Oliver Schlick: “Rory Shy, der schüchterne Detektiv – Der Fall der Roten Libelle”

Oliver Schlick: “Rory Shy, der schüchterne Detektiv – Der Fall der Roten Libelle”

Auf die Idee, einen schüchternen Detektiv ins Leben zu rufen (der höchstens mal eine Talkshow für schüchterne Menschen im Fernsehen ansieht, bei der kaum gesprochen wird) muss man erstmal kommen!
Kein Wunder, dass “Rory Shy” 2021 für den renommierten Glauser-Preis nominiert gewesen ist. Super!

Rory Shy ist ein sehr berühmter Detektiv – sogar in Frankreich hat er Fans!
Das liegt zum einen an der Tatsache, dass er alle seine Fälle aufklärt, aber auch an seiner Wesensart. Er ist nämlich außergewöhnlich schüchtern und höflich.
Deshalb ist ihm die Befragung von Zeugen, oder Verdächtigen höchstunangenehm.

Zum Glück hat er dafür seine Assistentin Mathilda, die ihr Gegenüber gerne in Grund und Boden redet und damit erreicht, dass die Leute ihr Dinge erzählen, die sie eigentlich gar nicht erzählen wollten.
Außerdem wird sie von keinem Erwachsenen (Mathilda ist zwölf Jahre alt) wirklich ernst genommen. Manchmal ist das von Vorteil.

Ihre Eltern (zwei Tierfilmer) sind des Öfteren verreist, um zum Beispiel Murmeltiere in den Dolomiten zu filmen. Das ist praktisch, denn wenn Mathilda Ferien hat, kann sie Rory Shy bei seinen Kriminalfällen helfen.
Die Haushaltshilfe Frau Zeigler (die in dieser Zeit auf Mathilda und den sehr schreckhaften Cockerspaniel Doktor Herkenrath aufpasst) ist glücklicherweise sehr leichtgläubig.

Um ihre Abwesenheit zu erklären, hat Mathilda eine Freundin (Carolin) erfunden, deren Eltern in einer Sekte sind, deren Mitglieder technischen Errungenschaften wie Telefone, Computer und Smartphones ablehnen.
So kann Frau Zeigler ihr nicht hinterher telefonieren – wie praktisch!

Aber Frau Zeigler möchte natürlich schon wissen, was Mathilda und Carolin so machen:

“Und was habt ihr vor?” fragt sie.
“Ostereier färben” schwindle ich, ohne mit der Wimper zu zucken.
“Wirklich?” Frau Zeigler wirkt leicht irritiert. “Nach all dem, was Du mir bisher über diese Sekte erzählt hast, schien mir das doch ein ziemlich freudloser Verein zu sein. Hätte nicht gedacht, dass die bunte Eier mögen.”
“Tun sie auch nicht” entgegne ich und versuche dabei, halbwegs ernst zu gucken. “Wir färben die Eier in grau. Hellgrau, dunkelgrau, mittelgrau…”

Dieser kurze Dialog ist das beste Beispiel dafür, warum ich dieses Buch so liebe. Oliver Schlicks Ideen sind sehr originell und witzig. Wie Mathilda beispielsweise das “Belüge-Deine Augen-Spiel” erfindet, um Rory dazu zu bekommen, das Krankenhaus zu betreten, obwohl er panische Angst vor Ärzten hat: Sie bittet Rory, sich vorzustellen, dass das Krankenhaus etwas ganz anderes ist. Zum Beispiel eine Großbäckerei. “Und wenn Sie eine Spritze sehen, ist das kein Grund zur Beunruhigung. Damit wird nur die Füllung in die Berliner gespritzt. Und das, was da ab dem fahrbaren Ständer hängt, ist auch keine Blutkonserve. […] Das ist die Füllung.”

Die Figuren, die der Autor ins Leben gerufen hat, sind schlichtweg genial. Neben Rory selbst, habe ich den Cockerspaniel Doktor Herkenrath besonders ins Herz geschlossen. Er ist so goldig, treuherzig und hat sogar Angst vor Hummeln und Eichhörnchen!
Außerdem ist er seit neuestem Kunstkenner….

Das hängt mit dem aktuellen Fall zusammen, in dem Rory und Mathilda ermitteln.
Der Besitzer des Gemäldes “Die Rote Libelle” ist eben jenem beraubt und niedergeschlagen worden. Seine Ehefrau wurde verhaftet, doch Rory ist fest davon überzeugt, dass sie es nicht gewesen ist….

Dass ich diesen zweiten Band der “Rory-Shy-Reihe” zuerst gelesen habe, war kein Zufall.
Mir war durchaus klar, dass es einen ersten Band (“Rory Shy – Der schüchterne Detektiv”)* gibt, doch dieser spielt in der Weihnachtszeit. Und als ich auf Rory Shy aufmerksam wurde, war es Hochsommer.
Da war mir nicht nach einem Winterbuch.

Außerdem wollte ich wissen, ob man auch den zweiten Band zuerst lesen kann. Jetzt weiß ich: Ja, das kann man ohne Probleme.
Aber wahrscheinlich wird das bei Euch so enden, wie bei mir: Der erste Band muss sofort nachgeschoben werden.
Die passende Jahreszeit dafür bricht sowieso gerade an :).

Ab 10-99 Jahre.

» zur Leseprobe*


ISBN: 978-3-7641-7124-7
Verlag: Ueberreuter
Erscheinungsjahr: 2021
Seiten: 352
Preis: 14,95 €


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