Das Literarische Quartett – Die Bücher der Sendung vom 14.Oktober 2016

Das Literarische Quartett – Die Bücher der Sendung vom 14.Oktober 2016

Kaum bin ich aus dem Urlaub zurück, stelle ich fest, dass das Literarische Quartett vorverlegt worden ist und nun bereits am kommenden Freitag stattfindet.
Gast der Sendung ist dieses Mal der Schriftsteller Thomas Glavinic, dessen Buch “Der Jonas-Komplex” überraschenderweise (für mich zumindest) nicht auf der diesjährigen Longlist des Deutschen Buchpreises gestanden hat.

Die kommende Sendung scheint jedenfalls unter dem Einfluss des Buchpreises gestanden zu haben, denn es werden gleich zwei Titel besprochen, die auf der Shortlist stehen: “Skizze eines Sommers” von André Kubiczek und “Die Welt im Rücken” von Thomas Melle.
Ob ich das jetzt gut finde? Nun ja, laut hurra rufe ich jetzt nicht, denn diese beiden Titel bekommen ja schon ohnehin mehr Aufmerksamkeit durch die Shortlistnominierung, da wäre eine Besprechung im Quartett jetzt, so empfinde ich es, nicht unbedingt nötig gewesen.
Aber andererseits: Wenn die Titel die Kritiker mitgerissen haben, warum sollte dann nicht darüber gesprochen werden und es stehen ja noch zwei weitere Titel zur Diskussion.

Um diese Bücher wird es gehen:

Ismail Kadare: “Die Dämmerung der Steppengötter”

kadare

Der albanische Schriftsteller Ismail Kadare ist für mich, wie in jedem Jahr, ein heißer Kandidat für den Literatur-Nobelpreis, der ja einen Tag vor der Sendung, also am 13.Oktober, bekannt gegeben werden wird.
Den Man-Booker International Prize hat Kadare, in dessen Romanen das Leben in totalitären Regimen eine große Rolle spielt, 2005 verliehen bekommen.

In “Die Dämmerung der Steppengötter” schreibt er über seine Zeit als Student am Maxim-Gorki-Literaturinstitut in Moskau Ende der 50er Jahre, der Zeit der Hetzkampagne gegen Boris Pasternak, der ja den Literaturnobelpreis nicht entgegennehmen durfte.
Ismail Kadare schreibt darüber, wie enttäuscht er war, im Sowjetreich überwiegend auf Schriftsteller zu treffen, die mit der Regierung konform sind und sich gegenseitig bespitzeln.
Kadares Studium in Moskau wurde übrigens 1960 beendet, denn Albanien brach in diesem Jahr seine politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zur Sowjetunion ab.

Das klingt hochinteressant. Da werde ich auf jeden Fall einmal hinein lesen.

Ich kann mir vorstellen, dass entweder Maxim Biller, oder Volker Weidermann dieses Buch vorstellen werden.

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John Burnside: “Wie alle anderen”

Wie alle anderen von John Burnside

Vor ein paar Jahren habe ich “Die Spur des Teufels” von John Burnside gelesen und erinnere mich daran, dass ich leider nicht so wirklich warm mit diesem Buch geworden bin.
Im vergangenen Jahr versuchte ich es mit “In hellen Sommernächten” (dieses Buch ist bereits vergriffen) und auch hier blieb ich ambivalent.

Seit Jahren steht bei mir “Lügen über meinen Vater” im Regal und irgendwie denke ich immer, dass ich es endlich einmal lesen sollte, denn ich habe den schottischen Autoren für mich noch nicht aufgegeben. Vielleicht habe ich seine Bücher einfach nur zu einem für mich falschen Zeitpunkt zu lesen begonnen.

In “Wie alle anderen” geht es darum, dass Burnside genau den Lebensweg eingeschlagen hat, den er eigentlich vermeiden wollte – den seines Vaters, welchen Burnside selbst zutiefst verachtet. Dieser weigerte sich stets Verantwortung für seine Handlungen zu übernehmen, nahm Drogen, war dem Alkohol nicht abgeneigt und log.
Burnside selbst fühlt sich ganz unten, beschließt, dass es so nicht weitergehen kann und versucht nun ein bürgerliches Leben zu führen.

Ich habe so das Gefühl, dass es nicht schlecht wäre, wenn man zuerst “Lügen über meinen Vater” gelesen hätte, da er ja in diesem Buch seinen Vater beschreibt, aber ich kann mich da auch vollkommen täuschen.

Wer dieses Buch vorstellen wird? Vielleicht Thomas Glavinic oder Maxim Biller.

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André Kubiczek: “Skizze eines Sommers”

skizze

Dieser Roman hat es auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft.
Es geht um René und seine drei Freunde, die 1985 gemeinsam einen Sommer erleben, in welchem ihnen mehr Geld zur Verfügung steht, als sie je gedacht hätten. Renés Vater ist in die Schweiz verreist und hat seinem Sohn tausend Mark zur freien Verfügung da gelassen.
Die Jungs verbringen einen Sommer, in welchem sie in Cafés rumgammeln, die Disko besuchen, sich verlieben und einfach das sind was sie sind: Jung.

Der Inhalt dieses Buches erinnert mich etwas an Wolfgang Herrndorfs “Tschick” gepaart mit “Auerhaus” von Bov Bjerg von dem doch alle vier Kritiker des Quartetts so begeistert waren.
Mich persönlich macht dieses Buch zwar so gar nicht an, denn ich habe das Gefühl diese Thematik schon x-Mal gelesen zu haben, aber vielleicht täusche ich mich ja auch und es ist richtig toll.

Ruth liest und Fräulein Julia waren jedenfalls sehr angetan und ich könnte mir vorstellen, dass Christine Westermann dieses Buch vorstellen wird.

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Thomas Melle: “Die Welt im Rücken”

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Nachdem ich das Interview mit Thomas Melle im Spiegel gelesen hatte stand für mich fest, dass ich dieses Buch, in dem Melle von seiner bipolaren Störung (Manische Depression) schreibt, unbedingt lesen mußte.

Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch, denn “Die Welt im Rücken” hat bei mir nicht gezündet, hatte ich doch eher das Gefühl, ein Sachbuch über die Krankheit denn einen Roman zu lesen, weshalb mich die Nominierung für den Deutschen Buchpreis doch sehr verwundert hat.
Außer mir sind jedoch fast alle begeistert von diesem Buch. Geschmäcker sind eben verschieden.

Dies ist nicht Thomas Melles erste Bekanntschaft mit dem Deutschen Buchpreis. Sein Debütroman “Sickster” stand 2011 auf der Longlist und 2014 schaffte es sein Buch “3000 Euro” auf die Shortlist. Außerdem ist Melle ein viel gespielter Theaterautor.
Ich habe allerdings so das Gefühl, dass seine Bücher zwar bei den Kritikern des Buchpreises beliebt sind, dass sie jedoch bisher beim Leser und im Buchhandel nicht so richtig ankamen.
Seine früheren Bücher sind mir im Buchhandel eher selten oder eben nur zur Zeit der jeweiligen Nominierung für den Buchpreis begegnet. Außerhalb dieser Zeit haben sie, jedenfalls habe ich das so beobachtet, keine große Rolle gespielt.
Vielleicht ändert sich dies ja jetzt mit diesem doch sehr persönlichen Buch. Wir werden es sehen.

Ich könnte mir vorstellen, dass Thomas Glavinic dieses Buch ausgesucht hat.

Mehr zum Buch schreiben Ruth liest, Buchrevier und Literaturen.

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Insgesamt kann ich sagen, dass mich die Auswahl dieser Sendung jetzt nicht vom Hocker reißt, aber mich auch nicht vollkommen enttäuscht.
Auf Kadare und Burnside bin ich jedenfalls gespannt.

» Hier geht es zur Besprechung der Sendung


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6 thoughts on “Das Literarische Quartett – Die Bücher der Sendung vom 14.Oktober 2016
Letusreadsomebooks

Thomas Glavinic als Gast und John Burnside wird besprochen? Ich muss schon sagen, gute Wahl.
„Die Spur des Teufels“ ist mMn schwächer als seine anderen – „In hellen Sommernächten“, „Glister“ und „Lügen über meinen Vater“ haben mir deutlich besser gefallen. Ich bin sehr gespannt, wie sein neues Buch aufgenommen und besprochen wird.

    Friederike

    Dann bist Du ja ein wahrer Burnside-Experte!
    Habe gerade „Lügen über meinen Vater“ aus dem Regal geholt :).

Silvia

Wenn Glavinic dabei ist, will ich die Sendung auch sehen!
Bisher habe ich immer nur deine Berichterstattung gelesen.
Und alle Bücher finde ich sehr interessant. Ich tippe auf ein 4:0.

Annika

Hm, ich bin gespannt. John Burnside mag ich sehr gerne („Die Spur des Teufels“ fand ich übrigens brillant!), ich habe schon eine Besprechung zu diesem Buch gehört und es ist gleich auf meine Wunschliste gewandert.
Die anderen Bücher reißen mich nicht so vom Hocker, aber warten wir es mal ab.

Alexia

Ich bin skeptisch. Es ist kein Titel dabei, nachdem ich greifen würde. Die Buchvorstellungen der letzten Sendung fand ich besser. Trotzdem werde ich mir die Sendung in der nächsten Mediathek ansehen. Vielleicht ändere ich meine Meinung noch.

Liebe Friederike,

es würde mich noch interessieren, ob Du Elena Ferrante gelesen hast bzw. noch lesen willst und wenn ja, wie es Dir gefallen hat. Bis jetzt habe ich die Finger davon gelassen. Zum einen hat mich die Leseprobe nicht wirklich überzeugt, zum anderen stört mich der Rummel um dieses Buch.

Und dann war ich heute noch sehr enttäuscht, als ich den Namen des diesjährigen Literaturnobelpreisträgers erfahren habe. Dylans Lieder mag ich. Aber wozu gibt es Musikpreise? Diese Nominierung ist kein gutes Signal vom Komitee. Zumal die Buchverlage dadurch das Nachsehen haben. Und jeder gute Schriftsteller, dessen Name gehandelt worden ist, kann dieses Mal zu recht enttäuscht sein. So wie ich auch. Die für mich spannendste Nominierung des Jahres und damit die eventuelle Entdeckung eines neuen Autors für mich, wurde in den Sand gesetzt.

Viele Grüße

Alexia

P. S.
Wünsche Dir noch einen tollen Aufenthalt in der Schweiz!

Friederike

Liebe Alexia,

ja, vom Nobelpreis war ich auch nicht begeistert. Ich sehe das Ganze ja immer auch aus der Sicht des Buchhändlers. Da gibt es in diesem Jahr wohl wenig Umsatz zu machen. Sehr schade. Allerdings galt er ja seit Jahren als Anwärter, mir wäre aber ein Schriftsteller wesentlich lieber gewesen.

Was Elena Ferrante betrifft, so habe hat mich der Hype wirklich neugierig gemacht, doch habe ich die Lektüre nach 150 Seiten abgebrochen. Es war ja ganz nett, aber zum weiterlesen hat es bei mir nicht gereicht. Dafür war es dann doch zu langweilig. Zwei meiner Kolleginnen waren aber vollkommen begeistert.
Geschmäcker sind eben verschieden.

Jetzt wünsche ich Dir erstmal einen schönen Abend und viele schöne Lesestunden.
Viele Grüße,
Friederike

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