Deutscher Buchpreis 2017: Die Longlist – Ein Kommentar

Deutscher Buchpreis 2017: Die Longlist – Ein Kommentar

Vor ein paar Tagen noch habe ich zu mir gesagt, dass ich mich über die diesjährige Longlist nicht aufregen werde – egal, wie sie auch aussehen wird.
Dann wurde sie veröffentlicht und da ist es dann eben doch passiert. 

Weshalb? Nun, weil das Gleiche geschehen ist, wie im vergangenen Jahr. Die aktuelle Liste macht auf mich den Eindruck, als habe die Jury eine “Ich-habe-einen-noch-geheimeren-Geheimtipp” – Auswahl erstellen wollen. Auch könnte man denken, dass es den Mitgliedern des Komitees eher darum ging, sich selbst als spitzfindigen Kritiker und Literaturentdecker hervorzuheben, denn Bücher zu verkaufen.
Aber sei´s drum. Die Liste ist nunmal so, wie sie ist.

Was man ihr jedoch nicht absprechen kann ist, dass so vielleicht Titel gelesen bzw. besprochen werden, die ansonsten keinen oder wenig Raum bekommen hätten. Das ist eine gute Sache.
Für mich sind einige Titel dabei, die ich ansonsten nicht beachtet hätte. Wie zum Beispiel Monika Helfers Roman “Schau mich an, wenn ich mit Dir rede”, oder “Schreckliche Gewalten” von Jakob Nolte.

Allerdings kann ich nicht umhin, diese Liste unter dem buchhändlerischen Aspekt des Verkaufs zu betrachten, von welchem der Buchhandel nunmal lebt.
Bei vielen Bücher der diesjährigen Longlist habe ich die Befürchtung, dass die eingekaufte Anzahl wieder komplett remittiert werden wird. Was bringt mir eine exklusive Liste, wenn die Titel auf dem Tisch liegen, angelesen werden, jedoch nicht über die Ladentheke gehen?
Aber vielleicht bin ich da zu materialistisch eingestellt. Vielleicht sollte ich aufhören diesen Preis unter dem buchhändlerischen Verkaufaspekt zu betrachten und mich einfach damit zufrieden geben, selbst auf neue unbekanntere Titel aufmerksam gemacht worden zu sein.
Vielleicht kann ich diese ja später als Taschenbuch an den Mann bringen, denn als Hardcover wird dies wahrscheinlich eher schwierig werden. 

Franzobels “Floß der Medusa” wird sich allerdings bestimmt, nicht zuletzt wegen der euphorischen Besprechung im Literarischen Quartett, verkaufen. Ebenso der bereits viel gelobte Roman von Jonas Lüscher: “Kraft”.
Sven Regeners “Wiener Straße” wird ein Selbstläufer (sobald er erschienen ist, was am 7. September der Fall sein wird) und von Robert Menasses “Die Hauptstadt” verspreche ich mir ebenfalls ein paar Interessenten.
Allerdings erscheint dieser Roman erst am 11. September, also einen Tag vor der Bekanntgabe der Shortlist. Sollte er auf dieser nicht auftauchen, werden die Hähne nicht in Massen nach diesem Titel krähen . Aber vielleicht wird der Erscheinungstermin ja vorgezogen.
So. Das sind aber immerhin vier Romane. Was motze ich eigentlich.

In den beiden vergangenen Jahren habe ich jeweils mit großer Freude im Vorfeld der Longlist Gedanken darüber gemacht, welche Titel von den Verlagen eingereicht worden sein könnten.  In diesem Jahr habe ich bereits im Januar damit begonnen, doch dann wurde meine Zeit knapp. Etwas Halbgares wollte ich jedoch nicht veröffentlichen.

Wenn ich mir aber so meine Notizen anschaue, so sind es aber gar nicht so viele Titel, die ich vermisse. Dass Mariana Lekys “Was man von hier aus sehen kann” keine Chance hat, war von vornherein klar. Mit dieser Nominierung hätte man Humor bewiesen, wie zum Beispiel bei der Longlist im Jahre 2010.
Vielleicht sind in diesem Jahr die eingereichten Titel aber auch, im Gegensatz zu den Neuerscheinungen vergangener Jahre, einfach ernsthafterer Natur gewesen.

Allerdings meinte Christine Westermann im Literarischen Quartett, dass Franzobels “Floß der Medusa” sie sehr amüsiert habe. Woraufhin Ijoma Mangold sagte, dass der Autor leider trotz einiger sehr gelungener Pointen, viele schlechte nicht habe unterdrücken könne. Ich werde mir eine eigene Meinung bilden.
Moment. Gerade habe ich gelesen dass in „Schreckliche Gewalten“ (Jakob Nolte) Witz mit Weltwissen gepaart sei, so sagt es zumindest Gerrit Bartles im rbb und zieht Tarantino und David Lynch als Vergleich heran. Also mal abwarten. Vielleicht stimmt das mit meinen ernsten Vermutungen ja doch nicht.  

Was mich wundert, ist die Tatsache, dass Natascha Wodins “Sie kam aus Mariupol” nicht auf der Longlist steht. Damit habe ich fest gerechnet. Aber sonst?
So viele “wichtige” Romane fallen mir gar nicht ein.
Sieben Titel, die ich auf dem Schirm hatte, haben ihren Weg auf die diesjährige Longlist jedenfalls gefunden und vielleicht sollte ich jetzt endlich mal mit dem Meckern aufhören – und beginnen, mich intensiv inhaltlich mit der Longlist auseinanderzusetzen. Vielleicht bin ich danach von der Auswahl ja begeistert. Wer weiß?
Ich werde berichten.

» zur Longlist des Deutschen Buchpreises 2017


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10 thoughts on “Deutscher Buchpreis 2017: Die Longlist – Ein Kommentar
Buchperlenblog

Ich bin doch sehr beruhigt, dass ich zumindest die Kieferninseln bereits auf dem Schirm hatte. Die restlichen sagen mir aktuell wenig bis gar nichts, aber das kann sich ja noch ändern. 🙂

    Friederike

    Genau :).
    Viel Spaß beim Lesen!

Bri

Tja, dass Was man von hier aus sehen kann nicht drauf ist, ist zwar schade, aber das Buch wird sich auch so verkaufen. Tut es ja jetzt schon. Kraft von Jonas Lüscher ist mein Favorit. Es ist klug, es ist witzig, es ist sehr gut geschrieben, es sticht heraus und es kommt aus einem für mich nicht typisch belletristischen Verlag. Aber wahrscheinlich wird es auch Kraft nicht werden 😉 Aber so eine Jury hat es auch nicht leicht. Naja, wir werden sehen, wer den dbp dann letztendlich bekommen wird. LG, Bri

Friederike

„Kraft“ habe ich bisher noch nicht gelesen und habe diesen Titel bisher auch ignoriert, zumal ich Lüschers „Frühling der Barbaren“ zwar ganz gut fand, es mich jedoch nicht vom Hocker gerissen hat.
Allerdings könnte das auch daran liegen, dass mir im Vorfeld so von diesem schmalen Band vorgeschwärmt wurde, dass meine Erwartungen extrem hoch waren. Das Buch konnte diese eigentlich gar nicht erfüllen.
Mal schauen, wie es mit Kraft wird.
Auf meinem Reader ist es bereits :).

Viele Grüße,
Friederike

Katharina

Seit ich diesen Blog lese, interessiere ich mich sogar für die Longlist. Freue mich auf die Besprechungen.

    Friederike

    Oh, prima :). Ich bin auch sehr gespannt.

Katharina
    Friederike

    Danke!

Pingback: Gesucht: das beste Buch des Jahres | Bücherherbst
Eva Jancak

Was ist so schlimm an dieser Liste, abgesehen davon, daß es nie gelingen wird, aus den zwanzig- bis siebzigtausend jährlichen belletristischen Neuerscheinungen, die zwanzig herausszupicken mit denen alle zufrieden ist.
Ich habe auch erst gelernt, damit umzugehen, daß sie Liste immer ganz anders ist, als man dachte oder schätzte, obwohl man sich ja alle Mühe damit gab und schon in Leipzig begann nachzudenken, was da wohl daraufstehen könnte?
Ich habe da an „Trutz“ und „Klassenbuch“, gedacht.
Wenn Natascha Wodin daraufgekommen wäre, dann hätten bestimmt einige geschrieen, nicht schon wieder, die war ja schon in Leipzig nominiert, das ist ungerecht und Mariana Lecky hätte ich mir eigentlich auch erwartet und die stand schon einmal auf der Liste, warum war es dann unwahrscheinlich?
Von den Buchhändlerischen Erwartungen habe ich keine Ahnung, da ich meine Bücher im Normalfall nicht zum Normalpreis dort kaufe, aber ich denke, die Listen sind ohnehin schon schön ausdifferenziert.
Da gibt es eine Debutantin, von der ich noch nie etwas gehört habe und Sven Regener, Thomas Lehr, Mirko Bonne, Feridun Zaimoglu, Gerhard Falkner, Robert Menasse, Franzobel, alles bekannte Namen und literarischer Mainstream oder irre ich mich da und was ich eigentlich schön finde und denk,e daß das der österreichische Juroreneinfluß sein könnte auch Robert Prosser und Birgit Müller-Wieland.
Da lohnt es sich sicher, die kennenzulernen und was den Buchhändler Aspekt betrifft, müßten auf der Liste wahrscheinlich ohnehin Kimis oder ChickLits zugelassen sein oder irre ich mich da, um die Kassen klingeln zu lassen, sie sind es nicht und da finde ich das Buchpreisbuch von 2015 diesbezüglich besonders spannend, obwohl ich da eher Clemens J. Setz oder was den Massengeschmack betrifft, Rolf Lappert vorgeschlagen hätte und für heuer, da habe ich schon zwei Bücher gelesen, würde ich „Evangelio“ vorschlagen. Was ist <Ihr Tip?
https://literaturgefluester.wordpress.com/2017/08/15/vier-und-zwei-aus-zwanzig/
https://literaturgefluester.wordpress.com/2017/08/11/archivnachtrag-und-listenschaetzung/

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