Anna Woltz: “Gips oder Wie ich an einem einzigen Tag die Welt reparierte”

Anna Woltz: “Gips oder Wie ich an einem einzigen Tag die Welt reparierte”

Eine ganze Zeit lang wusste ich zwar, an welcher Stelle dieses Buch in unserer Jugendbuchabteilung liegt, aber nicht wirklich etwas über den Inhalt, geschweige denn darüber, was für eine wunderbare Autorin Anna Woltz ist.
Zum Glück hat sich dies nun geändert.

Fitz heißt eigentlich Felicitas und wäre gerne mit Papa und ihrer Schwester Bente einkaufen gegangen, doch ihr Vater ist wütend. Ja, gut, sich mit Edding etwas ins Gesicht zu schreiben, war keine so gute Idee, aber Fitz wollte ihrer Wut eben auch Ausdruck verleihen. Ihrer Wut darüber, dass ihre Mutter sich von ihrem Vater getrennt hat und Bente und sie jetzt “Hin-und-Her”-Taschen haben, damit sie ihre Zeit in Mamas und Papas Wohnungen verbringen können.
Außerdem hat Fitz etwas gehört, was sie besser nicht hätte hören sollen.
Aber Worte kann man nunmal nicht rückgängig machen.

Jetzt jedenfalls sitzt sie am Fenster in Papas neuer Wohnung, sieht ihren Vater mit Bente auf dem Gepäckträger vorbeifahren und winkt den beiden reflexartig.
Papa winkt zurück, verliert das Gleichgewicht und Bente beim Sturz ihre Fingerkuppe.
Der Nachmittag wird im Krankenhaus fortgesetzt…

Für Fitz ist das nicht schlimm, da sie sowieso später einmal Ärztin werden möchte und alles, was zum Beispiel mit dem Eingipsen von Extremitäten. zu tun hat, sehr spannend findet. Doch dass sie einen derart spannenden, verrückten Tag erleben und neue Freunde finden würde, das hätte sie niemals gedacht.
Vor allem nicht angesichts der Tatsache, dass sie eine Tigermaske trägt, um die Worte auf ihrem Gesicht zu verdecken…

Ehrlich gesagt habe ich dieses Buch nur angefangen, weil es für den Deutschen Jugendliteraturpreis in diesem Jahr nominiert war und ich gemeinsam mit einer Gruppe von Bloggern die nominierten Werke (wie zum Beispiel “Eins” und “Krasshüpfer”) lesen und vorstellen wollte.
Um es gleich vorweg zu nehmen: “Gips” hat den Preis zwar nicht bekommen, aber Anna Woltz hat einen weiteren Fan gewonnen. Denn mich hat ihre Art und Weise, ernste Themen humorvoll zu verpacken begeistert.

Im Krankenhaus trifft Fitz auf Adam, der älter als sie selbst ist und auch so sein Päckchen zu tragen hat. Sein fünfzehn Jahre jüngerer Bruder ist einige Wochen zu früh auf die Welt gekommen und befindet sich noch auf der Säuglingsstation.

Auch Primula “wohnt” quasi im Krankenhaus, da sie am Herzen operiert werden musste, was sie selbst nicht so schlimm findet, da Dr. Wong sie eigenhändig operiert hat und sehr stolz auf die Narbe, sprich auf die geglückte Operation, ist.
Wenn Dr. Wong glücklich ist, dann ist es auch Primula, denn sie ist ein kleines bisschen in ihn verliebt.

Was Primula allerdings gar nicht behagt, ist die Tatsache, dass sie bald in eine normale Schule gehen muss und keine Ahnung hat, worüber sich nicht-kranke Kinder unterhalten. Mit medizinischen Ausdrücken kennt sie sich bestens aus, aber so eine ganz normale Unterhaltung, die macht ihr Angst.
Zum Glück trifft sie Fitz, denn die kann helfen…

Ich habe während der Lektüre dieses warmherzigen Buches viel lachen müssen, aber auch gedacht wie schwierig es doch ist, das Thema Scheidung bzw. Trennung in ein Kinderbuch einzuflechten, ohne den Zeigefinger zu erheben und klischeehaft zu werden.
Anna Woltz gelingt dies und nicht nur das. Sie transportiert sehr feinfühlig, dass Familien, trotz Trennung glücklich sein können – auch wenn es anfangs vielleicht nicht danach aussehen mag.
Respekt!

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Ab 11 Jahren.

P.S.: Gerade lese ich Anna Woltz Jugendroman „Hundert Stunden Nacht“ und bin ebenfalls sehr angetan.


ISBN: 978-3-551-55676-9
Verlag: Carlsen
Erscheinungsjahr: 2016
Übersetzung: Andrea Kluitmann
Seiten: 176
Preis: 10,99 €


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