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Alex Gino: “George”

In vielen Kinderbüchern geht es ums Anderssein, ums Nichtdazugehören.
So auch in diesem, doch George gehört nicht einfach nur nicht dazu, George ist wirklich ganz anders, als die anderen und das will sie endlich allen zeigen.

George ist zehn Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter und ihrem älteren Bruder Scott in den USA.
Wenn sie von der Schule nach Hause kommt, lauscht sie immer genau, ob niemand zu Hause ist und wenn dies der Fall ist, dann freut sie dich, denn dann hat sie Zeit sich ihren geheimen Freundinnen zu widmen, die sie im Schrank versteckt hat.

Es handelt sich hierbei natürlich nicht um reale Personen – ihre Freundinnen sind Mädchenzeitschriften, die George im Altpapier gefunden hat. Niemand darf davon wissen, besonders Georges Mutter nicht.
Als Scott sie schließlich doch mit den Zeitschriften erwischt, denkt George, dass er geliefert ist. Alle werden es erfahren, doch Scott denkt in eine viel männlichere Richtung: Er glaubt, dass George sich die Mädchen anschaut, weil er in sie verliebt ist, weil er sie ihn anmachen.

Doch das ist nicht der Fall, denn George will nichts anderes, als zu ihnen gehören, ihre Freundin sein. Denn ihr größter Wunsch ist es, ein Mädchen zu sein – nein eigentlich weiß sie schon längst, dass sie ein Mädchen ist. Nur ihre Umwelt hat davon keine Ahnung und die Frage ist auch, ob diese es akzeptieren würde.

Vielleicht bietet sich ja bei der Schulaufführung eine Gelegenheit, denn Georges Klasse studiert gerade das Theaterstück “Wilbur und Charlotte” von E.B. White ein, in dem es um die Freundschaft zwischen einem ungestümen Schwein (Wilbur) und einer klugen Spinne (Charlotte) geht.
Nichts wünscht sich George mehr, als die Rolle der Charlotte zu bekommen, obwohl eigentlich klar ist, dass nur die Mädchen für die Rolle der Charlotte vorsprechen dürfen.
Doch sie probt mit ihrer Freundin Kelly die Rolle der Charlotte und macht es wirklich gut.
Als der Tag des Vorsprechens gekommen ist, ist George aufgeregt und hofft sehr auf die Toleranz seiner Lehrerin. Hofft sie umsonst?

Toleranz, das ist das Thema dieses Kinderbuches, das mich sehr berührt hat.
George ist schon in jungen Jahren klar, dass sie ein Mädchen ist und dies ist nicht nur eine Phase. Ihr ist bewußt, dass sie im falschen Körper geboren wurde.
Da ihre Mutter schon auf die Mädchenzeitschriften nicht gut zu sprechen ist, hat George noch mehr Angst, ihr zu gestehen, dass sie sich nicht als Junge sieht.
Sie hat Angst nicht ernst genommen zu werden – zu Recht, wie sich herausstellt.

Auch ihrer besten Freundin Kelly gegenüber wagt George ein Outing nicht, obwohl es ihr ständig auf der Zunge liegt und sie sich nichts sehnlicher wünscht als Akzeptanz.
Sie ist ein Transgendermädchen, das von der Außenwelt als Junge wahrgenommen wird.

“George” ist ein Buch das Mut macht. Mut, zu sich selbst zu stehen, man selbst zu sein, egal, was die Umwelt von einem halten wird.
Alex Gino selbst ist ebenfalls transgender und stellt vor ein paar Jahren fest, dass es zwar einige Kinderbücher zum Thema Homosexualität, doch nichts zum Thema Transgender gab. Für diese Kinder wollte Gino ein Buch schreiben, ein Buch, mit welchem sie sich identifizieren können, ein Buch, das zeigt: Hey, Du bist nicht alleine mit Deinen Gefühlen!
Also begann Alex Gino zu schreiben und heraus kam “George”, für welches Gino den  Stonewall Book Award 2016 erhielt.

Ich habe “George” sehr gerne gelesen, es ist ein ruhiges und sehr einfühlsames Buch, das einen dazu anhält, mehr auf die Gefühle anderer einzugehen, mehr Rücksicht zu nehmen und nicht in Schubladen zu denken.
Es zeigt, wie wichtig Freunde sind, sie einen so annehmen, wie man ist und einen in seinen Entscheidungen bestärken.
Dies ist für mich ein Grund, weshalb dieser Roman so besonders ist und ein weiterer, dass Alex Gino auf eine hippe Sprache vollkommen verzichtet. Er schreibt ganz “klassisch”, nichts ist geil und cool. Gino schreibt zeitlos und das schätze ich sehr.

Ab 10 Jahren.

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ISBN: 978-3-7373-4032-8
Verlag: Fischer
Erscheinungsjahr: 2016
Übersetzung: Alexandra Ernst
Preis: 14,99 €


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