Neil Smith: “Das Leben nach Boo” 

Neil Smith: “Das Leben nach Boo” 

Bei Büchern, in welchen es um das Jenseits geht, bin ich eigentlich immer etwas skeptisch. Doch dann kam “Das Leben nach Boo” – ein Buch, welches mit einer Idee aufwartet, die abgefahren, unsentimental und einfach genial ist.

Boo ist dreizehn Jahre alt, als er in einem Raum aufwacht, der ihm vollkommen unbekannt ist. Neben ihm sitzt ein Mädchen in seinem Alter, das ihn aufklärt: Er sei in seiner alten Welt gestorben und nun im “Himmel” – dieser sieht allerdings ganz anders aus, als Boo sich das immer vorgestellt hat:
In seinem neuen Zuhause leben ausschließlich Jungen und Mädchen in Boos Alter, die äußerlich niemals älter werden. Sie bleiben ihr ganzes jenseitiges Leben 13 Jahre alt und verschwinden, sobald sie 50 Jahre im Jenseits gewesen sind.

Wichtig ist vielleicht, dass sich in Boos neuer Welt nur amerikanische Jugendliche befinden, was nahe legt, dass es vielleicht noch ganz viele andere Orte gibt, an welchen Menschen in dem Alter leben, in dem sie gestorben sind. Aber wer weiß das schon.

Besonders ist jedenfalls, dass alle in ganz normalen Unterkünften leben und es keinerlei Verkehr gibt – was ja eigentlich klar ist, denn mit 13 kann man ja nicht Auto fahren. Alle fahren ausschließlich Fahrrad.
Es gibt weder Telefone, noch Supermärkte, oder Zeitungen, aber es gibt etwas anderes:
Es gibt Zig. Zig sorgt für die Jugendlichen und schickt immer Lieferungen mit Nahrung (nur gesunde Dinge, keinen Kaugummi und keine Süßigkeiten) in die Stadt.

Darunter befinden sich manchmal auch kuriose Dinge, wie zum Beispiel ein Parfum. Warum, weiß niemand. Allerdings können die Bewohner der “Stadt” so erfahren, wie sich die Welt in den Jahren verändert hat. So bekommen sie zum Beispiel ein Exemplar der Fachzeitschrift Science aus dem Jahr 1979, was Boo, der sich sehr für die Wissenschaft interessiert freut.

Boo jedenfalls ist von Anfang an klar, warum er gestorben ist: Er hatte ja ein löchriges Herz, es war sowieso sicher, dass er nicht alt werden würde.
Daher wundert sich Boo stark, als ein anderer Junge aus seiner Schule in der Stadt ankommt und berichtet, wie Boo wirklich gestorben ist.

Zunächst dachte ich ja zugegebenermaßen, dass sich das Ganze eher wie ein Jugendbuch anhört, doch dies ist nicht der Fall. Natürlich ist der Protagonist jugendlich und auch die Ausdrucksweise der Figuren ist auf dem Stand von 13jährigen, was natürlich daran liegt, da es in “Der Stadt” keine Erwachsenen gibt, an welchen sie sich orientieren könnten.
Allerdings hat sich auch diese Art der  Gesellschaft weiterentwickelt und eigene Bräuche geschaffen, wie zum Beispiel den, dass es einmal im Jahr Aufführungen gibt, bei welchen die JuMos (eine Art Selbsthilfegruppe für Jugendliche, die ermordet worden sind) ihren Tod inszenieren, um diesen besser verarbeiten zu können.
Es geht eben nicht nur lustig zu in dieser neuen Welt.
Zwar hat Zig alle mit ein bisschen mehr Selbstvertrauen ausgestattet, aber manchmal reicht das eben nicht, um vergessen zu können, was in der alten Welt geschehen ist, oder wie man in der alten Welt gewesen ist und was man sein Leben lang ertragen musste – wie Boo.

Was dieses Buch auszeichnet ist seine Unsentimentalität und sein feiner, trockener Humor, welchen ich sehr genossen habe.
Die etwas dumme Sandy Goldberg  zum Beispiel (Zig macht die Kinder in der Stadt immer etwas klüger, als sie es auf der Erde waren, aber das “ein bisschen” hat bei Sandy leider auch nicht viel geholfen), ist in ihrem vorigen Leben an ihrer Erdnussallergie erstickt. Beim Halloweenfest in der Stadt geht sie als Riesenerdnuss aus Filz. Das ist konsequent.

Ich bewundere Neil Smith für seine grenzenlose Phantasie und hatte viel Vergnügen in seiner Version des Jenseits, die wirklich originell ist.

» zur Leseprobe

P.S.: Dieses Buch ist in 11 unterschiedlichen Farben erhältlich.


ISBN:  978-3-89561-496-5
Verlag: Schöffling & Co
Erscheinungsjahr: 2017
Übersetzung:  Brigitte Walitzek
Preis: 24,00 €


Das könnte Dir vielleicht auch gefallen:

4 thoughts on “Neil Smith: “Das Leben nach Boo” 
masuko13

Ich lese das Buch gerade und bin mehr und mehr begeistert – mit jeder neuen Seite. Auch ich hatte den Roman vorerst mit Skepsis betrachtet. Bewundere aber mehr und mehr die Phantasie des Autors. Und Boo ist natürlich ein großartiger Held. Danke für deine tolle Rezension und schöne Grüße, Jacqueline!

    Friederike

    Ich freue mich sehr, dass Du ebenfalls angetan bist!

    Viele Grüße,
    Friederike

Pingback: Neil Smith | DAS LEBEN NACH BOO – Bookster HRO
Marco Sigrist

Ich habe noch nie einen solchen Schrott gelesen, und ich kann nicht begreifen, dass hierfür sogar Buchpreise ausgerichtet werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: