des Friedhofs und es entbrennt ein Streit um die Seele Willies, die sich in einem Zwischenreich, dem Bardo, befindet…

Das alles mag jetzt erstmal absurd anmuten, wer jedoch schon einmal etwas von George Saunders gelesen hat, der weiß, dass dieser Plot, im Gegensatz zu anderen Stories des Autors, relativ realistisch klingt.
Das Tolle an Saunders ist, dass alles was er schreibt, vollkommen plausibel klingt, sobald man einmal begonnen hat, sich auf ihn einzulassen.

Ich habe gerade mit der Lektüre von “Lincoln im Bardo” begonnen und kann sagen, dass die ersten Seiten für sich sprechen. Ich habe ehrlich gesagt auch nichts anderes erwartet.
Vor dem 22. Juni möchte ich die Lektüre unbedingt beendet haben, damit mir durch das Literarische Quartett nicht zu viel über das Buch verraten wird. Die Erfahrung lehrt mich, dass dies sehr wahrscheinlich ist, zumal schon oft der komplette Handlungsverlauf (nebst Ende) von den Kritikern vorweggenommen wurde.

Wer dieses Buch vorstellen wird ist nicht einfach zu prognostizieren. Ich könnte mir Christine Westermann vorstellen, als auch vielleicht Thea Dorn.

Der Spiegel und letusreadsomebooks haben „Lincoln im Bardo“ bereits besprochen.

» zur Leseprobe

Francesca Melandri: “Alle, außer mir”

Ilara ist 40 Jahre alt und glaubt alles über ihre Vergangenheit, sowie die ihres Vaters zu wissen. Dies stellt sich jedoch als Irrtum heraus, als sie eines Tages einen jungen Afrikaner vor ihrer Wohnung antrifft, der behauptet mit ihr verwandt zu sein.
Ilare ist zunächst davon überzeugt, dass es sich hier um eine Verwechslung handelt, doch der junge Mann zeigt ihr seinen Ausweis – und dort steht, schwarz auf weiß, der Name ihres Vaters: Attilo Profeti.

Ilara beginnt ihre Familiengeschichte zu erforschen und wir wir folgen ihr, auf den Pfaden der italienischen Kolonialgeschichte, deren Auswirkungen bis in die Gegenwart reichen.

Von Francesca Melandris erstem Roman “Eva schläft”, in welchem es um die Geschichte Südtirols in den 60er und 70er Jahren geht, war eine meiner ehemaligen Kolleginnen sehr begeistert. In meinem Regal steht eine Ausgabe des Titels, die inzwischen vergriffen ist. Allerdings noch immer ungelesen.
Vielleicht sollte ich ihn jetzt hervorholen.
Im September wird dieser Titel bei Wagenbach neu aufgelegt.

“Alle, außer mir” klingt, wie ich finde, ebenfalls sehr interessant. Dieses Buch, das von Volker Weidermann vorgestellt wird, wird pünktlich zum Literarischen Quartett erscheinen und ich werde auf jeden Fall einmal hineinlesen.

» zur Verlagsseite

Heinrich Steinfest: „Die Büglerin“

Die Arbeit als Büglerin wird nicht gut bezahlt, doch Tonia geht es nicht ums Geld. Es geht ihr darum, zu büßen.
Eigentlich hatte sie einen guten Start ins Leben. Ihre Eltern waren gut betucht – die Familie lebte auf einer Segeljacht. In späteren Jahren verbrachte sie viel Zeit in Wien und kümmerte sich um ihre Nichte Emilie, die sie zusammen mit ihrer Halbschwester großzog.
Dann aber verstarb Emilie. Ihr tragischer Tod war es, der Tonia veranlasste, alles aufzugeben und mit dem Bügeln zu beginnen.

Jetzt allerdings ist etwas aufgetaucht, das ein ganz anderes Licht auf den Tod Emilies wirft…

Vor Jahren habe ich Heinrich Steinfests Buch “Die feine Nase der Lilli Steinbeck” gelesen, für welches der Autor mit dem Deutschen Krimipreis 2008 ausgezeichnet worden ist.
Ich hatte viel Spaß an dieser Lektüre, zumal Steinfest mit richtig guten, teilweise verrückten Einfällen glänzt und es ihm gelingt, einprägsame Charaktere zu erschaffen.

Danach folgte für mich “Mariaschwarz” und auch an diesem Roman hatte ich viel Freude. Nach einer langen Steinfest-Pause versuchte ich es dann 2015 mit “Der Allesforscher”.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich jedoch mein Repertoire an schrägen Büchern erweitert. Ich hatte zum Beispiel Frank Schulz entdeckt, von dem ich nach wie vor hellauf begeistert bin und der, was Sprache und Worterfindergeist anbelangt, für mich einfach einen Zacken mehr auf dem Kasten hat.
Vielleicht war es auch meine hohe Erwartungshaltung, die mich dazu brachte, die Lektüre des “Allesforschers” vorzeitig zu beenden.

Jetzt also “Die Büglerin”, die ich im Literarischen Quartett jetzt nicht unbedingt erwartet hätte. Ich lasse mich aber gerne von diesem Buch überzeugen.
Aber von wem? Welcher Kritiker hat Steinfest für die Sendung ausgesucht. Ich tappe dezent im Dunkeln und tippe blind auf Christine Westermann.

Sandammeer und lesefieber haben „Die Büglerin“ bereits besprochen.

» zur Leseprobe

Arthur Koestler: “Sonnenfinsternis”

Dieser Roman, der eine Abrechnung Koestlers mit dem Kommunismus ist, erschien erstmals 1940 erstmals in England und wurde sofort zum internationalen Bestseller.

Es geht um einen ehemaligen Volkskommissar, der einer revolutionären Partei angehört. Er wird Opfer der politischen Säuberungen innerhalb der eigenen Partei. Gnadenlose Verhöre bringen ihn zur Strecke. Der Autor spielt damit auf die stalinistischen Schauprozesse in den 30er Jahren an, die ihn veranlassten, sich im Jahre 1937/38 vom Kommunismus abzuwenden.

Vor diesem einschneidenden Ereignis, arbeitete Arthur Koestler unter anderem als Kriegsberichterstatter im Spanischen Bürgerkrieg, sowie als stellvertretender Chefredakteur für die B.Z. am Mittag. Er war außerdem Mitglied der KPD war, was er jedoch zunächst geheim hielt.

Ab 1940 war Koestler in England für diverse Zeitungen tätig und freundete sich mit George Orwell an. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging er nach Frankreich und kam so in den Dunstkreis von Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir, mit welcher er eine kurze Beziehung hatte. Diese könnte die Erklärung dafür sein, dass Sartre und Koestler sich nicht besonders gut leiden konnten. Das jedoch ist nur eine Spekulation.

Nach 1954 schrieb Koestler keine Prosa mehr, zumal er sich für Parapsychologie zu interessieren begann. 1983 begingen Koestler, der an Parkinson und Leukämie erkrankt war, und Ehefrau Suizid.Der Autor hinterließ zahlreiche Schriften. Doch das Originalmanuskript seines Werkes “Sonnenfinsternis” blieb verschwunden. Bisher lag uns nur eine Rückübersetzung Koestlers aus dem Englischen vor.
2016 wurde jedoch das ursprüngliche Manuskript gefunden, das jetzt neu im Elsinor-Verlag herausgegeben worden ist.

Ich selbst muss zugeben, dass mir Arthur Koestler bisher kein Begriff gewesen ist. Seine Biographie finde ich sehr spannende, jedoch hält sich mein Interesse, den Roman zu lesen in Grenzen.
Ich gehe davon aus, dass Martin Schulz dieses Buch vorstellen wird.

Sabine von Binge Reading & More hat dieses Buch bereits besprochen.

» zur Leseprobe


Das könnte Dich vielleicht auch interessieren:

2 thoughts on “Das Literarische Quartett: Die Bücher der Sendung am 22.Juni 2018
Sabine Delorme

Oh auf die Koestler-Besprechung bin ich gespannt. Sonnenfinsternis habe ich gerade gelesen und fand es großartig:
https://bingereader.org/2018/04/18/budapest-by-the-book/

    Friederike

    Prima, danke – ist verlinkt! Ich bin gespannt, was das Quartett sagen wird.

    Viele Grüße,
    Friederike

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Archive