Marceline Loridan-Ivens: “Und Du bist nicht zurückgekommen”

Marceline Loridan-Ivens: “Und Du bist nicht zurückgekommen”

Dieses Buch ist nicht nur ein einfaches Buch. Es ist ein Stück Zeitgeschichte und einer der letzten Augenzeugenberichte aus Auschwitz und Birkenau.

Marceline Loridan-Ivens hieß noch Rozenberg und lebte mit ihrer Familie in Frankreich, als sie 1943 zusammen mit ihrem Vater nach Auschwitz deportiert wurde. Sie war 15 Jahre alt. Schon sehr bald wurden die beiden getrennt.

Er blieb in Auschwitz und sie kam nach Birkenau, wo sie Gruben für die vergasten Körper ausheben musste.
Nur drei Kilometer trennten die beiden, doch gesehen haben sie sich nur ein Mal. Marceline konnte ihrem Vater nur kurz ihre Blocknummer nennen, dann wurde sie unter den Schlägen der Bestrafung ohnmächtig.

Eines Abends bekam sie von einem Elektriker eine Nachricht von ihrem Vater zugespielt, ohne jede Gelegenheit ihm je zu antworten, denn “die Dinge hatten unser Leben verlassen”.  Niemand besaß Stift und Papier. Die Worte ihres Vaters vergaß Marceline gleich wieder, denn andere Worte waren stärker. So hatte er zum Beispiel prophezeit: ”Du wirst vielleicht zurückkommen, weil Du jung bist, aber ich werde nicht zurückkommen.” Und so geschah es auch, er kam nicht zurück.
Noch heute zuckt Marceline zusammen, wenn sie jemanden das Wort “Papa” aussprechen hört. Auch wenn sie diese Person gar nicht kennt, denn dieses Wort “ ist so früh aus meinem Leben verschwunden, dass es mir weh tut, ich kann es nur im Inneren sagen, vor allem kann ich es nicht aussprechen. Vor allem nicht schreiben.”

Marceline überlebt und merkt bald, dass es nicht viel Sinn macht, den anderen vom KZ zu berichten. Sie würden es nicht verstehen. “Niemand wollte meine Erinnerungen”.
Da ist dann noch ein andere Gedanke: Wäre ihre Familie nicht viel froher und besser dran gewesen, wenn der Familienvater zurückgekehrt wäre, anstatt ihr, der Schwester, der Tochter? Denn ihre Rückkehr ist das Synonym für die Abwesenheit des Vaters.

Marceline Loridan-Ivens ist heute 87 Jahre alt und lebt als Künstlerin und Schauspielerin in Frankreich. Ihr Spielfilm “Birkenau und Rosenfeld”, in dem sie ihre eigene Jugend im KZ verarbeitet, war der erste Spielfilm, der auf dem ehemaligen Gelände des Lagers Auschwitz-Birkenau gedreht werden durfte.

“Und Du bist nicht zurückgekommen” ist ein ganz starkes Buch. Es ist in einem Tonfall, in dem es geschrieben, der einen bis ins Mark hinein trifft, obwohl, oder besser gerade weil er nicht anklagend ist, sondern ganz ruhig.
Gelesen habe ich über diese Zeit schon viel, aber dieses schmale Buch hat mich besonders berührt und ich empfehle es nicht einfach mal so zwischenrein zu lesen, sondern sich wirklich Zeit zu lassen. Denn Zeit ist das Mindeste, was wir diesem Thema widmen können.

» zur Leseprobe

Die Klappentexterin hat Marceline Loridan-Ivens bei der Buchpremiere von “Und Du bist nicht zurückgekommen” kennen gelernt. Hier geht es zu ihren Eindrücken einer Lesung, bei der die Autorin anwesend war und bei der ich auch sehr gerne dabei gewesen wäre.


ISBN: 978-3-518-46766-4
Verlag: Suhrkamp
Erscheinungsjahr: 2017
Übersetzung: Eva Moldenhauer
Preis: 10,00 €

Die gebundene Ausgabe dieses Titels ist 2015 bei Insel erschienen.


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