Tanja Paar: “Die Unversehrten”

Tanja Paar: “Die Unversehrten”

Dieses Buch habe ich in einem Rutsch durchgelesen. “Die Unversehrten” ist definitiv eines meiner Highlights des Jahres 2019!


Das mit Klara ist einfach so passiert. Naja. Was heißt hier “einfach so”.
Martins Deal mit Violenta ist, dass er sich andere Frauen erlauben darf – wenn es beim Sex bleibt.
Dass er dieses Mal weiter gegangen, als sonst, wird Martin bewusst, als er das Ticket für den gemeinsamen Urlaub mit Klara in der Hand hält. Aber weitere Gedanken macht er sich nicht. Auch nicht darüber, dass Violenta (mit der er eine Fernbeziehung führt) ständig darüber spricht, dass sie und Martin, sobald seine Dissertation abgeschlossen ist, zusammen nach z.B. Tokio gehen werden.
Doch dieser Plan ist inzwischen Geschichte. Denn Klara ist schwanger.
Shit happens.

Klara beschließt das Kind zu bekommen. In Violentas Welt heißt das, dass Martin Alimente zahlen wird und sich die Sache somit erledigt hat.
Für Martin sieht das anders aus. Er möchte sein Kind sehen – und nicht nur einmal im Jahr von Tokio nach Österreich reisen, um es zu besuchen.
Er möchte bei seiner Tochter sein, sagt er. Denn sie sähe ihm ähnlich. Woraufhin Violenta kontert, dass dies bei Eltern und Kindern nicht ungewöhnlich sei.
Doch Klara stellt sich quer und die ganze Situation wird immer komplizierter. Auch Klaras und Martins Heirat bringt keine klaren Verhältnisse.

“Die Unversehrten” ist Tanja Paars Debütroman. Er stand zwei Monate lang auf der ORF-Bestenliste und ich habe ihn innerhalb eines Tages inhaliert.
Einmal angefangen, war dieses Buch für mich nicht mehr wegzulegen.
Das mag an den kurzen präzisen Kapiteln liegen, die dramaturgisch sehr geschickt aufgebaut sind.
Hier merkt man, dass Tanja Paar Journalistin ist und die Kunst beherrscht, Unwichtiges wegzulassen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und eine Geschichte schnörkellos spannend zu halten.

Weiterhin finde ich es sehr bemerkenswert, dass sie aus dieser ja man kann sagen tragischen Figurenkonstellation keinen melancholischen Roman strickt, sondern ein Buch, bei welchem man nicht mit den Figuren mitleidet, sondern regelrecht mitfiebert.

Da ist zum einen die knallharte Violenta, die sich auf ihre Karriere konzentriert und sehr berechnet ist. Sie ist stark in ihren Argumenten, was sich zum Beispiel zeigt, als sie eine sehr klare schriftliche Ansage an Klara formuliert, in der es darum geht, dass Martin (trotz des Kindes) nicht bei Klara bleiben wird. Deutlicher, aber auch rücksichtsloser, hätte sie sich nicht ausdrücken können.

Martin hingegen ist weitaus weniger strukturiert. Er ist, nett gesagt, extrem bequem und gedankenlos.
Zum Beispiel geht er mit Klara in die gleichen Hotels, die er auch schon mit Violenta aufgesucht hat und kann überhaupt nicht verstehen, dass Klara verletzt ist.
Auch an der Taufe seiner Tochter beschließt er kurzfristig, nicht mit Klara und ihrer Familie nach Hause zu fahren, sondern vor Ort zu bleiben.
Er müsse sich erholen. Und nachdenken. Er nennt es “nachdenken”, doch man könnte dieses Verhalten auch als entscheidungsresistent oder schlicht und ergreifend als rücksichtslos bezeichnen.

Klara hingegen kann einem leid tun. Sie hat nun einen Mann an der Backe, von dem sie weiß, dass er ihr nicht treu sein wird und kein Problem damit hat, andere zu verletzen. Einen Mann, den sie kaum kennt.
Eines Tages kommt es, wie es kommen muss: Violenta und Martin treffen sich wieder.
Rein zufällig natürlich…

Die Unversehrten” ist ein Roman, der mich sehr überrascht hat und mit einem Handlungsverlauf aufwartet, den ich so niemals vorhergesehen hätte. Außerdem ist es das erste Buch, das ich je gelesen habe, in welchem ein Kapitel wortwörtlich (und vollkommen plausibel) zweimal vorkommt.
Das alleine schon macht “Die Unversehrten” zu einem meiner Highlights des Jahres 2019.

Super!

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ISBN: 978-3-7099-3416-6
Verlag: Haymon
Erscheinungsjahr: 2018
Seiten: 160
Preis: 17,90 €


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2 thoughts on “Tanja Paar: “Die Unversehrten”
Ivy

Hey hey 🙂

Vielen Dank für deine Rezension! Ich hatte das Buch schon öfter im Blick, aber irgendwie fehlte mir dann doch der richtige Impuls es zu kaufen. Jetzt wandert es vielleicht doch endlich mal offiziell auf meinen Wunschzettel, denn ich fürchte du hast mich geködert 😀

Liebe Grüße
Ivy

    Friederike

    Ciao Ivy,

    super, das freut mich. Ich konnte den Roman wirklich nicht mehr aus der Hand legen und hoffe, dass es Dir genauso gehen wird.

    Viel Spaß beim Lesen wünscht Dir
    Friederike

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