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Das Literarische Quartett: Die Bücher der Sendung am 2. März 2018

Am Freitag, den 2.März 2018 geht das Literarische Quartett in eine neue Runde.
Gast der Sendung ist der Schriftsteller und Literaturkritiker Philipp Tingler, der 2008 mit dem Förderpreis zum Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor ausgezeichnet wurde, derzeit unter anderem für den Zürcher Tages-Anzeiger Kolumnen schreibt und in der Sendung “Literaturclub” (Schweizer Fernsehen) über Bücher diskutiert.
Des Weiteren hat er diverse Romane und Kurzprosa verfasst, die bei Kein & Aber erschienen sind.

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Von seinem letzten Roman “Schöne Seelen”, in welchem er einen sarkastischen Blick auf jene Kreise wirft, in welchen der schöne Schein wichtig und Botox an der Tagesordnung ist, habe ich mir sehr viel versprochen.
Jedoch habe ich dieses Buch nach einem Drittel abgebrochen, da es mir zu gewollt überdreht schien. Ein Kunde jedoch berichtete mir sehr begeistert von diesem Werk. Geschmäcker sind eben verschieden.

Die Auswahl der Bücher, über welche in diesem Quartett gesprochen wird, gefällt mir gut und besonders freut es mich, dass mit “Speicher 13” eines meiner Highlights des Jahres 2018 darunter ist:

Jon McGregor: “Speicher 13”

Rebecca verbringt die Weihnachtsferien mit ihren Eltern in einem kleinen englischen Dorf. Die Familie bricht zu einer kleinen Wanderung im Moor auf, jedoch kehren nur die Eltern zurück. Ihre dreizehnjährige Tochter bleibt verschwunden.

Achtung: “Speicher 13” ist kein Krimi, sondern ein unglaublich geschickt erzählter Montageroman. Großartig!

Ich könnte mir vorstellen, dass Volker Weidermann dieses Buch fürs Quartett ausgesucht hat.

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Monika Maron: “Munin oder Chaos im Kopf”

Die Journalistin Mina Wolf hätte sich in diesem Sommer Schöneres vorstellen können, als einen Text über den Dreißigjährigen Krieg für eine Festschrift zu verfassen. Aber so ist es nun mal.

Als jedoch eine schwierige Nachbarin nicht davon abzubringen ist, jeden Tag von frühmorgens bis spätabends auf dem Balkon zu singen, muss Mina ihren Schreibrhythmus ändern. Fortan schreibt sie nur noch nachts.
Da sie nicht daran gewöhnt ist, beginnen sich zu später Stunde Minas Gedanken zu verselbstständigen und so vermischen sich aktuellen Nachrichten über Krieg und Terror, der Dreißigjährige Krieg und die Geschehnisse in der Nachbarschaft miteinander.
Dass eine Krähe an ihrem Fenster auftaucht, die sie Munin nennt, macht Minas Chaos im Kopf nicht gerade besser.

Monika Maron, lebte von 1951 – 88 in der DDR und schrieb unter anderem den Roman “Flugasche”, der sich mit der Umweltverschmutzung in der DDR literarisch auseinandersetzt. Veröffentlichen durfte sie diesen Roman allerdings in der DDR nicht, weshalb er erstmals 1981 in Westdeutschland bei S.Fischer erschienen ist.
Seitdem hat Monika Maron einige Romane veröffentlicht und ist für ihr Werk vielfach ausgezeichnet worden.

Den einzigen Berührungspunkt, den ich bisher mit Monika Marons Büchern hatte, ist der, dass eine meiner Kolleginnen Marons Roman “Ach Glück” vor einigen Jahren für den Weihnachtsempfehlungsprospekt unserer Buchhandlung aussuchte, zumal er ihr sehr gute gefallen hat.
Selbst gelesen habe ich Monika Maron jedoch bisher noch nicht und ich muss gestehen, dass mich “Munin oder das Chaos im Kopf” auch nicht besonders anspricht.
Aber hineinlesen kann ich ja einmal.

Ich bin mir sehr sicher, dass es Christine Westermann sein wird, die dieses Buch fürs Quartett ausgesucht hat.
Dieser Roman erscheint am 22. Februar 2018.

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James Baldwin: “Von dieser Welt”

Mit diesem Roman gelang James Baldwin, einem der wichtigsten afroamerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, der Durchbruch. Jetzt liegt dieses Werk, das autobiographische Züge trägt und 1953 erstmal veröffentlicht wurde, in einer Neuübersetzung vor.

James Baldwin (1924 – 1987) lebte mit seinen sieben Stiefgeschwistern, seinem Stiefvater und seiner Mutter in einem New Yorker Ghetto.
Leicht war seine Jugend nicht, denn der Stiefvater konnte die Familie kaum ernähren und suchte Trost im religiösen Fanatismus.
Das gestörte Verhältnis zum Stiefvater ist eines der Themen in Baldwins Roman “Von dieser Welt”.

Hier geht es um den sexuell unschlüssigen Jungen John Grimes, der sehr intelligent und empfindsam ist.
Er wird von manch weißem Lehrer gefördert, zu Hause ist die Lage jedoch eine ganz andere. Sein Vater sagt ihm jeden Tag, wie wertlos seine Existenz doch sei, solange er sich von der Religion nicht retten lasse.
John jedoch wünscht sich nichts sehnlicher, als selbst über sein Schicksal entscheiden zu dürfen.
Als Johns Bruder Roy eines Tages schwer verletzt nach Hause kommt, setzt John mutig alles auf eine Karte…

Baldwin selbst trat zunächst doch in die Fußstapfen seines Stiefvaters und predigte drei Jahre lang in der Pfingstgemeinde (was zu Rivalitäten zwischen ihm und seinem Stiefvater führte), bevor er sich 1941 vollkommen von der Kirche abwendete.
Er schloss die Schule ab und arbeitete mal hier mal dort, bevor er beschloss, sich dem Schreiben zu widmen.
Seine ersten beiden Buchprojekte wurden jedoch nicht verlegt und erst 1948 konnte er sich als Literaturkritiker einen Namen machen.
Mit seinem Förderer, dem Schriftsteller Richard Wright kam es zum Bruch, woraufhin Baldwin nach Frankreich zog und dort die nächsten 40 Jahre verbrachte. Er bezeichnete diesen Akt als “Selbstexilierung”.

James Baldwin engagierte sich gegen Rassismus, verfasste einflussreiche Texte und Reden über die sexuelle Doppelmoral und über den Rassismus in den USA. Im Gegensatz zu diversen anderen afroamerikanischen Autoren, war Baldwin jedoch optimistisch. Er glaubte fest daran, dass die Konflikte in Zukunft beigelegt werden könnten – hierfür sei jedoch große Anstrengung nötig, so der Autor.
Als er Jahre später ein Drehbuch über Malcom X verfassen wollte, wurde ihm klar, dass der amerikanische Traum gescheitert sei und so begann er seine Rolle als die eines Zeitzeugen des Civil Rights Movement zu verstehen.

Auf “Von dieser Welt” bin ich sehr gespannt. Dieser Titel erscheint offiziell erst am 9. März 2018, aber ich denke, dass es aufgrund des Quartetts eine Woche vorher ausgeliefert werden wird. Alles andere wäre ja blödsinnig.

Ich könnte mir vorstellen, dass Philipp Tingler dieses Buch ausgesucht hat, zumal es auch im Literaturclub, dessen ständiges Mitglied Tingler ist, am 13. März 2018 besprochen wird.

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Felicitas Hoppe: “Prawda. Eine amerikanische Reise”

Felicitas Hoppe ist für ihr Werk vielfach ausgezeichnet worden. Unter anderem mit dem Georg-Büchner-Preis im Jahr 2012.
Der von mir sehr geschätzte Literaturkritiker Elmar Krekeler, der sich auch sehr beeindruckt von „Speicher 13“ zeigte, bezeichnete Hoppe einmal als „Deutschlands fantastischste Fabuliererin“. Auch der Spiegel zeigte sich von der Entscheidung, Hoppe mit dem Büchner-Preis auszuzeichen begeistert.

In ihrem neuen Werk “Prawda” erzählt sie uns von einer Reise durch ein unbekanntes Amerika.
Dabei wandelt sie auf den Spuren der russischen Schriftsteller Ilja Arnoldowitsch Ilf und Jewgeni Petrowitsch Katajew, die durch ihren gemeinsam verfassten, satirischen Roman “Zwölf Stühle”, einem Klassiker der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts, bekannt wurden.

Zu Ilf und Petrows Roman “Das eingeschossige Amerika”, verfasste Felicitas Hoppe das Vorwort.
Ich selbst habe noch kein Werk von Felicitas Hoppe gelesen, doch nachdem einen Blick in die Leseprobe von “Prawda” geworfen habe, scheint es mir so, als ob ich dies ändern müsste, zumal dieses Buch auch zu den Neuerscheinungen des Frühjahrs 2018 gehört, auf die ich mich besonders freue.

Ich denke, dass Thea Dorn dieses Buch vorstellen wird, das am 28. Februar 2018 erscheint.

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