David Walliams: “Propeller – Opa”

David Walliams: “Propeller – Opa”

Seit ich “Zombie – Zahnarzt” gelesen habe bin ich ein David-Walliams-Fan. Kein Wunder also, dass mich sein neuester Roman ebenso begeistert hat.

Jack ist schüchtern und hat nicht viele Freunde. Dafür hat er aber seinen Opa, mit dem er viele Abenteuer erlebt. Denn dieser war während des Zweiten Weltkriesg Pilot und hat viel zu erzählen. Hochspannend ist das und Jack freut sich immer, wenn er zu seinem Opa kann, oder gemeinsam mit ihm Ausflüge unternimmt.
Nicht selten kommt es vor, dass Opa während einer Busfahrt von seinen Flugkünsten erzählt und sich eine ganze Kinderschar um ihn herum versammelt und gebannt zuhört.

In letzter Zeit ist es allerdings so, dass der immer blenden gekleidete Großvater, der nie ohne perfekt zurechtgezupften Schnurrbart, Einstecktuch und Anzug unterwegs ist, Dinge durcheinanderbringt.
Er geht zum Beispiel in Pantoffeln aus dem Haus und hat im Supermarkt Hausverbot, weil er sich in einen Einkaufswagen gesetzt hat und mit Mehltüten um sich schmeißend durch die Gänge gefahren ist, zumal er fest davon überzeugt war, in seinem Flugzeug zu sitzen und Ballast abzuwerfen.

Jack wird klar, dass sein Opa denkt, wir hätten das Jahr 1940. Dass wir das Jahr 1983 schreiben, ist ihm nicht beizubringen. Es bringt ihn nur noch mehr durcheinander.
Also beschließt Jack, den Opa dort abzuholen, wo er ist und das Spiel einfach mitzuspielen.
Dass dies die perfekte Lösung ist, stellt sich heraus, als Opa ausbüchst und auf dem Kirchturm wiedergefunden wird, da er diesen für sein Flugzeug hält.
Die Erwachsenen schreien und wissen nicht, was sie tun sollen, um den Opa herunterzubekommen, doch Jack hat die perfekte Strategie: Er befiehlt dem “Oberstleutnant” die Basis anzufliegen. Sein Auftrag sei beendet. Over.
Und siehe da, es funktioniert.

Der Pastor allerdings ist gar nicht begeistert, denn sein Kirchdach hat ein paar kostbare Ziegel verloren und so schlägt er Jacks Eltern vor, Opa in ein Heim zu geben. Und nicht in irgendein Heim! Sondern das Altenheim “Twilight Towers”, in dem seltsame Dinge vor sich gehen.
Für Jack ist klar: Das muss verhindert werden!

David Walliams wird als der neue “Roald Dahl” gefeiert und das zu Recht. Ich liebe den britischen Humor und habe mich, wie auch schon bei “Zombie-Zahnarzt” königlich amüsiert.
Was mir besonders gut gefallen hat (neben der Tatsache, dass Jacks Mutter an einer Käsetheke arbeitet und derzeit nach Stilton riecht und dass der Kioskbesitzer ständig versucht gebrauchte Dinge, wie zum Beispiel ein Bonbonpapier ohne Inhalt, an den Mann zu bringen), ist seine Art und Weise das Thema Demenz für Kinder anschaulich zu erklären.
Klar, einerseits da die absurden und sehr lustigen Episoden, wie zum Beispiel die Sache mit dem Hausverbot im Supermarkt, aber andererseits muss man schon schlucken, wenn Walliams schreibt, dass Opa seine Frau sucht, obwohl diese bereits vor vierzig Jahren gestorben ist.

Was David Walliams ebenso gelingt, ist die Sensibilisierung dafür, dass ältere Menschen viel zu erzählen haben und das man etwas von ihnen lernen kann, wenn man einfach nur zuhört.
Zum Beispiel wird der Geschichtsunterricht plötzlich richtig interessant, als Jack seinen Opa mitbringt und er von früher erzählt.
Das ist übrigens die einzige Geschichtsstunde, in welcher Miss Veritas einmal nicht nur an der Tafel steht und FAKTEN FAKTEN FAKTEN aufschreibt. (Sie hat übrigens ein ausgeklügeltes Farbsystem: Rote Kreide verwendet sie ausschließlich für Datumsangaben und grüne Kreide für Orte. Schwarze Kreide ist an der Tafel nicht gut lesbar. Daher wird sie nur sparsam verwendet.).

“Propeller-Opa” ist jedenfalls wahnsinnig witzig und dazu noch spannend. David Walliams sprüht vor Ideen, wie zum Beispiel, als er erzählt, weshalb an Jacks Schule Klassenausflüge nicht mehr erlaubt sind.
Es sind viele Dinge bei Ausflügen geschehen. Zum Beispiel haben einmal zwei Schüler bei einem Weihnachtsausflug ins Kindertheater ein Pferdekostüm gestohlen. “Man kam ihnen erst auf die Schliche, als sie Monate später versuchten, damit im Grand National, dem bedeutendsten englischen Pferderennen, an den Start zu gehen.”

Für solche Details liebe ich David Williams und freue mich, dass er noch viele weitere Bücher geschrieben hat, wie zum Beispiel “Ratten-Burger” und “Terror-Tantchen”.
Die sind bestimmt auch super.

Ab 10 Jahren.

» zur Leseprobe


ISBN:  978-3-499-21785-2
Verlag: Rowohlt
Erscheinungsjahr: 2017
Übersetzung: Bettina Münch
Seiten: 464
Preis: 14,99 €


Das könnte Dir vielleicht auch gefallen:

4 thoughts on “David Walliams: “Propeller – Opa”
Joel

Super Buch! Klingt nach einem tollen Kinderbuch, welches Ich als junger Erwachsener auch noch lesen kann.
Zudem erinnern Kinderbücher an die Zeit, wo man selbst Winzling war.
Liebe Grüße
Joel von Büchervergleich.org

    Friederike

    Ich glaube, Walliams ist in jedem Alter lesbar ;).

    Viele Grüße,
    Friederike

larmashy

Felicito, la idea brillante
atm mature

Pingback: [Die Sonntagsleserin] November 2017 | Phantásienreisen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: