Fiona Barton: „Der Trip“

Fiona Barton: „Der Trip“

Fiona Barton ist Journalistin, hat lange als Gerichtsreporterin gearbeitet und ist mit dem British Press Award ausgezeichnet worden.
Sie weiß, wie die “Yellow Press” funktioniert – und wie man den Leser bei der Stange hält.
Das habe ich selbst erfahren: Einmal begonnen, konnte ich diesen “Trip” nicht mehr aus der Hand legen.

Nach dem Abi erstmal auf Reisen zu gehen, das ist der Traum von Alex. Gemeinsam mit ihrer Freundin Mags möchte sie nach Thailand und plant diesen Trip minutiös. Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude.
Dann macht Mags plötzlich einen Rückzieher, denn ihr ist das Ganze doch zu teuer.
Alex ist am Boden zerstört. Wofür hat sie denn jetzt in allen Ferien im Supermarkt Regale eingeräumt? Für nichts und wieder nichts…?!

Da meldet sich Rosie, ein Mädchen, das die gleiche Schule besucht und sagt, dass sie gerne anstatt Mags mit Alex nach Thailand reisen möchte.
Zwar kennt Alex Rosie nicht wirklich gut, aber das ist ihr egal. Hauptsache, sie kann sich ihren Traum erfüllen.

Die Reise scheint auch super zu laufen, denn auf Facebook postet Alex glückliche Urlaubsbilder von sich und Rosie nach der Landung in Bangkok. Prima.
Ihre Eltern freuen sich für sie. Sie lebt ihren Traum.
Doch dann melden sich die beiden Mädchen plötzlich nicht mehr…..

Was mir besonders gefallen hat ist, dass Fiona Barton das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven (Alex, Kate (Journalistin), Lesley (Alex´Mutter) und Bob Sparkes (Polizist)) beleuchtet.
Einmal ist da die Journalistin Kate, deren Sohn Jake seit zwei Jahren in Thailand herumreist und extrem selten etwas von sich hören lässt. Sie hatte gehofft, dass er an Weihnachten heimkommen würde und ihm ein Flugticket besorgt. Doch Jake hat es nicht benutzt.
Er, ihr eloquenter Lieblingssohn, den sie insgeheim schon als Staranwalt gesehen hat…

Als Kate von den beiden verschwundenen Mädchen hört, ist ihr klar, dass das die Chance für sie ist, nach Thailand zu reisen. Unter dem Deckmantel der Reportage über die Mädchen, möchte sie sich umzuhören.
Vielleicht findet sie ja jemanden, der weiß, was Jake in Bangkok so treibt.
Klar, die Chancen sind minimal, aber versuchen kann sie es ja.

Des Weiteren erfahren wir von Lesley (Alex´ Mutter), wie der Umschlag mit den Abiturnoten ihrer Tochter ankommt und sie minütlich auf deren Anruf wartet. Gemeinsam wollen sie diesen öffnen, während sie telefonieren. Lesley musste Alex versprechen auf gar keinen Fall vorher hineinzuschauen.
Doch der vereinbarte Anruf bleibt aus und auch eine Woche später gibt es kein Lebenszeichen von Alex und Rosie.

Die Polizei vertröstet Lesley und ihren Mann immer wieder. Die Mädchen würden doch bestimmt am Strand liegen und einfach alles andere vergessen haben. Das passiert doch so oft, wenn junge Leute unterwegs sind.
Ja, gut, das kann sein.
Aber es geht um Alex Abiturnoten, die ihr extrem wichtig sind.

Auch der Polizist Bob Sparkes macht sich Sorgen. Allerdings nicht wegen des Verschwindens der Mädchen, sondern weil die Eltern nicht abgewartet haben, wie man es ihnen geraten hat.
Sie haben eine Facebook-Kampagne gestartet haben. Na super.
Klar, vielleicht werden Leute, die neben Alex und Rosie am Strand sitzen dann auf diese aufmerksam.
Allerdings auch “ […] alle Spinner und Selbstdarsteller auf dem Planeten, die geheucheltes Mitgefühl und gefakte Sichtungen verbreiten, nur um Teil des Dramas zu sein.”
Naja, jetzt ist es eh zu spät….

Und dann gibt es da noch Alex selbst, die uns erzählt, was in Bangkok wirklich abläuft.
Sagen wir es so: Die Differenz zwischen ihren Social-Media-Posts und der Wirklichkeit könnte größer nicht sein…

Im Februar ging für mich es ein bisschen so weiter, wie im Januar: Ich hab gefühlt alle Bücher angelesen, die ich schon lange lesen wollte – und sie alle wieder weggelegt.
Schon wieder war es da: Das Leseloch.
Selbst bei Ferdinand von Schirachs “Verbrechen” (in meinem Regal seit 2009) habe ich gedacht “och ja…” und habe es wieder zugeklappt. Vielleicht, weil es sich um kurze Fälle handelte. Was weiß ich.

Wenn mir so gar nichts gefallen will, greife ich immer zu einem Kinderbuch, oder zu einem Kriminalroman. So auch in diesem Fall.
“Der Trip” hatte ich vor ein paar Wochen schon einmal angelesen (zugegebenermaßen nur vier Seiten) und mir für später aufgehoben. Daher dachte ich, dass diese Lektüre vielleicht etwas sein könnte. Einen Versuch war es ja wert. Mehr als dass ich meinen eReader wieder ausschalte, konnte ja nicht passieren.
Das war allerdings nicht nötig, denn ich lag den ganzen Nachmittag auf dem Sofa und habe mitgefiebert, was sich in Bangkok als nächstes ereignen wird.

Der Ort der Handlung war es, der mich besonders gereizt hat. Ich fühlte mich (rein vom Klappentext her) etwas an Alex Garlands Roman “Der Strand” erinnert.
Ein spannendes Buch, das ebenfalls in Thailand spielt und das ich vor 22 Jahren(…ist das wirklich schon so lange her…?) gelesen habe.
(…und das nur noch in englische Sprache oder antiquarisch lieferbar ist.)

Sowohl in “Der Strand” (der im Jahr 2000 mit Leonardo DiCaprio verfilmt wurde), als auch in “Der Trip”, geht es um Backpacker, die sich ins Abenteuer stürzen – und einen Alptraum erleben.
Beide Bücher habe ich quasi in einem Rutsch gelesen.

Allerdings geht Fiona Bartons “Trip” über die Backpacker-Thematik hinaus, denn wir erfahren hier auch viel darüber, was passiert, wenn die Yellow Press-Meute eine Story wittert.
Im Sommerloch ist jede Meldung willkommen. Jeder Reporter giert nach einer Schlagzeile und ist bereit, alles dafür zu geben. Dass Freundschaft untereinander da schnell keine Rolle mehr spielt, erfährt die Kate früher, als es ihr lieb ist.

Des Weiteren greift Fiona Barton eine Thematik auf, über die ich schon so manches Buch (wie zum Beispiel “Was ich euch nicht erzählte” von Celeste Ng) gelesen habe.
Es geht um die bewussten und unbewussten Erwartungen von Eltern an ihre Kinder.
Ein spannendes Thema – verpackt in einem spannenden Krimi.
Super!

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P.S.: Für Nachschub habe ich schon gesorgt. Fiona Bartons Bestseller “Die Witwe” liegt bereits auf meinem Nachttisch.


ISBN: 978-3-8052-0008-0
Verlag: Rowohlt
Erscheinungsjahr: 2020
Übersetzung: Sabine Längsfeld
Seiten: 512
Preis: 16,00 €


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2 thoughts on “Fiona Barton: „Der Trip“
Melanie

Huhu Friederike,

danke für deine tolle Rezi.
„Der Strand“ von Alex Garland gehört zu meinen Lieblingsbüchern, von daher wandert jetzt auch „Der Trip“ auf meine Merkliste.
Ich mag es auch, wenn im Buch die Erzählperspektiven verändert werden, von daher bin ich jetzt gespannt wie das Buch mir gefallen wird.

Liebe Grüße sendet dir Melanie

Friederike

Ciao Melanie,

dann bin ich mal auf Deine Meinung gespannt!
Und ich nehme mal an, dass Deine Merkliste genauso lang ist, wie meine…:)

Viele Grüße,
Friederike

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