Der Literatur-SPIEGEL/Spiegel im September 2016 – Meine Highlights

Der Literatur-SPIEGEL/Spiegel im September 2016 – Meine Highlights

Spannend ist (aus rein literarischer Sicht) in diesem Monat nicht nur der Literatur-Spiegel, sondern auch der SPIEGEL an sich, denn in ihm befindet sich ein hochinteressantes Interview mit dem Schriftsteller Thomas Melle.

Mit seinem neuesten Roman “Die Welt im Rücken” steht er in diesem Jahr auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. (2011 war er für “Sickster” nominiert, 2014 für „3000 Euro”.) Das Besondere an “Die Welt im Rücken” ist, dass Melle über seine Krankheit schreibt, über seine bipolare Störung (Manische Depression):

Thomas Melle: “Die Welt im Rücken”

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Melle ist im Interview sehr offen, erzählt anekdotenhaft von scheinbar amüsanten Vorfällen. Zum Beispiel wie er selbst davon überzeugt war, Stings Sohn zu sein und Pablo Picasso im Berliner Club Berghain getroffen zu haben. Das klingt jetzt lustig und unglaublich abwegig, ist es aber nicht. Für den Betreffenden ist das die Wirklichkeit.
Was es bedeutet mit dieser Krankheit zu leben und wie sich dies auf den Beruf des Schriftstellers auswirkt, können wir im im Spiegel nachlesen. Dafür alleine schon lohnt sich die Anschaffung der aktuellen Ausgabe.

Nach meiner anfänglichen Skepsis gegenüber der Longlist des Deutschen Buchpreises, bin ich nun etwas “milder gestimmt”,  ist die Liste der Bücher, die ich aus dieser Auswahl lesen möchte gerade eben um ein Buch erweitert worden. Der (ebenfalls buchpreiserfahrene) Autor Clemes Setz äußerte sich heute zu Melles neuestem Werk kurz und knapp auf Twitter:

Lieber Clemens Setz, ich werde Ihrer Aufforderung gerne Folge leisten und berichten.

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Han Kang: “Die Vegetarierin”

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Was für ein Buch!
Ich bin nach wie vor begeistert von diesem Kleinod, in dem es um eine Südkoreanerin geht, die beschließt sich ab sofort nur noch vegetarisch zu ernähren, was nicht nur Konsequenzen für ihre Ehe hat.

Mehr möchte ich jetzt auch gar nicht dazu sagen, denn bei diesem Buch ist das Überraschungsmoment von großer Bedeutung. Ich hatte nach 190 Seiten das Gefühl einen 400 Seiten Roman gelesen zu haben.

Für diesen Roman wurde Han Kang mit dem Man Booker International Prize ausgezeichnet und das meines Erachtens nach vollkommen zu Recht.

» zu meiner Besprechung (…in der sich kein Spoiler befindet. Versprochen.)

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Matthias Brandt: “Raumpatrouille”

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Matthias Brandt ist uns allen bekannt als Schauspieler, Hörbuchsprecher und Sohn von Willy Brandt. Nun hat er ein Buch geschrieben. Es handelt sich hierbei um Geschichten, in welchen es um das Aufwachsen in der alten Bundesrepublik geht. Um einen Jungen, dessen Vater Bundeskanzler ist, wobei er seine Kindheit nicht idyllisiert, so der Autor des Artikels Nils Minkmar.

Matthias Brandts Bruder Lars hat 2006 übrigens einen wunderbaren Roman über seinen Vater verfasst: “Andenken” heißt er. Ich habe dieses Buch mit Hochachtung gelesen und war sehr beeindruckt. Leider ist es inzwischen vergriffen, was ich sehr schade finde.

Nun werde ich mich “Raumpatrouille” widmen. Ich bin gespannt.
Im Handel wird es ab dem 8.9.2016 zu erwerben sein.

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Delphine de Vigan: “Nach einer wahren Geschichte”

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Delphine de Vigan ist in ihrer Heimat Frankreich ein literarischer Superstar. Bekannt wurde sie durch den Roman “No & ich”, ein Buch, in dem es um zwei Mädchen geht: Lou und No.

Lou ist eine hochbegabte Einzelgängerin, No lebt auf der Straße. Lou möchte No unbedingt helfen und erklärt sie quasi zu ihrem Projekt – doch No will sich nicht helfen lassen….
Ich habe dieses Buch vor einigen Jahren gelesen und es im Laden zum “Buch des Monats” gemacht. Es ist eine sehr schöne Geschichte vom Erwachsenwerden und thematisiert den respektvollen Umgang miteinander.

Danach folgte “Das Lächeln meiner Mutter” ein Roman, in dem Delphine de Vigan über ihre Mutter schreibt, die sich selbst das Leben genommen hat.
Dieses gefühlvolle Buch habe ich sehr gerne gelesen:
» hier geht es zu meiner Besprechung

Mit “Nach einer wahren Geschichte” liefert uns Delphine de Vigan eine Beschreibung der Zeit nach der Veröffentlichung von “Das Lächeln meiner Mutter” und schildert uns die Schreibkrise, in die sie gerät als sie die mysteriöse Frau L. kennenlernt.
Ist dies die Wahrheit, oder spielt de Vigan hier mit uns?

Man kann in diesen Roman viel hineindeuten und ich finde, dass es in diesem Fall besser ist, wenn man so wenig wie möglich über dieses Buch, das übrigens mit dem Prix Renaudot und dem Prix Goncourt des lycéens ausgezeichnet worden ist, weiß.

Mir hat die neue de Vigan insgesamt gut gefallen, auch wenn ich kleine Kritikpunkte habe.
Wer mehr wissen will (und auch hier gibt es keinen Spoiler):

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Eberhard Rathgeb: “Cooper”

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Dieses Buch gehört zu den Neuerscheinungen auf die ich mich in diesem Herbst besonders gefreut habe.
Eberhard Rathgeb hat schon einige Romane geschrieben und eine meiner Kolleginnen war sehr begeistert von “Kein Paar wie wir”, einem seiner frühen Werke, in dem es um das Glück und Unglück zweier Schwestern geht.

Sein neuestes Werk scheint unheimlicher zu sein, denn in Cooper geht es um eine Familie, die aufs Land fährt und an einer Tankstelle auf einen böse wirkenden Jungen trifft, der alle Famileinmitglieder extrem verunsichert. Mit ihm scheint das Schreckliche Einzug in das Leben der Familie zu halten.

Ich bin gespannt – die Leseprobe klingt vielversprechend!

Tim Parks: “Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen”

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Die wenigsten Leser werden Bücher zu Ende lesen, die ihnen nicht gefallen. Das ist logisch. Warum wir vielleicht auch Bücher nicht zu Ende lesen, oder uns zumindest die Möglichkeit eines Nichtbeendens einräumen sollten, davon handelt der Textauszug, der aus Tim Parks aktuellem Werk “Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen” im Literatur-Spiegel abgedruckt ist.

Tim Parks ist ein britischer Schriftsteller und ich erinnere mich daran, dass Elke Heidenreich damals sein Buch “Stille”, in dem es um einen Fernsehjournalisten geht, der sich von der Welt zurückzieht und sich in die Berge begibt geht, in ihrer Sendung “Lesen!” mit Begeisterung vorgestellt hat.

Das Thema des Mannes, der sich von allem zurückzieht, wird in der Gegenwartsliteratur gerne aufgegriffen. Ganz aktuell zum Beispiel in Peter Stamms Buch “Weit übers Land”, das übrigens auch auf der Longlist des Deutschen Buchpreises steht, und zum Beispiel auch in Joshua Ferris´ Roman “Ins Freie”, den ich schlichtweg großartig fand.
Aber ich schweife ab.

Eigentlich habe ich mich mit Tim Parks Aussage beschäftigt, dass man auch gute Bücher manchmal vorzeitig beenden kann/sollte/könnte. Und irgendwie hat er schon Recht – wie oft habe ich mich über einen vollkommen unpassenden Schluß geärgert, wobei mir gerade auffällt, dass dies zumeist bei Krimis der Fall gewesen ist und genau in diesem Genre kommt es ja auf den Schluß, die Auflösung, an.

In der Belletristik jedoch, stelle ich immer wieder fest, dass mir der Schluß eigentlich egal ist und ich ihn mir oft auch gar nicht merken kann. Weil er einfach nicht wichtig ist. Auf das Leseerlebnis kommt es an, so Parks und da stimme ich ihm vollkommen zu.

Allerdings muß ich auch zugeben, dass es Romane gibt, bei welchen mich das Ende nicht zufriedengestellt hat. Wenn es zum Beispiel ein unverhofftes und vollkommen unerklärliches Happy End gibt. Zum Glück kann ich dies meistens ignorieren und wie schon gesagt, in den allermeisten Fällen ist es mir sowieso nicht wichtig. ( Delphine de Vigans Roman “Eine wahre Geschichte” ist für mich allerdings eine Ausnahme, denn hier ist der Schluß, wie ich finde, wichtig und sehr gelungen.)

Parks Buch über Bücher klingt jedenfalls spannend.
Sophie von Literaturen hat dieses Buch bereits gelesen.

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Arne Dahl: “Sieben minus eins”

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Früher habe ich sehr viele Krimis gelesen, doch inzwischen sind es immer weniger geworden. Das liegt daran, dass mich manchmal die ewige Mörderjagd ermüdet und sich die Themen oft wiederholen. Oder auch daran, dass ich Angst habe, dass der Schluss so unzufriedenstellend sein könnte, dass ich das Buch nicht mehr guten Gewissens empfehlen kann.

Vom neuen Arne Dahl habe ich allerdings bisher nur Gutes gehört und momentan habe ich wieder richtig Lust auf einen spannenden Pageturner.

Mal schauen, ob ich dem Krimisog erliege. Ich würde es mir sehr wünschen.

Dieses Buch erscheint am 1.9.2016.

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2 thoughts on “Der Literatur-SPIEGEL/Spiegel im September 2016 – Meine Highlights
Silvia

Diesmal habe ich mir den Spiegel vor deinem Post gekauft. Ich bin ganz stolz auf mich! Finde ich diesmal sehr interessant, da ich Bücher davon schon gelesen habe, gerade lese oder hier schon liegen habe. Und einige Tipps sind auch noch dabei. Du hast die Höhepunkte schon rausgesucht.

Nanni

Liebe Friederike,

welch interessanter Beitrag.
Der Denkansatz von Tim Parks ist wirklich spannend.
Ich mag es eigentlich sehr gerne, wenn Romane ein offenes Ende haben. Wenn ich mir meine eigenen Gedanken über das Ende machen muss (kann).
Oftmals ist das Ende auch vorhersehbar, so dass der Gedanke frühzeitig aufzuhören, tatsächlich entsteht. Man könnte sich währenddessen schon wieder mit neuen guten Geschichten beschäftigen.
Manchmal ist es aber auch so, dass mich ein Ende mit einer Geschichte aussöhnt. Eben dann, wenn ich mit einem Handlungsstrang nicht so zufrieden bin.
Aber wie wichtig es ist, kommt sicher auch auf das Genre an, denn wie du schon sagst – bei manchen Büchern ist nur das Leseerlebnis ausschlaggebend.

Liebe Grüße Nanni

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