Barry Jonsberg: „Was so in mir steckt“

Barry Jonsberg: „Was so in mir steckt“

Dieses Buch ist der Hit! Es ist randvoll mit trockenem Humor und egal wo ich mich befand (an der Haltestelle, in der Straßenbahn oder im Pausenraum) ich musste so oft laut lachen.
Das schaffen nur wenige Autoren und unter anderem ist “Was so in mir steckt” deshalb eines meiner absoluten Lieblingsbücher des Jahres 2019.

“Pop, ich bin verliebt.”
“In wen?”
“Ein Mädchen.”
“[…] Wie heißt sie?”
“Destry.”
“Wie bitte?”
“Destry. Destry Camberwick.”
“Das ist kein Name. Das ist eine Rockband aus den Achtzigern.”

Da Rob sehr schüchtern ist, gestaltet sich die Kontaktaufnahme mit Destry schwierig. Aber sie einfach anzusprechen kommt für ihn nicht infrage.
Tja….was jetzt?

Für Rob sähe die ideale Situation aus, dass Destry auf ihn zukommt und sagt:
“Hi. Du bist Rob und wahrscheinlich der tollste Junge, dem ich je begegnet bin. Ich weiß, dass ich deiner nicht wert bin, aber ich muss dir einfach sagen, dass ich mich Hals über Kopf in verliebt habe. Weise mich ab, wenn es sein muss, aber ich musste es Dir sagen.”
Dann würde Rob ihr ein echt cooles Lächeln schenken, einfach davon gehen, Destry aber noch einen Blick lässig über die Schulter zuwerfen und ihr zuzwinkern, damit die weiß, dass sie bei ihm eine Chance hat.
Die Chance, dass genau das passieren wird? Gleich Null.

Robs Großvater hat einen tollen (sehr realistischen) Vorschlag:
“Beeindrucke sie mit deinen sportlichen Fähigkeiten.”
“Ich habe keine.”

Doch der Großvater beharrt darauf, dass die einzige Möglichkeit Destrys Aufmerksamkeit zu gewinnen darin besteht, bei einem Sportereignis der absolute Held auf dem Platz zu sein.
Robs Mutter meint zwar, dass das keine so gute Idee wäre, zumal Rob sich bei bisher jedem Sportfest der Schule beim Eierlaufen ausgeklinkt und das mit den Worten “Eierlaufen ist viel zu gefährlich” begründet habe.
Was Rob lautstark leugnet. Obwohl…wenn er sich so recht erinnert…

Die Idee des Großvaters setzt sich schließlich durch, denn das große Fußballturnier der Schule (das diese immer zweistellig verliert) steht an und es wird noch ein Torwart gesucht.
Das Fußballtraining beginnt.
Der Torwarttrainer verzweifelt….

Ich habe während des Lesens so viel gelacht. Barry Jonsberg hat einen so trockenen Humor, dass ich während des Lesen ständig ein Grinsen im Gesicht hatte und nicht an mich halten konnte: Ich musste an so vielen Stellen laut lachen und es war mir vollkommen egal, dass mich die anderen Fahrgäste in der Straßenbahn das ein oder andere Mal schräg angeschaut haben. Am liebsten hätte ich meinen Mitfahrern diverse Stellen laut vorgelesen.

Dass der australische Autor richtig gut schreiben kann wusste ich schon vor dieser lektüre, zumal mich sein Buch “Das Blubbern von Glück” sehr glücklich gemacht hat. Und nicht nur mich: Es war bei Erscheinen eines unser Lieblingsbücher in der Buchhandlung.

Schon damals zeigte Jonsberg, dass er intelligent schreiben kann und einen hintergründigen Witz besitzt.
Mit “Was so in mir steckt” hat er sich jedoch selbst übertroffen und zeigt, dass ihm in Sachen Ironie keiner so schnell etwas vormacht.
Das Besondere jedoch ist, dass der Humor nie kippt. Jonsberg legt seinen Figuren keine gemeinen Worte in den Mund. Seine Anspielungen bleiben immer liebevoll, egal wie unangebracht sich ein Charakter auch verhält.

Wenn es uns gelingen würde, dies ins wahre Leben zu transportieren, wären so manche Situationen vielleicht einfacher zu handhaben.
Nicht mit Gemeinheit und Hass auf andere zu reagieren und für sich selbst den Humor zu bewahren, sind vielleicht auch die wichtigsten Anliegen dieses Romans.

„Was so in mir steckt” ist aber vor allem ein wahnsinnig witziges Buch und ich habe mir die Seiten wirklich eingeteilt um länger etwas davon zu haben.
Man denke da nur zum Beispiel an den Dialog zwischen Rob und dem Torwarttrainer:

“Der Strafraum gleicht einem Kriegsgebiet. Du musst unglaublich mutig sein. Stell Dir vor, ein Fifty-fifty-Ball kommt auf dich zu.”
Ich versuchte es, da ich jedoch keine Ahnung hatte, was ein Fifty-fifty-Ball war (halb Ball, halb etwas anders?), gelang es mir nicht, weshalb ich nur nickte.
“Der Mittelstürmer kommt angeprescht, entschlossen, dir den Ball wegzuschnappen. Er ist riesig und fies und hat nur eins im Sinn: dieses Tor zu schießen.
Was tust Du in einer solchen Situation?”
Ich dachte: Wer bin ich, dass ich ihm im Weg stehe, wenn es ihm so viel bedeutet?

Oder an die SMS-Dialoge zwischen Rob und seinem rechtschreibresistenten Freund Andrew, oder an Robs Ansichten zum Golfsport und seinen Überlegungen, ob Golfschläger sich erkälten können. (Wahrscheinlich schon, weshalb würde man ihnen denn sonst Schutzmützen aufsetzten, wenn sie in der Tasche auf ihren Einsatz warten…)

Aber hinter so mancher witziger Episode verbirgt sich mehr und mit dem Ende des Romans hätte ich nie gerechnet. Die Art und Weise wie hier mit den Emotionen des Lesers gespielt wird ist einzigartig.
Was Jonsberg hier leistet schaffen nur wenige Autoren. Und auch deshalb ist dieser Roman eines meiner Lieblingsbücher des Jahres.

Meiner Ansicht nach ist “Was so in mir steckt” ein Buch für uns alle und sollte nicht nur in der Jugendbuchabteilung (theoretisch ist dieser Roman ab 13) zu finden sein, sondern auch bei den Romanen für Erwachsene.
Manchmal finde ich diese Unterteilung zwischen Jugend- und Erwachsenenliteratur wirklich unangebracht.
Und welcher Buchhändler kennt ihn nicht, den gefürchteten Kundenwunsch “Ich hätte gerne etwas Lustiges.”
Klar, natürlich muss man erst einmal herausfinden, über welche Art von Humor der Kunde lacht. Aber wenn man denkt, dass “Was so in mir steckt” passen könnte und der Kunde dann feststellt, dass man das Buch aus der Jugendbuchabteilung geholt hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er oder sie es nimmt, nicht mehr ganz so groß.
Das finde ich schade. Man verpasst etwas.

Was ich mir wünsche ist mehr Offenheit. Und das ist sicherlich etwas, was Barry Jonsberg genau so unterschreiben würde.
Lest das Buch, dann wisst ihr warum.

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ISBN: 978-3-570-16553-9
Verlag: cbj
Erscheinungsjahr: 2019
Seiten: 352
Preis: 18, 00 €


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