Yotam Ottolenghi und Sami Tamimi: “Jerusalem – Das Kochbuch”

Yotam Ottolenghi und Sami Tamimi: “Jerusalem – Das Kochbuch”

Als ich noch nicht im Kochfieber war, habe ich mir die Ottolenghi-Zutatenlisten angeschaut und mich gefragt, wer denn freiwillig so einen Aufwand bei der Nahrungszubereitung betreibt.
Inzwischen weiß ich, dass eine umfangreichere Zutatenliste zumeist an den vielen Gewürzen liegt und eben nicht mit einem erhöhten Aufwand gleichzusetzen ist, sondern eigentlich nur eins bedeutet:
Mehr Aromatik und mehr Genuss.

Super!

Nachdem ich durch Yotam Ottolenghis Kochbuch “Simple” (in welchem die Gerichte mit weniger Zutaten auskommen) einen meiner absoluten Lieblingssalate (“Tomatensalat mit Tahin und Za´atar”) entdeckt habe, war ich angefixt und sah mich in der Lage, es mit etwas komplexeren Rezepten aufzunehmen.
Da mir eine Kollegin und mehrere Kunden von Ottolenghis “Jerusalem” vorschwärmten, fiel die Wahl auf eben dieses Kochbuch.

Schnell stellte ich fest, dass die Zutatenlisten eigentlich gar nicht so lang sind.
Was diese Listen umfangreich erscheinen lässt sind zumeist die Gewürze wie Kardamom oder Zimt, oder Kräuter, wie Petersilie.
Einige Gewürze und zum Beispiel Tahin (Sesammus) hatte ich mir ja eh schon für “Simple” und zum Zubereiten von Gerichten aus Meera Sodhas “Original indisch” angeschafft.
Alles also gar nicht so kompliziert!
Prima!

Das erste Gericht, das ich zubereitet habe heißt “Balilah”.

Balilah

Es handelt sich hierbei um einen sehr beliebten palästinensischen Imbiss, den man warm, aber auch kalt essen kann.
Das Tolle ist, dass ich fast alle Zutaten Zuhause hatte, denn Balilah besteht eigentlich nur aus Kichererbsen, Petersilie, Zitronen, Frühlingszwiebeln (die musste ich kaufen) und Kreuzkümmel.

Zwar kann man es sich einfach machen und eine Dose Kichererbsen kaufen, aber Yotam Ottolenghi empfiehlt im Text zum Rezept, getrocknete Kichererbsen mit Backnatron am Abend vor der Zubereitung einzuweichen und sie dann am nächsten Tag zu kochen.
Das habe ich auch gemacht – und kaufe jetzt nie mehr Kichererbsen in der Dose.
Frisch gekocht schmecken sie viel besser!

Bis auf die Kichererbsen, wird dann alles gehackt (ja, auch das Zitronenfleisch!) und miteinander vermischt. Dann kommen Kreuzkümmel, Olivenöl, Salz und Pfeffer dazu und zack, schon ist das Gericht fertig. Wer will kann noch Gurken, oder Tomaten, oder Feta untermischen.
Ich mache mir am Abend immer etwas mehr und habe dann etwas Leckeres für die Mittagspause.

Ebenso lecker, allerdings etwas komplexer (sowohl vom Aroma her, als auch von der Zubereitung) ist der Salat von geröstetem Blumenkohl mit Haselnüssen.

Salat von geröstetem Blumenkohl mit Haselnüssen


Dass ich Blumenkohl immer vollkommen zu Unrecht unterschätzt habe, weiß ich seit ich ihn nach Meera Sodhas Rezept mit Kreuzkümmel und Kurkuma im Ofen zubereitet habe.
Daher dachte ich mir, es könnte nicht schaden, Blumenkohl auch mal in einer anderen Variante zu probieren.Für diesen Salat wird der in Röschen zerteilte Blumenkohl mit Olivenöl, Salz und Pfeffer gemischt und auf einem Backblech in den Ofen geschoben.
Ist er fertig, streut man ganze Haselnüsse auf ein weiteres Blech und röstet sie im noch warmen Backofen. Anschließend werden sie grob gehackt.Dann mischt man den Blumenkohl und die Haselnüsse mit den restlichen Zutaten.
Das heißt mit dem in Stückchen geschnittenen Staudensellerie (ich würde mir ja sehr wünschen, die Staudenselleriestangen einzeln kaufen zu könnte, denn ein ganzer Staudensellerie ist irgendwie immer zu viel), Ahornsirup, Zimt, Piment, Essig (im Rezept steht eigentlich Sherryessig, da ich keinen habe, habe ich einfach Rotweinessig genommen), Granatapfelkernen (kann man meiner Ansicht nach auch weglassen), Salz, Pfeffer und Olivenöl.
Fertig!Ich hätte nicht gedacht, dass diese Mischung so lecker ist.
Super!

Rote-Bete-Püree mit Joghurt und Za´atar

Durch Ottolenghis “Simple” habe ich ja die Gewürzmischung Za´atar (aus wildem Thymian, Sumach, geröstetem Sesam, Salz und eventuell anderen Gewürzen) lieben gelernt.

In “Jerusalem” befinden sich auch zwei Rezepte, in welchen diese Mischung verwendet wird. Zum einen ist das der “Butternuskürbis mit Tahini-Sauce & Za’atar”, der sehr lecker war (Kürbis, Tahin, Za’atar…was soll daran bitte nicht schmecken?!) und zum anderen ist das Rote-Bete-Püree mit Joghurt und Za´atar.

Zunächst gart man die in Alufolie eingewickelten Rote-Bete-Knollen im Ofen und lässt sie danach abkühlen.
Anschließend werden die geschälten Knollen mit einer Chilischote, Knoblauch und griechischem Joghurt püriert.
Schließlich mischt man das entstandene Püree mit Dattelsirup (Yotam Ottolenghi schreibt, dass man stattdessen auch Ahornsirup nehmen kann – ein toller Tipp, denn damals hatte ich noch keinen Dattelsirup), Olivenöl, Salz und natürlich Za´atar.
Wer will streut noch Frühlingszwiebeln, gehackte Haselnüsse und Ziegenkäse darüber.
Da ich keinen Ziegenkäse mag, habe ich einfach Feta verwendet und war mit dem Geschmackserlebnis mehr als zufrieden.

Inzwischen habe ich schon viele Rezepte aus diesem Kochbuch nachgekocht und bis auf die Tatsache, dass ich festgestellt habe, dass Okraschoten nichts für mich sind (auch nicht, wenn sie mit Tomaten, Knoblauch und eingelegter Zitrone kombiniert werden), waren alle Gerichte richtig gut.

Zum Beispiel diese hier:

Gebackene Süßkartoffeln & frische Feigen

…hätte ich nie ausprobiert, wenn nicht jemand frische Feigen zum Mitnehmen in unseren Pausenraum bei der Arbeit gelegt hätte.
Ich weiß nicht, von wem sie waren, aber bedanke mich nachträglich ganz herzlich dafür!

Dip aus Butternusskürbis & Tahini

Hier bei Yotam Ottolenghi:

Und hier bei mir:

Hähnchen mit karamellisierten Zwiebeln & Kardamomreis

Nicht nur superlecker, sondern auch super einfach, zumal der Reis zusammen mit dem Hähnchen in einer Pfanne (mit Deckel) gegart wird.

Das Schöne an diesem Buch ist natürlich auch, dass es nicht nur eine Aneinanderreihung von Rezepten ist, sondern einen mit auf die Reise durch Jerusalem nimmt und man zum Beispiel erfährt, wie einige traditionelle Gerichte entstanden sind.
Besonders toll finde ich, dass Yotam Ottolenghi zu jedem Rezept eine kleine Einleitung verfasst hat. in diesem erzählt er zum Beispiel, welche Erinnerungen ihn mit dem Gebäck “Ghraybeh” verbindet, oder dass Mangold eines der beliebtesten Blattgemüse Jerusalems ist.

Man kann sich mit diesem Buch auch einfach nur auf den Balkon setzen und darin herumlesen, zumal man wirklich viel über die Stadt und ihre kulinarischen Highlights erfährt.
Sie nicht nachzukochen wäre allerdings ein Fehler, denn dieses Kochbuch eröffnet eine neue Aromenwelt.
Zumindest war das bei mir der Fall.

Ich weiß jetzt allerdings, dass mein Geldbeutel in nächster Zeit etwas strapaziert werden wird, denn Yotam Ottolenghi hat noch einige weitere Kochbücher geschrieben und im Herbst erscheint schon wieder ein Neues.
Es heißt “Flavour” – und ruft schon sehr laut nach mir.

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ISBN: 978-3-8310-2333-2
Verlag: Dorling Kindersley
Erscheinungsjahr: 2013
Seiten: 320
Preis: 29,95 €


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