Anne Köhler: „Ich bin gleich da“

Anne Köhler: „Ich bin gleich da“

Elsa hat für sich entdeckt, dass sie nirgendwo so gut vergessen und im Hier und Jetzt leben kann, wie in der Küche eines Restaurants. Manche brauchen hierfür Alkohol oder Drogen, Elsa braucht den Stress der Küche, klare Aufgaben, klare Ansagen.

Dafür nimmt sie gerne jede Zusatzschicht an, die sie bekommen kann. Auch wenn diese nicht bezahlt wird, was dem Inhaber des XXL-Mega-Tempels (in welchem es nur Riesenportionen minderer Qualität gibt – aber egal, Hauptsache riesig) sehr entgegenkommt.
Gelandet ist Elsa hier auf der Flucht zum Meer. Eigentlich kommt sie aus dem Süden Deutschlands, aber sie plant sich zum Meer vorzuarbeiten. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn in den Restaurantküchen ist es üblich, von einem Tag auf den anderen einen neuen Job zu suchen.

Mit 15 ist sie von Zuhause ausgezogen, um eine Lehre als Köchin zu beginnen, denn Zuhause, das ging nicht mehr. Ihr Vater ist gestorben und sie gibt sich die Schuld dafür, dass sein Tod nicht früher bemerkt worden ist – vielleicht hätte man ihn noch retten können…
Die Mutter zerbricht am Tod ihres Mannes und Elsa hält es nicht mehr aus daheim. Daher kommt die Lehre als Köchin in einer anderen Stadt sehr gelegen. Seit ihrem Auszug hat sie weder Mutter noch den Bruder gesehen. Sie musste ja arbeiten. Und verdrängen.

Wir dürfen Elsa nun auf ihrem Weg nach Norden begleiten und mit ihr in zwei verschiedenen Restaurantküchen kochen, was unglaublich interessant ist.
Man spürt die Hektik und die perfekt aufeinander abgestimmten Abläufe regelrecht selbst. Und wir lernen viel übers Kochen: Wie sehr die Sonderwünsche wegen diverser Allergien und Unverträglichkeiten doch zugenommen haben, dass es viel Stress für einen Koch bedeutet, einen Stern zu behalten und was wir auch miterleben dürfen, ist die Leidenschaft und das Bestreben, das perfekte Gericht zu erschaffen.
Anne Köhler selbst hat viel recherchiert und zum Beispiel in den Restaurantküchen von Vincent Klink und Kolja Kleeberg mitgearbeitet – und das merkt man auch wirklich.

Das ist der erste Punkt, der mich bei „Ich bin gleich da“ begeistert hat. Der Zweite ist die Sprache. Anne Köhler schreibt in einer ganz ruhigen Art, ganz konträr also zur Hektik in der Küche. Und das ist einfach richtig gelungen und sehr schön . Mich hat während der Lektüre eine ganz leise Melancholie erfasst und mich vollkommen für diesen Text eingenommen.

Neun Jahre lang hat sie an diesem Roman geschrieben und das Warten hat sich definitiv gelohnt. „Ich bin gleich da“ ist ein wunderbares Buch.

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Dieses Buch ist übrigens mein Lieblingsbuch des Jahres 2015.


ISBN:   978-3-8321-6363-1
Verlag: Dumont
Preis: 9,99 €


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4 thoughts on “Anne Köhler: „Ich bin gleich da“
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Silvia

Das merke ich mir mal als Möglichkeit für Das Jahr des Taschenbuchs. Vom Buch und der Autorin habe ich ehrlichgesagt vorher noch nichts gehört.

Friederike

Ja, es ist leider etwas untergegangen. Bisher waren allerdings alle, die es gelesen haben sehr angetan und ich werde mich weiter für dieses besondere Buch einsetzen. Auf unserem Empfehlungstisch in der Buchhandlung liegt schon ein Stapel :).

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