Deutscher Buchpreis 2016: Die Longlist – Ein Kommentar

Deutscher Buchpreis 2016: Die Longlist – Ein Kommentar

Mit Spannung hatte ich sie erwartet, diese Longlist. Als ich sie heute morgen um zehn in Augenschein genommen habe war ich ehrlich gesagt sehr enttäuscht.
Ich hatte mich sehr aufs gemeinsame Lesen mit buchpreisbegeisterten Bloggern gefreut und muß jetzt sagen, dass ich vielleicht ein, zwei Titel mitlesen werde, mehr jedoch wahrscheinlich nicht.
Ich bedauere das sehr, hatte ich doch im letzten Jahr immens viel Vergnügen dabei.

An was liegt es, dass ich nicht glücklich mit dieser Liste bin? Mich mutet diese Liste eher wie eine “Gemeimtippliste” an, was ja an sich nichts Schlechtes ist, doch fehlen meinem Gefühl nach viele Titel, die vielleicht nicht ein Megageheimtipp waren, es aber dennoch verdient hätten.
“Blauschmuck” von Katharina Winkler zum Beispiel oder “Nachts ist es leise in Teheran” von Shida Bazyar. Oder auch Kristian Kracht, Thomas Glavinic und Buchpreisträgerin Kathrin Schmidt. Sie alle hatten neue Romane am Start, doch diese sucht man auf dieser Longlist vergblich.
Mir kommt das Ganze so vor, als ob man mit dieser Auswahl zeigen wollte, wie exklusiv man ist. Aber das ist jetzt nur so eine Theorie.

Ich habe die Befürchtung, dass diese Longlist keine großen Abverkaufszahlen hervorrufen wird und das wäre für den Buchhandel sehr schade, ist so ein Preis doch immer eine große Chance.
Ich sehe es irgendwie nicht, dass diese Liste viele Neugierige in den Laden locken wird. Aber vielleicht täusche ich mich ja. Es würde mich sehr freuen.

Allerdings gibt es auch große Namen in dieser Liste, wobei mich die Nominierung von Joachim Meyerhoffs: “Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke” verblüfft hat. Dieser Titel hat sich extrem gut verkauft und ist, wie ich finde auch richtig gut. Ich habe dieses Buch gelesen und bin begeistert, habe es aber im Zusammenhang mit dem Buchpreis irgendwie nie in Erwägung gezogen.
Wer mehr über dieses hochkomische, aber auch tragische Werk wissen möchte:
» hier geht es zu meiner Besprechung

Klar, es tauchen auch weitere große Namen, wie Peter Stamm, Arnold Stadler und Bodo Kirchhoff auf, aber ich persönlich verspüre jetzt nicht das dringende Bedürfnis diese Titel zu lesen, das war bei der letzten Longlist anders.

Eigentlich hatte ich vor, die einzelnen Titel vorzustellen und etwas über die Autoren und ihre jeweiligen Werke zu schreiben, doch bin ich nur bis zum vierten Roman gekommen, denn ich merkte, dass mir die Lust einfach fehlte.
Schade.

Der einzige Titel, den ich wirklich lesen möchte,ist Katja Lange-Müllers “Drehtür”. Ich habe ihn schon auf meinem eReader, werde mich aber jetzt erstmal einem Jugendbuch zuwenden.

Vielleicht wird es ja im nächsten Jahr besser. Hoffen wir das Beste.

 

Der Vollständigkeit halber hier die Longlist des Deutschen Buchpreises 2016:


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13 thoughts on “Deutscher Buchpreis 2016: Die Longlist – Ein Kommentar
Marina Büttner

Ach schade, Friederike.
Ich war zwar auch überrascht, finde aber auf der Liste sehr viele Titel, die mich interessieren. einige habe ich schon gelesen oder sie liegen schon hier. Ich glaube auch gar nicht, dass die Buchhandelskunden nicht interessiert sind. Da sind schon sehr gute und bekannte, wenngleich viele ältere Autoren dabei. Ich hätte mir allenfalls noch ein paar weibliche Autoren mehr gewünscht …
Viele Grüße

Friederike

Liebe Marina,

ich hatte wahrscheinlich einfach zu hohe Erwartungen. Mich reizen die Titel leider nicht wirklich, schade.
Aber vielleicht im nächsten Jahr :)!

Viele Grüße,
Friederike

Thomas

Hallo Friederike,
bin ja ein Buchpreis-Neuling und da ich noch keines der Bücher kenne, habe ich mir heute spontan „Die Verteidigung des Paradieses“ gegönnt. Den Meyerhoff habe ich letztes Jahr meiner Mutter geschenkt, die sehr begeistert war und werde es mir jetzt ausleihen. Blauschmuck und Frau Bazyar habe ich mir auch schon vorgemerkt. Von der Longlist würde mich evtl. noch „Hool“ und „Drehtür“ interessieren, mal schauen. Ich verfolge jetzt jedenfalls gespannt die Diskussionen. Hat die Longlist denn in den letzten Jahren einen spürbaren Mehrverkauf dieser Bücher gebracht?
Viele Grüße
Thomas

Friederike

Ciao Thomas,

direkte Zahlen habe ich natürlich nicht, nur so ein Bauchgefühl. Mir fehlen irgendwie bestimmte Namen und Bücher, die schon im Gespräch waren und an das man dann anknüpfen könnte. Ich finde in diesem Jahr die Mischung nicht wirklich gelungen, aber das ist jetzt einfach meine ganz persönliche Meinung. Ich glaube, sonst sind alle recht angetan von dieser Liste.

Wahrscheinlich bin ich gerade einfach nur motzig und hatte mich zu sehr auf Bücher gefreut und auf den Austausch mit Euch. Es liegen bei mir einige Titel auf dem Stapel, die ich einfach spannender finde.
…vielleicht lese ich ja noch in „Hool“ und in die „Verteidigung des Paradieses“ rein. Mal schauen.

Ich wünsche Dir jedenfalls viel Spaß mit Meyerhoff!

Viele Grüße,
Friederike

Eva Jancak

Ja, das war eine überraschende Liste, ich war auch sehr erstaunt und hätte mir andere Titel erwartet, aber so schlecht finde ich sie eigentlich nicht und ich bin auf einige Titel schon sehr neugierig, aber natürlich hätte ich gerne Tomer Gardi, Isabelle Lehn, Rasha Kayat, Shida Bazyar, Tilman Ramstedt und andere gelesen, aber vielleicht finde ich die Bücher noch, auf dem Mayerhof könnte ich persönlich verzichten und der Thomas Glavinic geht mir auch nicht sehr ab und kommt vielleicht auch noch auf die österreichische Liste, liebe Grüße aus Wien
https://literaturgefluester.wordpress.com/2016/08/23/ueberraschende-longlisttitel/

Julia

Hallo,
ich bin da ganz Deiner Meinung. Mich hat sie auch etwas enttäuscht. Neben „Drehtür” finde ich auch nur noch „Die Welt im Rücken” von Thomas Melle richtig interessant.
„Nachts ist es leise in Teheran” hätte ich auch sehr gerne auf der Liste gesehen. Es ist bis jetzt mein Lieblingsbuch des Jahres und ich verkaufe es auch sehr gerne.
Ich werde aber auch in andere Bücher mal reinlesen – vielleicht steckt mehr darin als auf den ersten Blick erkennbar.

Wortlichter

Es geht mir leider auch ganz genauso wie dir. Ich war wirklich gespannt auf die Longlist und fand sie auch letztes Jahr wirklich interessant. Dieses Jahr ist für mich leider gar nichts dabei. Es gibt nur 2 oder 3 Bücher, die mich eventuell interessieren würden, aber ob ich sie wirklich lesen werde, weiß ich nicht. Ich empfinde die diesjährige Liste von den Themen her als viel zu speziell. Im Großen und Ganzen, entsteht aber schon fast wieder eine Ähnlichkeit in der Spezialität. Ich schätze dass es vielen Lesern ähnlich geht, besonders denen, die im Laden durch „Buchpreis-Aufkleber“ oder Leseproben vielleicht neugierig werden.
Ich muss zugeben, dass ich mir auch mehr kritische oder aktuelle Themen gewünscht hätte, denn ich denke der Buchpreis ist eine wundervolle Möglichkeit, Menschen für Themen zu sensibilisieren oder das abzubilden, was die Gesellschaft bewegt.

Liebe Grüße, Anja

    ulla

    dem kann ich nur zustimmen. dennoch erkenntnisreiches lesen wünscht
    ulla

Claudia

Hallo Friedrike,

in Deinem Beitrag erwänst Du, dass es einen neuen Roman von Kathrin Schmidt gibt?
Oder habe ich etwas missverstanden? Ich kann leider nichts finden. Ich bin ein großer Fan von KS und würde mich riesig freuen, wenn es etwas Neues von ihr gäbe.
Kannst Du etwas Näheres dazu sagen?

Herzliche Grüße,
Claudia

Marius

Hallo Friederike,

da scheinen wir wohl beim Anblick der Longlist die gleichen Wahrnehmungen gehabt zu haben. Von milde enttäuscht bis zu ziemlicher Überraschungen reichten meine ersten Eindrücke. Eine Liste, die mich nicht wirklich anspricht und auf der ich gerne andere Titel gesehen hätte. Aber vielleicht wird nächstes Jahr wieder ein besseres Jahr – wer weiß?

    Friederike

    Hoffen wir das Beste. 🙂

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