Mario Fesler: “Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer”

Mario Fesler: “Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer”

Warum ich nicht eher zu diesem Buch gegriffen habe ist mir wirklich schleierhaft.
Ich habe so viel gelacht, aber auch (vor allem am Ende) viel schlucken müssen. Denn Mario Fessler schreibt davon, wie das Leben wirklich ist.

Ich bin hin und weg.
Super!


Lizzy ist 13,5 Jahre alt und ein sehr geplagtes Mädchen, denn gemeinsam mit ihrer Freundin Kristine gehört sie zu den unbeliebtesten Schülern der Schule.
Außerdem weigert sich ihre Oberweite (im Gegensatz zu der ihrer Mitschülerinnen) zu wachsen, ihre Haare sind nicht mehr so schön fluffig wie noch vor Kurzem und zudem hat sie eine Mutter, die nicht gerade die Sensibelste ist.

Ach so: Einen blöden, perfekten Streber-Bruder mit Supernoten hat sie auch. Auf den würde sie sehr gerne verzichten. Denn Lizzy ist eher so der 3er-Typ.
Na gut, sind wir ehrlich: In Mathe ist ihr Notenstand auf eine Vier gestiegen und in Chemie hat sie eine Fünf. Kristine bewegt sich in ähnlichen Noten-Kreisen, wobei sie in Chemie eine Drei hat, was sie sich allerdings selbst nicht erklären kann.
Da hilft nur eins: Das Leben mit Humor zu nehmen.
Gnadenlose Ironie ist Lizzys Parole. Sonst hält man das alles ja nicht aus.

Im Gegensatz zu Lizzy hat Kristine (die jetzt nicht gerade die Allerhellste ist) eine tolle Idee, wie sie ihren Status an der Schule verbessern könnte. Einen wirklich supertolle Idee:
Sie wird Raucherin!

Kristine: “Hey, wir kommen bald in die Achte! Da rauchen alle Coolen! Wir haben jetzt noch einmal die Gelegenheit ganz neu anzufangen!”
Lizzy: “Mit dem Rauchen?”
Kristine: “Mit uns! Mit unserem Status! Noch raucht keiner! Leon nicht, Alexa nicht und Samira auch nicht.
Wir können Trendsetter sein!”

Ja Kristine, das ist wirklich eine tolle Idee….

Eine ebenso supertolle Idee hat übrigens auch der Lehrer der Schule, der für die Organisation des Schulfests zuständig ist. Bei diesem gibt es (wie jedes Jahr) verschiedene Projektgruppen, die sich irgendetwas ausdenken, was sie dann an diesem Tag präsentieren können. Moment, fragen wir uns…das soll diese tolle Idee sein..?!
Nein, die kommt jetzt, denn besagter Lehrer ist gerade auf dem “Wir-haben-uns-alle-lieb-und-die-Welt-ist-gerecht-Trip” und deshalb wird es beim diesjährigen Schulfest klassenübergreifende Projektgruppen geben, die per Losverfahren zusammengestellt werden.
Diese zusammengewürfelten Gruppen “mit den originellen Namen 1, 2 und – Überraschung – 3.” sollen sich dann gemeinsam ein Projekt ausdenken.

Lizzy ist sich sehr sicher, dass es “ein spektakuläres Event wie ein Café, eine Losbude oder eine Losbude mit angeschlossenem Café” geben wird.
“Ich kann´s kaum erwarten, zu erfahren, ob ich zum ersten, oder letzten Spüldienst eingeteilt werde.”

Das klingt jetzt zwar witzig, aber sind wir mal ehrlich: Genauso wird es laufen. Lizzy wird, egal in welcher Gruppe sie landet, den Arsch-Job bekommen. Wie immer.
Als ihr Lehrer dann auch noch bei der Projektvorstellung betont, wie schön es sei, dass alle an einem Strang ziehen, alle dazugehören und niemand ausgegrenzt wird, platzt Lizzy dann der Kragen: “Was für eine verlogene Scheiße!”
Dieser (gerechtfertigte) Ausraster führt dazu, dass Lizzy dazu angehalten wird, eine eigene Projektgruppe zu gründen. Eine Außenseiter-Gruppe.
Den “Klub der Verlierer”.

Das Schlimme daran ist, dass allen sofort klar ist, wer zu diesem Klub gehören wird: Lizzy und Kristine, Veronika (ein dickes Mädchen aus der 5. Klasse, das alle nur “Ma Baker” nennen), Popelino (eigentlich heißt er Carsten), der immer in der Nase bohrt, Sara, die unglaublich zurückhaltend ist, Kalligraphie übt und deren Eltern bei den Zeugen Jehovas sind und schließlich Arif und Theo.
Was für eine Scheiße.

Beim ersten Treffen des Klubs ist klar, dass sie heute geboren werden muss, die richtig gute Projektidee, die alle begeistert. Es muss etwas ganz Außergewöhnliches sein. Definitiv.
Als sich nach langem Hin- und Her so langsam die wahnsinnig originelle Idee “Ein Café” herauskristallisiert, greift Projektleiterin Lizzy ein, denn so wird das ja nichts.
„Womöglich wollen Popelino und Co gleich auch noch eine Losbude eröffnen….!“
Nach einer kurzen Diskussion ist man sich aber einig: Der Klub der Verlierer wird ein Dunkelrestaurant ins Leben rufen.
Wie der Name impliziert, muss man dafür Essen zubereiten und es im Dunkeln servieren.
Das kann ja heiter werden…

Von “Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer” hatte ich bisher nur Gutes gehört. Vielleicht war das der Grund, weshalb dieses Buch (das mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2017 ausgezeichnet worden ist) bei mir so lange ungelesen herum lag. Meistens habe ich nach vielen jubelnden Besprechungen eine so hohe Erwartungshaltung, dass ich letzten Endes enttäuscht bin.

Zum Glück habe ich dann doch zugegriffen, denn “Lizzy Carbon” hat mich mit einer perfekten Mischung aus Witz und Ernsthaftigkeit überzeugt und begeistert.
Besonders angetan war ich von Lizzys Tonfall, der wunderbar ironisch ist. Wer dafür keine Ader hat, sollte vielleicht lieber zu einem anderen Buch greifen. Für mich aber war es genau das Richtige und wenn ich zum Beispiel auch nur an die Szene mit den Probekochversuchen (Polenta sollte es werden) denke, muss ich grinsen.

“Geschmacklich kam mein Vater zum gleichen Ergebnis wie wir am Vortag (“Bäh!”), was laut meiner Mutter daran liegen könnte, dass man Maisgrieß nicht einfach durch normales Mehl ersetzen kann.”

Wäre Mario Feslers Roman allerdings nur witzig und ironisch, so wäre er sicher bemerkenswert, aber nicht so besonders. Aber das ist er definitiv.
Denn bei allen lustigen Situationen erfahren wir (oft in Nebensätzen), wie es ist gemobbt zu werden. Und das ist alles andere, als witzig.

Wie zum Beispiel die Tatsache, dass Lizzy ihren Eltern nichts von den drei Facebook-Seiten, die über sie existieren, erzählt hat. Diesen drei wirklich fiesen Facebook-Seiten.
Denn wenn Lizzys Eltern diese sehen würden, würden sie aufbegehren, für Gerechtigkeit sorgen wollen – und alles nur noch schlimmer machen.

Aber wie macht man das? Wie entkommt man der “Loser – Schublade” in die man von anderen gesteckt worden ist?
Oder ist es einfach so: Einmal Arsch, immer Arsch?
Würde dieser Roman eine Antwort auf diese schwierige Frage, oder sogar eine Lösung, parat haben, wäre er nicht so gut.
Doch das ist er – und zwar bis zur letzten Seite.

Lizzy ist gnadenlos ironisch. Mario Fesler ist gnadenlos realistisch – und damit hat er mich auf ganzer Linie überzeugt.
Mit einem solchen Ende hätte ich nicht gerechnet.
Daumen hoch für dieses Buch, dem ich noch ganz viele Leser (egal ob Jugendliche ab 12, oder Erwachsene jeden Alters) wünsche.

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ISBN: 978-3-7348-5407-1
Verlag: Magellan
Erscheinungsjahr: 2019
Seiten: 240
Preis: 12,00 €

Die Paperback-Ausgabe ist 2016 ebenfalls bei Magellan erschienen und mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2017 ausgezeichnet worden.


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